Sammlung von Newsfeeds
Dt_AIDS_Hilfe: Rechtliche Gleichstellung von #Homosexuellen und #Trans*- Menschen mangelhaft. ILGA legt Bericht für Europa vor. http://t.co/O4VBy8G6
Dt_AIDS_Hilfe: "Schwule Sau"- das beliebteste Schimpfwort in deutschen Schulen? Ein junger Lehrer erzählt von seinen Erfahrungen. http://t.co/qMgEKdrJ
Robino ist erst 19 Jahre. Seit seinem Coming-out musste er über Beleidigungen bi...

Aktiv gegen Schwulenfeindlichkeit
www.dbna.de
Aktiv gegen Schwulenfeindlichkeit - STOP!Homophobie läuft dieses Jahr an
„Voll schwuler Unterricht“

Alexander Lotz: Engagement gegen Homophopie. Foto: privat
„Schwule Sau“ ist das beliebteste Schimpfwort an deutschen Schulen, behauptet die Bildungsgewerkschaft GEW. Philip Eicker befrage dazu Alexander Lotz.
Der 29-Jährige unterrichtet Biologie und Chemie an einem Gymnasium in Frankfurt/Main und engagiert sich im GEW-Netzwerk Schwule Lehrer. Schon als Student machte er sich gegen Homophobie an Schulen stark, unter anderem als Vorstand des Berliner Vereins Abqueer, der mit Jugendlichen Bildungsarbeit zu schwulen, lesbischen und transidenten Lebensweisen macht.
Alexander, ist „schwule Sau“ wirklich das beliebteste Schimpfwort an deutschen Schulen?
Ja, ich denke schon. „Spast“ und „Opfer“ holen auf, aber „schwule Sau“ wirkt als Schimpfwort immer noch am besten.
Wann fällt das Wort?
Vor allem Schüler benutzen das Wort, Schülerinnen sehr viel seltener. Jungen ist es offensichtlich sehr wichtig, sich als männlich zu präsentierten. Deshalb wird alles, was als unmännlich gilt, abgewertet. Die Schüler machen das häufig gar nicht bewusst, sondern haben die in der Gesellschaft vorhandene Homophobie internalisiert. Schwul wird gleichbedeutend mit „schlecht“ oder „doof“ verwendet. Als „schwul“ werden Sachen wie etwa Hausaufgaben, Taschen oder Handys bezeichnet. Aber auch Personen werden so gezielt abgewertet – weil sie irgendetwas an sich haben, was den Beschimpfern nicht gefällt, oder weil man ihnen unterstellt, schwul zu sein.
Auch ungeliebte Hausaufgaben sind „schwul“. Foto: schemmi, pixelio.de
Wann hast du das zuletzt erlebt?
Gerade letzte Woche im Biologieunterricht in einer 8. Klasse. Das Thema waren eigentlich Moose im Wald. In einer Gruppenarbeitsphase redeten ein paar Schüler über Tokio Hotel und stellten unüberhörbar fest, dass Bill Kaulitz „eine Schwuchtel“ sei.
Hast du eingegriffen?
Ich habe erst mal nur ernst in die Richtung der Gruppe geguckt, um zu verdeutlichen, dass ich es gehört habe. Später hab ich dann den Schüler, der das geäußert hat, zur Seite genommen und mit ihm darüber geredet. Seine Reaktion war typisch: Es war ihm unheimlich peinlich, darüber zu reden. Die Jugendlichen gebrauchen zwar andauernd „schwul“ als Schimpfwort, aber wenn man sie dann anspricht, ist ihnen das sehr unangenehm. Mir geht es ja nicht ums Bestrafen, sondern um Einsicht mit dem Ziel, eine Verhaltensänderung zu bewirken. Allerdings ist häufig schon die Vorstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe derart mit Peinlichkeit besetzt, dass Sprachlosigkeit herrscht.
„Die Vorstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe ist derart mit Peinlichkeit besetzt, dass Sprachlosigkeit herrscht“
Bist du selbst schon einmal homophob angegriffen worden?
Ja. Es hat in letzter Zeit etwas nachgelassen und passiert vielleicht alle zwei Monate. Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass ich mit einem Mann verheiratet bin und rufen mir im Vorbeigehen Bemerkungen hinterher. Oder sie machen eindeutige Gesten. Vor allem solche Schüler, die ich nicht unterrichte. Ich habe auch schon eine anonyme E-Mail bekommen, in der ich als „schwule Sau“ beschimpft wurde.
Gemobbt wird oft per anonymer E-Mail. Foto: Wolfgang Dirscherl/Gerd Altmann, pixelio.de
Die E-Mail könnte natürlich von überall her kommen.
Im Prinzip schon. Aber diese ging an meine Schuladresse, die nur Schülern, Eltern und Lehrern bekannt ist. Der Absender hatte sogar einen E-Mail-Account im Namen meines Schulleiters angelegt und die Mail in dessen Namen verschickt. Die Polizei konnte das leider nicht zurückverfolgen.
Wie hast du dich denn an deiner Schule geoutet?
Als ich 2010 nach Frankfurt kam, wollte ich erst austesten, wie die Atmosphäre an der Schule ist. Ich wollte mich auf jeden Fall outen, hatte aber noch überlegt, welcher Weg sinnvoll ist. Aber dann hat gleich in einer meiner ersten Stunden ein Schüler gesagt, dass der Unterricht „voll schwul“ sei. Dann habe ich klargestellt, dass ich solche Ausdrücke in meiner Klasse nicht möchte, unter anderem, weil ich selbst schwul und sicherlich nicht der Einzige an dieser Schule bin. Das hat dann schnell die Runde unter den Schülerinnen und Schülern gemacht. Nach dieser Erfahrung habe ich es in allen anderen Klassen jeweils in der ersten Stunde gesagt.
Bist du auch im Kollegium offiziell geoutet?
Ja. Von meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich nie etwas Negatives gehört. Wir haben zu meiner Hochzeit auch ganz normal mit Sekt angestoßen, und meine Fachkolleginnen und -kollegen haben mir ein Geschenk gemacht. Allerdings höre ich schon auch Unverständnis oder Vorbehalte, was meinen offenen Umgang angeht.
Großer Redebedarf zu einem peinlichen Thema. Foto: Helene Souza, pixelio.de
Wie verhalten sich die Eltern?
Ihr Verhalten lässt sich nicht verallgemeinern – ich erfahre ja nur von den negativen Reaktionen. Zum Beispiel gab es eine Beschwerde bei der Schulleitung, ich hätte im Biologieunterricht explizit homosexuelle Handlungen gezeigt. Dabei ging es aber nur um die HIV-Infektion und wie man sich davor schützen kann. Eine zweite Beschwerde kam, weil ich in einer Vertretungsstunde bei Siebtklässlern über Homosexualität gesprochen habe. Das kam so: Ein Schüler hatte mich schon beim Aufschließen des Klassenzimmers ständig gefragt, ob ich schwul sei. Nach Stundenbeginn beantwortete ich seine Frage knapp für alle und fragte, ob dazu Redebedarf bestehe. Bestimmt zwanzig Finger gingen hoch! Wir führten dann ein sehr gutes, sachliches Gespräch. Die Schülerinnen und Schüler hatten unglaublich viele Fragen zu Homosexualität.
Der Kollegin, die ich vertreten hatte, erzählte ich am nächsten Tag, dass es großen Redebedarf gab und sie das Thema, wenn sie wolle, ja auch noch mal aufgreifen könne. Sie sagte mir daraufhin, das Thema stehe nicht so richtig im Lehrplan, und in Ethik spreche man eher aus philosophischer Sicht über Liebe.
Auch Schulbücher machen in Sachen Homosexualität nicht schlau. Foto: Michael Andre May, pixelio.de
Eine typische Reaktion?
Ich erlebe immer wieder, dass sich Kolleginnen und Kollegen beim Thema Homosexualität unsicher fühlen, weil man dazu leider immer noch nicht ausgebildet wird. Und wie eine aktuelle Schulbuchstudie zeigt, sind Lehrbücher auch keine Hilfe. Im Gegenteil: Die Sprach- und Bildlosigkeit der Lehrbücher fördert das Schweigen zu Homosexualität in Schule und Unterricht. Dadurch bleibt Heterosexualität die unhinterfragte Norm, positiv besetzte Homosexualität muss sich rechtfertigen.
Was wissen denn deine Schülerinnen und Schüler über Schwule und Lesben?
Mir scheint, eher wenig. Die meisten kennen nicht einmal Lesben und Schwule aus dem öffentlichen Leben. Häufig wissen sie auch nicht, dass Homo- und Bisexualität genau wie die unhinterfragte Heterosexualität natürliche Formen sexueller Orientierung sind. Sie haben auch ein verzerrtes Bild von Homosexuellen, vor allem von schwulen Männern. Es ist geprägt von vermeintlicher Weiblichkeit und zugeschriebener Sexualisierung. Damit reproduzieren sie das, was ihnen Erwachsene vorleben. Mir zum Beispiel wird auch vorgeworfen, ich würde die Schülerinnen und Schüler ständig mit meiner Homosexualität konfrontieren. Dieses Vorurteil reproduzieren die Schüler.
„Du musst das ja auch nicht vor dir hertragen“
Hast du vorher geahnt, wie stark die Homophobie an einer Schule sein kann?
Ich dachte schon, dass es eine entsprechende Reaktion auf mein Outing geben würde. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass es immer wieder zu abfälligen Kommentaren führt. Das Schlimme ist: Wenn ich Kolleginnen und Kollegen sage, dass ich diese Reaktionen nicht gut finde, unterstützen mich einige, aber dann heißt es leider auch: „Du musst das ja auch nicht vor dir hertragen.“ Ich habe auch schon gehört: „Du hast eben diesen Weg gewählt.“ Nur wenige sagen von sich aus: „Wir müssen hier ein anderes Klima schaffen!“
Vielfalt muss alltäglich werden. Foto: M.E., pixelio.de
Wie könnte man das angehen?
Indem man das Thema ganz alltäglich behandelt, sodass allen klar ist: An unserer Schule gibt es Lesben und Schwule – genauso wie es hier Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Glaubens gibt. Wenn klar ist, dass zur Heterogenität einer Schule auch Lesben und Schwule gehören, dann ändert sich da was. Aber dazu müssen sie sichtbar werden. Die Erwachsenen, die Vorbilder der Jugendlichen, sind hier häufig leider sprachlos. Aber man sollte die Verantwortung nicht allein den Lehrerinnen und Lehrern zuschieben. Im Schulbereich braucht es dazu auch die Unterstützung von Politik und Schulverwaltung.
Zweifelst du manchmal an deiner Berufswahl?
Nein, nie. Lehrer zu sein, ist mein Traumberuf. Das Tolle ist, dass ich – gerade in den Naturwissenschaften – bei den Schülerinnen und Schülern sehr leicht Interesse wecken kann. Zu sehen, wie Kinder und Jugendliche lernen und kompetenter werden, ist sehr beeindruckend!
Die EM in Polen und der Ukraine ist ein großes Ereignis. Homosexuelle müssen jed...

