Größte HIV-Selbsthilfekonferenz Europas tagt in Bielefeld

25.08.2010 - 10:00
500 Teilnehmer wollen ein differenzierteres Bild über HIV zeichnen sowie Klischees und Stereotype aufbrechen - Freispruch im "Benaissa-Prozess" gefordert
Oberbürgermeister und Veranstalter auf der Pressekonferenz
Pressekonferenz zum Start der Positiven Begegnungen

Bielefeld, 25. August 2010. Am morgigen Donnerstag beginnt unter der Schirmherrschaft des Bielefelder Oberbürgermeisters Pit Clausen die größte europäische Selbsthilfekonferenz für HIV-Positive, ihre Netzwerke und Einrichtungen wie Aidshilfen sowie für An- und Zugehörige von Menschen mit HIV und Aids. Zu den „Positiven Begegnungen“ werden bis Sonntag ca. 500 Teilnehmende hauptsächlich aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und weiteren Nachbarländern in Bielefeld erwartet. Veranstalter ist die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) in Kooperation mit LHIVE e.V. (Schweiz), Positiver Dialog e.V. (Österreich) und der AIDS-Hilfe Bielefeld e.V. Hauptförderer sind die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Deutsche AIDS-Stiftung, der AOK Bundesverband sowie zahlreiche Unternehmen und Institutionen wie z.B. die Europa Apotheek Venlo B.V. und die Bielefelder Eis.de GmbH.

Seit 20 Jahren veranstaltet die DAH Konferenzen zum Leben mit HIV und Aids. Darin stehen nicht Wissenschaftler und Mediziner im Vordergrund, sondern die Menschen, die mit HIV und Aids leben. Seit 1990 die erste „Bundespositivenversammlung“ in Frankfurt/Main stattfand, hat sich viel verändert: Zur Nachfolgeveranstaltung „14. Positive Begegnungen“ kommen inzwischen neben den Angehörigen auch Freunde und Kollegen, Arbeitgeber und Betriebsräte, Vertreter anderer Chroniker-Verbände und Journalisten, die sich über das wahre Leben mit HIV informieren möchten. Von den ca. 70.000 HIV-Positiven in Deutschland ist nach DAH-Schätzungen zwei Drittel in Beschäftigung.

Dazu erklärt Carsten Schatz, Mitglied im DAH-Bundesvorstand: „Unter dem Motto ´Wir sprengen den Rahmen´ ist unser gemeinsames Ziel, ein authentisches und differenzierteres Bild von HIV und Aids im Jahr 2010 zu zeigen. Heute haben Menschen mit HIV in den Industrieländern eine ähnlich hohe Lebenserwartung wie andere chronisch Kranke auch, wenn sie wirksam therapiert werden. Dementsprechend stehen bei unserer Konferenz die Themen Leben mit HIV, Integration HIV-Positiver in die Gesellschaft und in das Erwerbsleben sowie ihre angemessene gesundheitliche Versorgung im Vordergrund.“

Peter Struck, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Bielefeld ergänzt: „Wir werden auch außerhalb der Tagung mit der Aktion ´Du sollst dir ein Bild machen!´ in der Bielefelder Innenstadt auf das Thema HIV/Aids aufmerksam machen. Damit möchten wir auch in der Region ein Zeichen setzen, denn gerade jenseits der Oberzentren müssen wir leider immer noch eine Unterversorgung von HIV-Positiven bemängeln. So kommen inzwischen wieder mehr HIV-Patienten in die hausärztliche und pflegerische Beratung, die bereits an AIDS erkrankt und durch alle Vorsorgeraster gefallen sind. Das ist eine gesundheitspolitische Entwicklung, die wir nicht hinnehmen können.“

Auf der Konferenz wollen HIV-Positive aktiv mitbestimmen, welche Bilder von Menschen mit HIV und Aids verbreitet werden. Wie das geschehen kann, darum soll es in Workshops und Podiumsdiskussionen gehen, zu denen auch Medienvertreter und Juristen eingeladen sind.