Homophobie in Polen und der Ukraine – Wo schwule Fußballfans gejagt werden
www.sueddeutsche.de
Homosexualität wird in den Gastgeberländern der Fußball-EM mitunter als Bedrohung für die nationale Sicherheit betrachtet. Schwule und lesbische Fans laufen Gefahr, für ihre sexuelle Orientierung bespuckt und gejagt zu werden. Doch für die Betroffenen bietet die Sportveranstaltung auch die Chance, s...
Dt_AIDS_Hilfe: Wenn das Glück plötzlich so nah ist: Thomas ist #HIV -positiv und jetzt auch Vater eines gesunden Sohns. http://t.co/sRFoe7Ha
„Wir schaffen das schon!“

Thomas, seine Freundin und ihr Sohn Chris-Maurice (Foto: privat)
Der 15. Mai ist der Internationale Tag der Familie. Wir veröffentlichen aus diesem Anlass ein Interview mit Thomas (39) aus Leipzig. Thomas hat vor anderthalb Jahren erfahren, dass er positiv ist. Zwar hat er seine Arbeit als Maler deswegen verloren und ist berufsunfähig. Aber seit ein paar Wochen hat das Leben für den Botschafter der Welt-Aids-Tags-Kampagne „positiv zusammen leben“ einen ganz neuen Sinn: Am 1. April wurde sein Sohn Chris-Maurice geboren – ohne HIV und gesund. Kriss Rudolph sprach mit Thomas über Vaterglück, Elternzeit und Windelwechseln.
Thomas, alles Gute zur Geburt deines Sohnes! Wie fühlst du dich als Vater?
Vielen Dank! Ach, es ist schön, wenn der Kleine lacht und grinst, einfach so aus dem Nichts heraus. Es sind so kleine Sachen, über die ich mich freue. Es ist schön, wenn er auf meinem Bauch liegt, mit seinem Bauch, und schläft – das erfüllt einen mit Freude. Er ist rundum gesund, isst viel, rülpst und pupst. Er ist jetzt auch kein Schreikind und schläft nachts durch. Wir sind sehr zufrieden und glücklich.
Auch wenn du vorher wusstest, dass dein Kind nicht HIV haben würde – hattest du trotzdem Angst?
So was wie Kinder kriegen war nach der HIV-Diagnose in ganz weiter Ferne
Na ja, ein Restrisiko gab es ja schon. Die Gefahr der Ansteckung war fast ausgeschlossen, aber eben doch vorhanden, wenn auch gering. Das hat die Vorfreude schon ein bisschen getrübt. Ich habe zwar nicht die ganze Zeit deswegen gegrübelt, aber immer, wenn ich meine Medikamente geholt habe, wieder drüber nachgedacht. Nach seiner Geburt wurden dann direkt die Blutwerte genommen, gleich vom Nabelschnurblut, und nach zwei Tagen stand fest: Der Junge ist gesund.
Wie ist das zu erklären?
Zum einen ist ja meine Freundin nach wie vor negativ. Und wenn sie HIV gehabt hätte, hätte sie HIV-Medikamente genommen, damit das Kind während der Schwangerschaft nicht angesteckt wird. Außerdem war die Virenmenge in meinem Blut zu gering, um eine Infektion hervorzurufen.
Hättest du dir das vorstellen können, als du erfahren hast, dass du HIV hast? Dass du das noch erleben wirst?

Chris-Maurice (Foto: privat)
Wenn mir nach der Diagnose jemand gesagt hätte, ich würde irgendwann Vater werden, von einem gesunden Kind – den hätte ich für total verrückt gehalten! So was wie Kinderkriegen war da in ganz weiter Ferne. Aber dann sagte der Arzt letztes Jahr: Wenn ihr mal ein Kind haben wollt, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, wegen meiner guten Werte. Dadurch kam für uns der Impuls. Sonst hätte man ja eventuell auch über künstliche Befruchtung nachdenken können. Aber ich hatte dann auch gute Gespräche mit der Aidshilfe, das hat mir Mut gemacht – und so kam die Entscheidung zustande. Man weiß ja nicht, was in zwei oder drei Jahren ist. Gerade auch, was meine Werte betrifft.
Warst du bei der Geburt dabei?
Ja, ich saß daneben. Eine Stunde und 45 Minuten waren wir im Kreißsaal. Meine Freundin musste sich also nicht sehr lange quälen. Die Hebamme war auch sehr zufrieden, und ich durfte dann die Nabelschnur durchtrennen, meine Freundin wollte das nicht.
Was war das für ein Gefühl, als dein Sohn geboren war?
Chris-Maurice kam um 18 Uhr 01 auf die Welt, und ich war noch bis spät abends im Krankenhaus. Als ich zu Hause war, hatte ich dann soooo ein Mitteilungsbedürfnis. Ich habe ganz viele SMS-Nachrichten verschickt und Bilder – an alle, die ich kenne. Ich war stolz wie Bolle.
Deine Partnerin hat ja bereits einen Sohn. Wie gehst du mit Tim um, wie erklärst du ihm deine Krankheit?
Es gab keine negativen Reaktionen, und jetzt freuen sich alle
Na ja, nach der Plakatkampagne zum Welt-Aids-Tag kannte mich ja hier fast jeder, und auch in Tims Schule lagen Flyer aus. Alle Kinder haben mich dann automatisch damit in Verbindung gebracht, ich wurde von allen nur noch mit Vornamen angesprochen. Der Tim kann meine Krankheit mit seinen sieben Jahren aber noch nicht wirklich einordnen. Ihm ist aber klar, dass ich krank bin. Ich habe ja auch die Aids-Schleife im Nacken tätowiert. Seine Mutter hat ihm erklärt, dass es da um Menschen geht, die krank sind und die Hilfe brauchen. Wenn Tim ein bisschen älter ist und anfängt Fragen zu stellen, beantworte ich die natürlich.
Wie findet es Tim, dass er jetzt einen kleinen Bruder hat?
Der ist auch superstolz und freut sich. Er erzählt immer allen in der Schule, was sein kleiner Bruder so alles macht. Tim wollte auch direkt abends mit ihm spielen, da mussten wir ihn aber erst noch ein bisschen bremsen. Dafür ist Chris-Maurice ja im Moment noch zu klein.

Chris-Maurice (Foto: privat)
Hatten deine Freunde und die Familie angesichts deiner Krankheit Verständnis für euren Kinderwunsch?
Es gab keine negativen Reaktionen, auch nicht nach dem Motto: Das ist egoistisch oder verantwortungslos. Aber natürlich haben sie gefragt: Wie geht das überhaupt, dass das Kind nicht angesteckt wird? Und ob wir uns das gut überlegt hätten. Jetzt freuen sie sich aber alle.
Wie geht es dir denn gesundheitlich?
Anfang des Jahres haben die Ärzte festgestellt, dass bei mir jetzt das Vollbild der HIV-Erkrankung besteht. Damit ist so eine Art Scheidepunkt erreicht, der Übergang zum Ausbruch von Aids. Da das aber noch ganz am Anfang ist, kann man da mit Medikamenten noch was machen und die Krankheit wieder zurückdrängen. Durch das Virus ist aber mein Magen kaputt und nimmt nicht genügend Nährstoffe auf. Ich kann essen, so viel ich will – ich werde nicht dicker. Schmerzen habe ich aber nicht. Man kann das behandeln, aber dazu müssen die Blutwerte erst wieder in Ordnung sein. Wir haben die Therapie schon umgestellt, ich nehme neue Medikamente. Damit geht es mir besser. Bei der ersten Blutentnahme nach der Umstellung zeigte sich, dass die Zahl der Helferzellen ziemlich gestiegen war. Das ist ein gutes Zeichen.
Wie geht es dir mit dieser Entwicklung?
Ich grübel jetzt nicht ständig oder schreibe mein Testament. Ich lebe so, wie ich lebe, das habe ich vorher auch schon getan. Man muss sich halt disziplinieren, auch wegen der Tabletten, die man regelmäßig einnimmt.
Es sind so kleine Dinge, auf die ich mich freue
Durch deinen Sohn kommst du wahrscheinlich auch nicht viel zum Grübeln.
Nein, dafür ist gar keine Zeit! Der Junge beschäftigt einen rund um die Uhr. Und wenn er einen mit seinen großen Augen anguckt, das ist toll. Das ist Freude genug. Das Schöne ist ja auch: Mit dem kleinen Mann muss man immer mal raus. So hat man mehr Bewegung, kriegt mehr frische Luft. Das tut mir auch gut.
Hast du Pläne oder Träume, was du später mit deinem Sohn machen willst, so was wie Fußballspielen, Drachen steigen lassen und so weiter?
So konkret denke ich nicht darüber nach. Da kommen in den nächsten Monaten so viele Sachen, die ich mit ihm erleben kann: Wenn er anfängt zu krabbeln, wenn er irgendwann von alleine herumläuft oder anfängt zu sprechen. Es sind eher so kleine Dinge, auf die ich mich sehr freue. Ab 29. Mai bin ich auch allein mit ihm, da geht meine Freundin nach dem Mutterschutz wieder arbeiten, und ich mache dann das Elternjahr. Windeln wechseln und seinen Brei anrühren kann ich schon. Wir beide schaffen das schon!
David Berger war Professor der päpstlichen Akademie in Rom. Nach seinem schwulen...
„Ich würde den Vatikan homophil-homophob nennen“ | d@h_blog
blog.aidshilfe.de
Gemeinsam gegen Aids – gemeinsam für Menschen mit HIV
Dt_AIDS_Hilfe: Heute jährt sich der Geburts- und Todestag von Magnus #Hirschfeld, Mitbegründer der deutschen Schwulenbewegung. http://t.co/8vMmLDQ3
„Kein Laster und kein Verbrechen“

Magnus Hirschfeld, 14. Mai 1868-14. Mai 1935. Foto: Archiv der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Berlin
Magnus Hirschfeld (1868-1935) gilt als einer der entscheidenden Mitbegründer der deutschen Sexualwissenschaft und der deutschen Schwulenbewegung, aber auch als engagierter sozialdemokratischer Reformpolitiker. Am 14. Mai jährt sich sein Geburts- und Todestag. Ein Kalenderblatt von Axel Schock.
Man kann sich nur schwer vorstellen, was in Magnus Hirschfeld an jenem Maitag des Jahres 1933 angesichts dieser Bilder vorgegangen sein mag. In einem Pariser Kino sieht er einen Wochenschaubericht aus Berlin: Auf dem Opernplatz werfen Nationalsozialisten Bücher ins Feuer. Werke von Thomas Mann und Sigmund Freud, aber auch die Bibliothek jenes Instituts für Sexualwissenschaft, das Hirschfeld gegründet und geleitet hat, gehen dort in Flammen auf. Drei Jahre zuvor war der jüdische Sexualwissenschaftler von Berlin aus zu einer Vortragsreise in die USA aufgebrochen, nicht ahnend, dass dies der Beginn einer langen Weltreise und seines Exils werden würde.
„… eine einzige Brutstätte von Schmutz und Sudelei“
Wenige Tage vor besagtem Maitag hatten Mitglieder des „Kampfausschusses der Deutschen Studentenschaft“ in SA-Uniformen das Gebäude in Berlin-Tiergarten gestürmt und Bilder, Bücher und Akten geplündert und vernichtet. „Dieses Institut, das sich ein wissenschaftliches Mäntelchen umzuhängen versucht hat“, heißt es am Tag nach der Plünderung in Goebbels Kampfblatt Der Angriff, „war eine einzige Brutstätte von Schmutz und Sudelei gewesen.“ Als Jude, Homosexueller und Sozialist war Hirschfeld ein besonderer Dorn im Auge der Nationalsozialisten. Symbolisch zerstört wird nicht nur das Lebenswerk Hirschfelds. Er selbst wird in diesen Scheiterhaufen geworfen. „Der Kopf einer zerschlagenen Büste stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte“, beschreibt der Augenzeuge Erich Kästner die Szenerie. Der Büstenkopf stellt Magnus Hirschfeld dar.