Auch der Prozess gegen die Sängerin Nadja Benaissa wird eine Rolle spielen – das Urteil wird stündlich erwartet. DAH, LHIVE und Positiver Dialog fordern einen Freispruch für Nadja Benaissa: Auch die Strafjustiz muss der Eigenverantwortung des Einzelnen für sein Gesundheit Rechnung tragen – zudem dürfte der Übertragungsweg nach so langer Zeit nicht mit der notwendigem  Sicherheit nachweisbar sein. Die DAH hatte immer wieder die Stigmatisierung der Künstlerin und die pauschale Kriminalisierung HIV-Positiver verurteilt und angemahnt, die HIV-Prävention nicht einseitig nur den positiven Menschen aufzubürden.

Presseanfragen richten Sie bitte an:

Jörg Litwinschuh, Tel. 0177-28 22 581, E-Mail: presse@dah.aidshilfe.de

Wir bedanken uns bei allen Firmen, Medienpartnern, Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen für die Unterstützung der Positiven Begegnungen 2010 (in alphabetischer Reihenfolge):

Abbott, AIDS-Hilfe Bielefeld e.V., Bielefeld Marketing, Boehringer Ingelheim, boncura, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutsche AIDS-Stiftung; Deutsches Rotes Kreuz (Bielefelder Rotkreuz-Stiftung), DHIVA (Medienpartner: Zeitschrift für Frauen, Gesundheit und Aids), Die Linke, Eis.de, Europa Apotheek Venlo, Immunoapotheke.de, GILEAD, GlaxoSmithKline, Janssen-Cilag, Laura Halding-Hoppenheit (Ehrenmitglied der DAH), LHIVE (Menschen mit HIV und Aids in der Schweiz), M+ (Medienpartner: Zeitschrift des Bruno Gmünder Verlags), Michael Stich Stiftung, moBiel (ein Unternehmen der Stadtwerke Bielefeld), Positiver Dialog (für betroffene Menschen mit HIV und Aids, deren Angehörige und Hinterbliebene, Wien) …sowie zahlreiche weitere Einzelpersonen.

AnhangGröße
Pressemitteilung Positiver Dialog Österreich.pdf131.93 KB
Medienmitteilung LHIVE Schweiz Freispruch für Nadja Benaissa.pdf84.46 KB
Oeffentliche Veranstaltungen im Rahmen der Konferenz.pdf31.39 KB
PM 25 Aug Deutsche AIDS-Hilfe groesste HIV-Selbsthilfekonferenz tagt in Bielefeld.pdf47.79 KB
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2 Kommentare Bitte melden Sie sich an, um Kommentare zu schreiben

  • Kommentar Nr.1

    alivenkickn

    schrieb am25.08.2010 - 16:40

    DAH, LHIVE und Positiver Dialog fordern einen Freispruch für Nadja Benaissa: Tut mir leid damit hat sich die Arbeit (DAH) um Prävention/Aufklärung ein Eigentor geschossen. zudem dürfte der Übertragungsweg nach so langer Zeit nicht mit der notwendigem Sicherheit nachweisbar sein. Mit anderen Worten . . .Fachleute sind per se Idioten. Dann gilt das für ALLE Fachleute . . .
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  • Kommentar Nr.2

    carsten

    schrieb am30.08.2010 - 13:01

    im gegenteil. wir versuchen prävention zu retten. nur wer weiß, dass er positiv ist kann nach der konstruktion, die seit dem bgh urteil von 1988 gültig ist, verurteilt werden. wer es nicht weiß, hat "glück" gehabt. nun hat sich seit 1988 allerdings die welt verändert. wer sich testen lässt und behandlung nutzt, ist weniger infektiös, als bei benutzung eines kondoms. nach so einem urteil dürfte allerdings die motivation sich testen zu lassen, sinken. erstens. zweitens. seit 88 hat der deutsche staat (bund und länder) viele millionen in die prävention investiert. die übertragungswege von hiv sind nahezu allen menschen bekannt. studien der bzga zeigen das ganz klar. d.h. einen wissensvorsprung kann ich bei positiven nicht mehr erkennen. zum dritten. in einer sexuellen beziehung, in die die beteiligten freiwill gehen und (siehe zweitens) auch risiken kennen, kann verantwortung nicht einseitig abgeladen werden. das gilt übrigens auch bei der verhütung von schwangerschaften. 1995 war das motto des welt aids tages: "Gemeinsame Rechte, gemeinsame Verantwortung!" das gilt m.e. noch immer. viertens, die fachleute. diese gutaschten (auch dieser gutachter) sind in der wissenschaft umstritten. hohe wahrscheinlichkeiten sind eben hohe wahrscheinlichkeiten und kein beweis.
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