Das von Bomben zerstörte Institut für Sexualwissenschaft 1945. Foto: Schwules Museum Berlin
Das Vernichtungswerk der Nazis war geradezu perfekt. Das Institut wurde geschlossen und geräumt, Hirschfelds Bücher aus den öffentlichen Bibliotheken entfernt. Zwei Jahre später stirbt Hirschfeld im Exil im südfranzösischen Nizza. Es ist sein 67. Geburtstag. „Er starb als Geächteter, arm, in der Fremde. Aber er starb schön; einen leichten, fast heiteren Tod“, berichtet sein Mitarbeiter Kurt Hiller. „Morgens nahm er noch fröhlich Geburtstagsglückwünsche entgegen, dann ging er spazieren, wollte einen erkrankten Kollegen besuchen; im Vorgarten des Hauses sank er bewusstlos zusammen, um nicht wieder aufzuwachen.“
Kein einziger Nachruf erinnerte damals an den Sexualwissenschaftler. Sein Name, nur wenige Jahre zuvor auch in der Allgemeinbevölkerung derart bekannt, dass man sogar ein populäres satirisches Chanson („Der Hirschfeld kommt“) über ihn verfasste, war von den Nationalsozialsten aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt worden. Das Vergessen hielt bis lange nach dem Kriege an, allenfalls einer kleinen Fachöffentlichkeit war Hirschfeld noch ein Begriff. Die wenigen Spuren seines Lebens und vor allem seines Werkes wurden erst ab den 70er Jahren gesichert und erforscht. Man belebte damit die Erinnerung an einen Mann, der vor allem für die deutsche Schwulenbewegung Bedeutendes geleistet hat.
„Kein Laster und kein Verbrechen“
Nicht weniger als die „Erforschung des gesamten menschlichen Geschlechts- und Liebeslebens“ und zugleich die „Nutzbarmachung dieser Forschung für die Gesamtheit“ hatte sich Hirschfeld als Aufgaben für sein Institut für Sexualwissenschaft gestellt. Der Forschungseifer des 1868 geborenen Hirschfeld, der einer jüdischen Medizinerfamilie aus Kolberg entstammte, war tatsächlich unermüdlich. Sein Institut, in dem mehr als zwanzig Mitarbeiter beschäftigt waren, verband Forschung und Dienstleistung. Angeboten wurden persönliche Beratung und öffentliche Vorträge zu Geschlechtskrankheiten, Abtreibung und Empfängnisverhütung. Hirschfeld betrieb auch die erste Eheberatungsstelle Deutschlands.

Hirschfelds Bronzebüste überstand die Bücherverbrennung 1933. Foto: Schwules Museum Berlin
Ganz wesentlich in seinem Lebenswerk ist jedoch sein Engagement für die Emanzipation der Homosexuellen. Bereits 1896 veröffentlichte er – damals noch unter Pseudonym – die kleine Broschüre „Sappho und Socrates“. Sein primäres Ziel war die Abschaffung des Anti-Homosexuellen-Paragrafen 175 des Reichs-Strafgesetzbuchs.
Hirschfeld fand Mitstreiter, und am 15. Mai 1897 trafen sich in Berlin-Charlottenburg unter anderem der Leipziger Verleger Max Spohr, der ehemalige Offizier Josef von Bülow und der Jurist Eduard Oberg zur Gründung des „Wissenschaftlich Humanitären Komitees“ (WhK). Programmatisch formulierten sie ihre Aufgabe, „aufgrund sichergestellter Forschungsergebnisse und der Selbsterfahrung vieler Tausender endlich Klarheit darüber zu schaffen, daß es sich bei der Liebe zu Personen des gleichen Geschlechts, der sogenannten Homosexualität, um kein Laster und kein Verbrechen, sondern um eine von der Natur tief in einer Anzahl von Menschen wurzelnde Gefühlsrichtung handelt“. Dieser Tag gilt heute als die Geburtsstunde der Schwulenbewegung, des modernen, um Gleichberechtigung und Akzeptanz kämpfenden Homosexuellen.
Die Erfolge des WhK jedoch blieben trotz beharrlicher Bemühungen bescheiden. Eine Resolution zur Abschaffung des § 175 unterzeichneten zwar prominente Persönlichkeiten wie Gerhard Hauptmann, Rainer Maria Rilke, August Bebel und Thomas Mann, zu Fall bringen konnte man diese Strafrechtsbestimmung damit aber nicht. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten waren alle Emanzipationsversuche gescheitert, der Paragraf wurde verschärft, Tausende Homosexuelle verhaftet und in Konzentrationslager geschickt.
Der „Fluch der Natur“
Hirschfeld kämpfte für die Gleichberechtigung der Homosexuellen – und verschwieg doch selbst seine Liebe zum eigenen Geschlecht. Über seine eigenen Männerbeziehungen ist nur wenig bekannt. Maßgeblich war für ihn sicherlich die Angst, durch seine öffentlich gewordene Homosexualität könnte er sein wissenschaftliches Renommee einbüßen. Als Arzt wohlhabender Patienten, aber auch als Gutachter bei Gerichtsprozessen verdiente Hirschfeld hauptsächlich sein Geld, das er wiederum für den Betrieb seines Instituts einsetzte. Hirschfeld war allerdings auch so populär, dass sein Name zur Werbung für ein Impotenz-Präparat genutzt wurde und Bücher, an denen er selbst gar nicht mitgewirkt hatte, allein durch seinen empfehlenden Namen auf dem Cover den Verkauf anregten.

Hirschfeld operiert: Szene aus Praunheims Film "Einstein des Sex". Foto: Ventura Film
Was die Entstehung und Einschätzung der Homosexualität betrifft, hat Hirschfeld seine Haltung immer wieder verändert. Mal ist sie gleichberechtigt neben der Heterosexualität zu sehen, mal spricht er resigniert von einem „Fluch der Natur“ und hofft auf Mitleid für die Betroffenen. Zu seinen Irrungen gehört auch, dass er zeitweilig die Ansicht vertrat, Homosexuelle könnten auf chirurgischem Wege „umgedreht“ werden. Hirschfeld schickte dazu Schwule zu einem Wiener Mediziner, der ihnen die Hoden entfernte und stattdessen Testikel von heterosexuellen Männern einpflanzte. Die Patienten blieben zwar weiterhin homosexuell, aber waren fortan verstümmelt.
In seinem zweiten Band der „Sexualpathologie“ (1918) gibt Hirschfeld der Hoffnung Ausdruck, „daß es der wissenschaftlichen Forschung im Verein mit der ärztlichen Kunst doch noch einmal möglich sein wird, das Triebleben durch Regulierung der inneren Sekretion völlig in die gewünschte Bahn zu lenken“. Für Manfred Herzer, der 1993 eine verdienstvolle Biografie vorlegte, zeigt sich hier die Grenze der Hirschfeldschen Auffassung von Schwulenemanzipation: „Er nimmt sein Konzept von Gleichheit und Freiheit für Homo- und Heterosexuelle in wesentlichen Teilen zurück und kapituliert vor der übermächtigen Normalität.“

Hirschfeld und sein Lebensgefährte Tao Li. Foto: Archiv der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Berlin
Hirschfelds Leistung als Kämpfer für die Homosexuellen-Emanzipation bleibt davon unberührt. Auf seine Weise war Hirschfelds Werk und sein Name, trotz aller Bemühungen, von den Nazis doch nicht gänzlich zu eliminieren. Selbst seine Bronzebüste hat das Feuer im Scheiterhaufen der Bücherverbrennung 1933 überstanden. Ein Berliner Straßenfeger, der tags darauf mit den Aufräumarbeiten beschäftigt war, nahm die rauchgeschwärzte Plastik an sich und wickelte sie in eine Pferdedecke. Jahrzehntelang verwahrte er das Fundstück, nichtsahnend, wen es darstellt. Erst in den 80er Jahren gelangte die Büste in den Besitz der Berliner Akademie der Künste, eine Replik befindet sich heute in der Sammlung des Schwulen Museums.
An Hirschfelds heutigem Geburts- und Todestag veranstaltet die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld anlässlich der ersten Magnus-Hirschfeld-Tage in der Neuen Synagoge Berlin einen Festakt zu Ehren ihres Namensgebers.
Dt_AIDS_Hilfe: Eine Frage der Finanzierung: Einer der letzten auf #Aids und #HIV spezialisierten Pflegedienste soll bald schließen. http://t.co/65dPBH3c
Wir wünschen alles Gute zum Muttertag. Wie HIV-positive Mütter ihr Leben meister...
Ich bleibe immer positiv - 37 Grad - ZDFmediathek - ZDF Mediathek
www.zdf.de
37 Grad erzählt von drei Frauen, die sich trotz ihrer HIV nicht unterkriegen lassen wollen. Sie leben ihr Leben - und sie tun dies mit einer positiven Einstellung zum Leben.
Chronisch krank, chronisch unterfinanziert

Florence Nightingale, die Urmutter der modernen Krankenpflege. Foto: H.Lenthall
Der ambulante Pflege- und Hauswirtschaftsdienst der AIDS-Hilfe Frankfurt soll zum Jahresende schließen. Damit steht einer der letzten vier auf HIV und Aids spezialisierten Pflegedienste vor dem Aus. Was läuft schief in der Finanzierung der häuslichen Versorgung von HIV-Patienten? Axel Schock hat nachgefragt.
Florence Nightingale, Begründerin der modernen Krankenpflege, war auch eine Frau blumiger Worte. „Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe“, schrieb sie künftigen Generationen ins Stammbuch. Ihr zu Ehren wird seit den 1960er Jahren der 12. Mai, Nightingales Geburtstag, als Internationaler Tag der Pflege begangen.
Die Kunst, trotz finanzieller Unterversorgung nicht in den Konkurs abzustürzen
Auch hundert Jahre nach dem Tod der berühmten britischen Krankenschwester ist die Pflege weiterhin keine Ferienarbeit, sondern ein Knochenjob. Und die Betreiber von ambulanten Aids-Schwerpunkt-Pflegediensten müssen sich zwangweise immer mehr in der Kunst üben, trotz finanzieller Untervorsorgung nicht in den Konkurs abzustürzen.
Nennen wir ihn einfach mal Bernd. Bernd ist drogenabhängig und sowohl an Aids als auch an Hepatitis C erkrankt. Damit die Viruslast stabil bleibt, ist wichtig, dass er regelmäßig seine Medikamente einnimmt. Dafür sorgt eine Krankenpflegerin des Hannoveraner ambulanten Pflegedienstes SIDA e.V. 2,30 Euro zahlt die Krankenkasse pro Medikamentenvergabe. Inklusive Anfahrt. Auch Bernds offene Beine müssen täglich frisch verbunden werden. Dafür gibt’s immerhin 3,70 Euro. „Das rechnet sich nicht“, sagt Holger Bayer, Pflege- und Versorgungsmanager bei SIDA, ganz knallhart.
Infusionstherapie gegen finanzielle Engpässe. Foto: Maren Beßler, pixelio.de
Rund 25 HIV-Patienten werden von seinem Pflegedienst ständig versorgt. Patienten, die nicht nur in Hannover-Stadt, sondern auch im Umland zwischen Braunschweig, Celle und Minden leben. Aus rein betriebswirtschaftlicher Warte betrachtet und um das Weiterbestehen des Unternehmens nicht zu gefährden, müsste Holger Bayer Patienten wie Bernd eigentlich ablehnen. „Wir haben das Glück, dass wir auch Infusionstherapien anbieten und mit den Kassen sehr gute Versorgungsverträge für andere chronisch kranke Patienten abschließen konnten. Dadurch können wir die Defizite intern ausgleichen“, verrät Bayer.
Müsste sich das Berliner Felix Pflegeteam allein mit den kassenärztlichen Zahlungen finanzieren, hätte man auch dort längst dichtmachen müssen – so wie es in den letzten zehn Jahren vielen Schwerpunkt-Pflegediensten bereits ergangen ist. 100.000 Euro schießt der Senat pro Jahr dazu. „Dies ist der entscheidende Tropfen, der es uns möglich macht, eine nicht kostendeckende Pflege aufrechtzuerhalten“, sagt Geschäftsführerin Peggy Coburger. Tarifgehälter kann sie ihren Angestellten aber dennoch nicht zahlen.
Defizite sind nicht länger durch Spenden und Sponsorengelder aufzufangen
Das Defizit beim 1989 gegründeten Frankfurter Regenbogendienst hatte bislang die örtliche Aidshilfe durch Spenden und Sponsorengelder aufgefangen. Zuletzt war es ein Drittel des Gesamtetats, rund 230.00o Euro – zu viel, um das weiterhin stemmen zu können. Ende April kündigte deshalb Achim Teipelke, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Frankfurt, die Schließung des Pflegedienstes Regenbogendienst zum Jahresende an.
Grund zur Klage angesichts der schwierigen Situation hätten eigentlich alle Betreiber ambulanter Pflegedienste. Doch Spezialpflegedienste wie den Regenbogendienst trifft die chronische Unterfinanzierung aufgrund ihrer Klientel besonders hart. „Unsere Patienten sind meist Menschen mit Multi-Problemen. Sie haben HIV, sind womöglich drogenabhängig, haben psychologische Probleme und leben sozial isoliert“, erklärt Lutz Middelberg vom Care 24 Pflegedienst in Düsseldorf. Die meisten von ihnen haben auch kein unterstützendes soziales Umfeld. Entsprechend schwierig und arbeitsintensiv sind diese Einsätze für die Pflegekräfte. Mit dem knapp bemessenen Zeitkontingent, das die Kassen für die Pflege genehmigen, ist hier nur selten zurechtzukommen.
Das knapp gemessene Zeitkontingent für Pflege reicht bei Menschen mit Multi-Problemen nicht aus
Drogenabhängige beispielsweise sind nicht immer zuverlässig und oft nicht zu den vereinbarten Zeiten zu Hause anzutreffen. Die Pflegekräfte müssen dann wieder unverrichteter Dinge abfahren. Solche Leerfahrten werden von den Kassen allerdings nicht bezahlt. Auch kommt es schon mal vor, dass die Pflegekraft eine halbe Stunde warten muss, bis der Patient den für sich notwendigen Joint geraucht hat – obwohl nur acht Minuten für diesen Einsatz vorgesehen sind. Oder der Krankenpfleger muss erst einmal etwas zu essen besorgen, weil das zu verabreichende Medikament nicht auf nüchternen Magen eingenommen werden darf. Der medizinische Dienst plant bei der Ermittlung der Pflegestufe solche Schwankungen in der Hilfebedürftigkeit der Patienten in der Regel jedoch nicht ein.

Peggy Coburger, Geschäftsführerin des Felix Pflegeteams. Foto: Felix Pflegeteam
Psychische Krisen, leerer Kühlschrank, ein drogenabhängiger Patient im Rausch – die spezialisierten Pflegedienste wissen mit den besonderen Lebensumständen und Lebensweisen von HIV-Patienten umzugehen. Hinzu kommt, dass Spezialpflegedienste nicht allein stadtteilbezogen arbeiten, sondern häufig sehr lange – unbezahlte – Anfahrtswege zu den Patienten auf sich nehmen müssen. Nicht zuletzt auch, weil gerade Menschen in prekären Lebenslagen beispielsweise in Frankfurt immer mehr in die Randgebiete und über die Stadtgrenzen hinaus gedrängt werden.
„Wir benötigen eine lebensrealistischere Finanzierung von Pflege“
„Wir benötigen eine lebensrealistischere Finanzierung von Pflege, zum Beispiel über einen Sockelbetrag, mit dem dann auch solche Leerfahrten finanziert oder nicht anrechenbare Leistungen möglich sind“, fordert deshalb Silke Eggers, Referentin für Soziale Sicherung und Versorgung der Deutschen AIDS-Hilfe. Dass spezialisierte Pflegedienste auch weiterhin notwendig sind, zeigen die bisweilen erschütternden Erfahrungen von Patienten bei anderen Pflegeeinrichtungen. „Wir erleben immer wieder, dass Pflegedienste es ablehnen, Menschen mit HIV zu betreuen“, sagt Peggy Coburger von Felix und berichtet von einem Patienten, der in ein Pflegeheim abgeschoben worden war, wo das Pflegepersonal sich ihm nur mit doppelten Handschuhen und Mundschutz näherte. Seine letzten Lebenstage musste der Mann ohne jegliche menschliche Berührung verbringen.
HIV-Patienten, zumal wenn sie multimorbid sind, gelten für die meisten privat geführten Pflegedienste als zu unwirtschaftlich. Es kommt daher zu häufigem Wechsel zwischen stationärer und ambulanter Versorgung und auch der Anbieter – mit der Folge, dass Patienten verelenden und nicht regelmäßig ihre Medikamente nehmen, sodass dann die Viruslast steigt und die Erkrankten früher sterben.
Wie also geht es weiter? Der Alarmruf des Frankfurter Regenbogendienstes hat zumindest einige Menschen aufgerüttelt. Derzeit, so die Leiterin Katrin Medack, würden Gespräche über andere Finanzierungsmodelle oder mögliche Kooperationen geführt. Für die rund 100 Patienten besteht daher die Hoffnung, dass sie auch über 2012 hinaus adäquat versorgt und betreut werden.
Auf lange Sicht hilft nur eine Änderung auf gesundheitspolitischer Ebene
Felix in Berlin setzt auf Expansion statt Rückzug. Durch die Zusammenarbeit mit dem Wohnprojekt „zik – zuhause im Kiez“, deren Bewohner von Felix ohne kostenintensive Anfahrtswege versorgt werden, können die unwirtschaftlichen Außentouren querfinanziert werden. Nun plant Felix den Umbau eines Kreuzberger Wohnhauses zut 25 Pflege-Appartements für Menschen, die aufgrund schwerer chronischer Krankheiten wie HIV/Aids und Hepatitis C eine Rund-um-die-Uhr-Pflege benötigen. Im Juni fällt die Entscheidung, ob die Lottostiftung Berlin den Umbau finanziert.

Holger Bayer vom ambulanten Pflegeservice SIDA e.V. Hannover. Foto: Sida
Auf lange Sicht allerdings hilft nur eine Änderung auf gesundheitspolitischer Ebene. Was müsste sich ändern? Zwar gilt in der Pflegeversicherung offiziell das Prinzip „ambulant vor stationär“, doch anstatt ambulante Versorgungsstrukturen zu stützen, entstehen immer mehr Heimplätze. Das hat einen Grund: „Wenn ein Patient von seinem Arzt in die Klinik oder mit Pflegestufe 1 in ein Altenheim eingewiesen wird, können die Kassen nichts machen und zahlen daher auch problemlos den Heimplatz. Das ist eine Muss-Leistung“, erklärt Holger Bayer.
Dass der aufwendige Verbandswechsel beim drogenabhängigen Bernd mit mehr als nur 3,70 Euro entlohnt wird, ist hingegen eine Kann-Leistung. Der zeitliche Mehraufwand wird von den Kassen meist erst einmal pauschal abgelehnt. Für Holger Bayer bleibt in einem solchen Fall nur, dagegen zu klagen. „Das kostet alles Zeit und Geld.“ Beides sollte man lieber in die Patientenversorgung einbringen. Durch eine angemessen finanzierte Versorgung zu Hause könnte manchem Erkrankten der Pflegeheimaufenthalt erspart bleiben und die Kassen würden, selbst bei einer höheren Budgetierung der Pflege, noch Geld einsparen.
Warum es in dieser Hinsicht noch kein Umdenken in der Gesundheitspolitik gab, liegt entweder an Überforderung oder Behäbigkeit der zuständigen Behörden. Oder an der guten Lobbyarbeit der stationären Pflegeeinrichtungen.
Dt_AIDS_Hilfe: #HIV-Medikament Truvada wird nach erfolgreichen Studien zur #HIV-Prävention für Gesunde zugelassen. http://t.co/drFEpXwG
Auf Veranstaltungen wie der Aids-Gala zeigen viele prominente Schauspieler ihr E...
„Das Virus bringe ich mit ans Set“ | d@h_blog
blog.aidshilfe.de
Gemeinsam gegen Aids – gemeinsam für Menschen mit HIV
Dt_AIDS_Hilfe: "Wie man's anpackt"- das ist das Aufregende an der #Wissenschaft: Rolf Rosenbrock über sein Arbeitsfeld #Aids. http://t.co/GNPhQiER
Selbstbestimmung fördert die Gesundheit

Professor Rolf Rosenbrock (Foto: David Ausserhofer/WZB)
Aids ist eines der vielen Arbeitsfelder der Sozial- und Gesundheitspolitik, auf denen sich Rolf Rosenbrock mit großem Engagement und Erfolg für die Verminderung sozial und gesundheitlich bedingter Ungleichheit von Lebenschancen und die Förderung von Teilhabe einsetzt. Mit dem Gesundheitswissenschaftler, der bis Ende Mai 2012 die Forschungsgruppe Public Health im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) leitet und am 26. April zum neuen Vorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gewählt wurde, sprachen Jochen Drewes und Hella von Unger.
von Unger: Rolf, dein Weg in die Wissenschaft war nicht geradlinig, sondern du hast eine kaufmännische Lehre gemacht, dann einen Diplom-Kaufmann und warst ein Jahr in Chile. Danach hast du in Volkswirtschaftslehre und politischer Ökonomie promoviert und warst seit Ende der 1970er am WZB beschäftigt, wo du zu verschiedenen Gesundheitsthemen gearbeitet hast. Wie bist du zum Thema HIV gekommen?
Rosenbrock: Wie jeder schwule Mann hab ich mit Entsetzen gehört, dass da irgendwas Schreckliches ist. Es kam mir aber überhaupt nicht in den Sinn, mich da wissenschaftlich zu engagieren. Und dann sagte Gerd Paul, Leiter der WZB-Bibliothek und einer der Gründerväter der Deutschen und der Berliner AIDS-Hilfe, zu mir: „Du kannst hier nicht einfach als schwuler Gesundheitswissenschaftler rumsitzen und zu Aids überhaupt nichts sagen.“ Das war ein moralisches Argument, dem ich mich schwer entziehen konnte.
von Unger: Kanntest du damals schon Männer, die an der noch relativ unbekannten Krankheit erkrankt oder gestorben waren?
„Du kannst nicht als schwuler Gesundheitswissenschaftler zu Aids nichts sagen“
Rosenbrock: Zunächst nicht. Meine ersten Kontakte mit HIV-positiven, aidskranken und an Aids sterbenden Männern hatte ich, als ich 1986 das Buch „Aids kann schneller besiegt werden“ [1] schrieb. Und dann kam ich dem HIV-Problem auch menschlich sehr nah. Ich lebte damals in einer monogamen, szeneabgewandten schwulen Beziehung, und trotzdem fingen wir plötzlich an, Kondome zu benutzen, was weiß Gott nicht erforderlich gewesen wäre. [lacht] Aber das war diese ganze Unsicherheit.
Drewes: Was wolltest du mit dem Buch erreichen?
Rosenbrock: Das Buch war mein Politikvorschlag. Im Kern geht es mir immer ums „Wie man’s anpackt“ – das ist es, was Wissenschaft für mich aufregend macht.
von Unger: Und dir wurde ja auch zugehört. Du bist zum Beispiel in die 1987 eingerichtete Enquete-Kommission „Gefahren von AIDS und wirksame Wege zu ihrer Eindämmung“ unter Rita Süssmuth berufen worden. Wie muss man sich die Arbeit dort vorstellen?

Rita Süssmuth hat die deutsche Aids-Politik entscheidend geprägt (Foto: Udo Grimberg/Quelle: wikipedia.org)
Rosenbrock: Die war sehr konfliktreich, weil CDU und CSU die medizinischen Vertreter der Gauweiler-Linie in die Enquete geschickt hatten und die FDP Professor Stiller aus Frankfurt, der mit dem Ruf „Testen, testen, testen!“ in den Versammlungsraum stürmte. In den drei Jahren verschärfte sich mein Verhältnis zur Medizin, weil ich massiv und dauerhaft dieser übergriffigen Arroganz begegnet bin, die vielen Angehörigen dieser Disziplin eigen ist – und das gepaart mit großer Ignoranz. Es war harte Arbeit, aber zugleich die Traumstunde des politikberatenden Sozialwissenschaftlers. Unsere Ausschuss-Sitzungen in Bonn waren öffentlich, und an den Wänden rund um unseren Verhandlungstisch saßen Vertreter aus allen damals elf Bundesländern, schrieben mit, was wir sagten, und wandelten das in den nächsten Wochen in Erlasse für ihre Gesundheitsämter um – also: Respekt vor den Zielgruppen, Inklusion [Einschluss, Anm. d. Red.], Abwehr aller Repression [Unterdrückung, Anm. d. Red.] und größte Zurückhaltung beim Test.
von Unger: Wie konntest du dich damit gegen Experten durchsetzen, die Gauweiler-Positionen wie Ghettoisierung, Isolierung und Massentests vertraten?
Ich kämpfe gerne für „Witwen und Waisen“ – im Sinne von Anwaltschaft
Rosenbrock: Ich war ja nicht allein. Neben mir saßen Manfred Bruns, der als ehemaliger Bundesanwalt alles juristisch wunderbar begründete, die unvergleichliche Sophinette Becker, Psychologin bei Volkmar Sigusch am Institut für Sexualwissenschaft in Frankfurt, und Dieter Riehl, der Geschäftsführer der Deutschen AIDS-Hilfe. Zum anderen sind die Vertreter der Old-Public-Health-Strategien [2] argumentativ nach drei Schritten an der Wand. Nur für die, die sie äußern, ist das offenbar nicht merkbar. [lacht] Und wir hatten natürlich die bessere Presse. Ich gehörte gleichzeitig noch einer zweiten Enquete-Kommission an und hatte ein extrem anstrengendes Vortragsprogramm vor Akademien, Aidshilfen, Allgemeinen Studentenausschüssen und Kommunalverwaltungen. Ich nahm jede Einladung an, weil ich den Eindruck hatte, dass es jetzt wirklich darauf ankommt. Auf einer dieser Tagungen lernte ich dann auch meinen heutigen Lebensgefährten kennen.
von Unger: Konntest du schon immer offen mit deiner Homosexualität umgehen?
Rosenbrock: Nein, ich war zu Beginn der Aidskrise ein „versteckter Schwuler“. In meinem Arbeitsbereich und im Freundeskreis wussten alle Bescheid, aber ich hatte größte Hemmungen, öffentlich zu sagen: „Ich bin ein schwuler Mann“. Und ich war damals sehr verärgert, als das Berliner Schwulenmagazin Siegessäule mich in einer Rezension von „Aids kann schneller besiegt werden“ als schwulen Sozialwissenschaftler bezeichnete. Ich hatte es ihnen verboten, aber sie haben es trotzdem gedruckt. Über dieses Zwangsouting war ich sauer, weil mich das in der Festigkeit, mit der ich meine Rolle spielte, erschütterte. Ich kämpfe gerne für arme Witwen und Waisen, tu das aber mehr im Sinne von Anwaltschaft und weniger als Selbstverteidigung.
Ich empfand es als echte Arbeitserschwernis, jetzt geoutet zu sein, und es war einfach extrem unsolidarisch. Aber es war dann alles viel harmloser als befürchtet: Kaum ein Heterosexueller liest die Siegessäule. Und in der Öffentlichkeit war ich der Fachmann für Public Health, Manfred Bruns war unser Berufsschwuler, Sophinette Becker war für die Psyche zuständig und Dieter Riehl für die Selbsthilfe. So waren die Rollen verteilt. Da war ich gar nicht als Schwuler im Ring. Aber für mich ist es auch eine dieser bitteren Ironien, dass ich durch die Ausnahmesituation Aids meinen Lebensgefährten gefunden habe und mein persönlicher Emanzipationsprozess dadurch beschleunigt wurde.
Drewes: Das Buch „Die Normalisierung von Aids“ [3] aus dem Jahr 2002 steht dann unter ganz anderen Vorzeichen …
In den reichen Ländern ist HIV-Politik immer auch Machtkampf (Foto: Rike/pixelio.de)
Rosenbrock: Der zugrunde liegende gleichnamige Aufsatz [4] war das Ergebnis einer EU-Konferenz 1998 in Paris. Wir wollten genau das verarbeiten, was der Titel sagt. Aids hatte seinen Ausnahmestatus verloren, das bedeutete geringere Medienwirksamkeit, weniger Freiwillige. Das Aidsbündnis mit allem, was liberal, links und bürgerrechtlich war, hatte sich schützend um schwule Männer geschart. Die hatten inzwischen auch viele andere Themen, und die Finanzbedarfe wurden keineswegs kleiner. Das steuerte auf eine kritische Situation zu, nicht nur in Deutschland. Wir wollten klarmachen, dass es jetzt drei Möglichkeiten gibt: a) Normalisierung als Stabilisierung des Status quo, b) Abbau von Versorgungs- und Präventionsstrukturen oder c) Übertragung des Aids-Modells auf andere Krankheitsbilder und Bevölkerungsgruppen. Wir haben uns natürlich für das dritte ausgesprochen. In diesem Feld ist die Entscheidung für New Public Health gefallen. Sie ist etabliert, sie hat sich bewährt, sie könnte ausgebaut werden – und nun beginnt es zu bröckeln. Das war für uns die zweite Aidskrise, der wir mit diesem Schriftstück ein wenig entgegenwirken wollten.
Drewes: Wenn wir uns aktuelle Entwicklungen in der der HIV-Prävention anschauen, was werden da künftige Herausforderungen sein?
Rosenbrock: Die beste gesundheitspolitische Nachricht war 2010 für mich, dass die HIV-Neuinfektionen in den letzten fünf Jahren weltweit um 25 Prozent zurückgegangen sind. In der Presse hieß es dann meist: Jetzt müssen wir noch mal zehn Milliarden in Medikamente investieren, dann geht das alles weg. Das ist natürlich Quatsch. Dieser Rückgang ist auch nicht mit Medikamenten erklärbar, sondern als weltweiter Erfolg Community-basierter Interventionen, was viel zu wenig zur Kenntnis genommen wird.
Wir wollen die Übertragung des Aids-Modells auf andere Bereiche
In den reichen Ländern kann man die gesamte HIV-Politik auch als Machtkampf verstehen: zwischen Sozialwissenschaft und Medizin, zwischen Selbsthilfe und professionellen, medizinischen, behandelnden Institutionen. In der ersten Runde haben wir klar gewonnen, weil die Medizin nichts in der Hand hatte. In der zweiten Runde, der „Remedikalisierung“, haben wir viel verloren: Nicht mehr der Patient steht im Mittelpunkt, sondern das Medikamentenregime. Und die dritte Runde wird jetzt eingeläutet. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass durch die antiretrovirale Therapie (ART) auch die Übertragungswahrscheinlichkeit stark gesenkt oder nahe Null gebracht werden kann und es naheliegt, von „Behandlung als Prävention“ zu sprechen. „Wir setzen alle, die HIV haben, sofort unter ART, und dann können sie rumvögeln, wie sie wollen, da passiert nichts mehr. Was wollt ihr da noch mit euren Kondomen? Und die Aidshilfen schaffen wir einfach ab.“ Das ist die Logik.
Die Entscheidung für eine Therapie muss beim Individuum bleiben (Foto: Andreas Damm/pixelio.de)
Dagegen sprechen aber unter anderem ethische Argumente: Noch nicht behandlungsbedürftige Menschen bekämen dann eine hochgiftige Therapie mit unerwünschten Nebenwirkungen verpasst. Den Nutzen hätte nicht das therapierte Individuum, sondern die Gesellschaft und die Community. Das ist eine gefährliche Hereinnahme einer Public-Health-Ethik in individuelle Therapie-Entscheidungen zulasten des Einzelnen. Das haben wir in Deutschland im Nationalen Aids-Beirat gerade noch mal verhindert, wo wir ein entsprechendes Statement verabschiedet haben. Aber in den USA werden solche ethischen Argumente einfach überrollt.
von Unger: Du hast immer sehr eng mit der aus der Selbsthilfe entstandenen Deutschen AIDS-Hilfe zusammengearbeitet – welchen Stellenwert hat das für dich?
Rosenbrock: Ich bin einer derer, die Wissen zusammentragen, um Konzepte zu formulieren, die Aidshilfen im Grunde genommen auch selbst formulieren würden, wenn sie mehr Zeit dazu hätten. So verstehe ich mich auch heute noch – auch für etliche andere Organisationen. Verändert hat sich natürlich die Aidshilfe. Institutionen haben ihre Biografien: Meistens entdeckt man sie, wenn sie pubertär sind, wenn sie gerade zu Bewusstsein kommen, aktiv werden und rotzfrech und irgendwie chaotisch sind. Und so hab ich die DAH 1985 in ihrer 4-Zimmer-Wohnung in der Berliner Straße kennengelernt. Es gab ein neues Problem, und der Verband hat frische Ideen und frische Kräfte in das politische Geschäft und den politischen Diskurs gebracht. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Mittlerweile ist die DAH ein verbandlicher Akteur im deutschen Wohlfahrtsstaat – das ist etwas anderes als der wuselige „AStA“ [Allgemeiner Studierendenausschuss, Anm. d. Red.], als den ich sie kennengelernt habe, mit Stärken und Schwächen.
Drewes: Die DAH steht heute ja auch vor anderen Herausforderungen. Ein Thema ist die immer stärker geforderte Evidenzbasierung von Prävention in lebensweltlichen Kontexten, also der Nachweis, dass Prävention wirkt. Was ist dein Standpunkt dazu?
Die Zukunft der Gesundheit liegt nicht in der Medizin
Rosenbrock: Ich stehe dazu, dass man Wirksamkeit nachweisen muss. Weil Prävention als New-Public-Health-Intervention über öffentliche Mittel bezahlt werden muss, stehen wir auch objektiv unter Druck. Ich halte allerdings vieles für Schnellschüsse und überzogene Ansprüche. Politisch ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung der richtige Ort, nicht um zu exekutieren und über Wirksamkeit oder Unwirksamkeit zu entscheiden, sondern um den Erkenntnisweg gemeinsam zu gestalten. Methodisch haben wir heute die „partizipative Qualitätsentwicklung“, die klassischen Evaluationsdesigns mit differenzierten Vorher-Nachher-Messungen, die qualitative, formative Evaluation, mit deren Ergebnissen man Prozesse verbessert, und die Modelle guter Praxis. Mit diesem Methoden- und Messarsenal lässt sich ungefähr sagen, was wirkt und was nicht wirkt.
von Unger: Du hast dich aus dem WZB mit einer Tagung zu „Partizipation und Gesundheit“ verabschiedet. Wieso hast du den Akzent auf Partizipation gelegt?
Rosenbrock: Partizipation im Sinne direkter Entscheidungsteilhabe war ein Aspekt in allen Projekten der Forschungsgruppe im letzten Vierteljahrhundert, ohne dass wir uns als „Partizipationsinstitut“ verstanden hätten. Es geht darum, jedes Gesundheitsthema immer auch aus dem Blickwinkel der Betroffenen zu betrachten und sie möglichst selbst zur Sprache zu bringen. Dabei kommt immer Partizipation heraus – als uneingelöstes Versprechen, als Lösungsstrategie oder als Ressource.
Drewes: Du bist jetzt viele Jahre aktiv und hast großen Einfluss ausgeübt. Mit welchen Kernbotschaften möchtest du gern in Erinnerung bleiben? Welche Botschaften und Ziele werden auch für deine Arbeit als Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbands leitend sein?
Rosenbrock: Erstens, dass die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheits- und Lebenschancen die zentrale Herausforderung nicht nur für die Gesundheits-, sondern auch für die Sozial-, die Arbeitsmarkt- und die Bildungspolitik ist. Zweitens, dass Nachdenken und Forschen über Gesundheit – neben der politischen Ökonomie – ein hervorragender Weg ist, um Gesellschaft insgesamt verstehen und fundierte Vorschläge für Veränderungen machen zu können. Drittens, dass die Zukunft der Gesundheit nicht in der Medizin liegt – das ist in konservativen Zeiten immer wieder zu betonen. Und viertens, dass der Weg über die Selbstbestimmung in den Lebenswelten nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Demokratie und das Zusammenleben fördert.
[1] Rolf Rosenbrock (1986). Aids kann schneller besiegt werden. Gesundheitspolitik am Beispiel einer Infektionskrankheit. Hamburg: VSA-Verlag.
[2] „Unter ‚Old Public Health‘ kann man z. B. strenge Verhaltensauflagen, rigide Eingriffe in Bürgerrechte, Quarantäne, Therapiezwang und auch Zwangstests verstehen, um Infizierte zu ermitteln und Infektionsquellen ‚stillzulegen‘. Unter ‚New Public Health‘ dagegen versteht man z. B. die Mobilisierung der Communitys, die Einbeziehung der Zielgruppen in die Planung und Umsetzung von Prävention, Versorgung und sozialer Unterstützung, Freiwilligkeit, positive Verhaltensanreize in der sozialen Umwelt sowie Befähigung und Stärkung von Einzelnen und Gruppen – wir sprechen hier von einer gesellschaftlichen Lernstrategie im Gegensatz zu einer seuchenrechtlichen Suchstrategie.“ (Aus: Kreativität und Durchhaltevermögen. Prof. Dr. Rolf Rosenbrock über Strukturelle HIV- und Aids-Prävention. In: Jahrbuch 2009/2010 der Deutschen AIDS-Hilfe. Berlin: DAH 2010, S. 97)
[3] Rolf Rosenbrock und Doris Schäffer (Hg.) (2002). Die Normalisierung von Aids: Politik – Prävention – Krankenversorgung. Ergebnisse sozialwissenschaftlicher Aids-Forschung, Band 23. Berlin: Edition Sigma.
[4] Rosenbrock, R./Schaeffer, D./Moers, M./Dubois-Arber, F./Pinell, P./Setbon, M. (2000): The Normalization of AIDS in Western European countries. The Aids Policy Cycle in Western Europe. From Exceptionalism to Normalization. Social Science and Medicine 50 (11), 1607–1631
Dt_AIDS_Hilfe: 5jähriger stach sich an gebrauchter Heroinspritze. Der Täter wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. http://t.co/H1scrmkW
Am 20.05.2012 ist Candlelight Memorial Day. Wir erinnern heute an Gunther Trube...

Gunter Trube (Geb. 1960) - Nachrufe - Berlin - Tagesspiegel
www.tagesspiegel.de
In seinen Zeugnissen hieß es zuweilen: „Gunter plaudert zu viel“.

