In den zurückliegenden 30 Jahren gab es einige Meilensteine im Bereich Prävention, Politik und Forschung. In unserer Chronik nennen wir die wichtigsten und zeigen die Entwicklung von HIV/Aids der letzten drei Jahrzehnte auf.
30 Jahre HIV
Chronik
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30 Jahre HIV - Chronik einer Krankheit
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1981-1986
Die Geschichte von HIV und Aids: 1981- 1986 um 1900 Anfang des 20. Jahrhunderts wird ein Urtyp des HIV von Affen auf den Menschen übertragen. Vorgänger des Erregers ist das bei Schimpansen festgestellte SI-Virus. Enstehungsregion: vermutlich Westafrika. (Foto: C.Falk, pixelio)
1959 Im Kongo wird einem erwachsenen Mann eine Blutprobe entnommen, die – wie sich Jahrzehnte später herausstellt – HIV-Antikörper enthält: die erste nachgewiesene HIV-Infektion bei einem Menschen.
1981 Der Wissenschaftler Michael Gottlieb von der Univerity of California, Los Angeles (UCLA) berichtet im Wochenblatt des US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC) vom 5. Juni 1981, über ungewöhnliche Pilzinfektionen und Lungenentzündungen bei fünf ansonsten völlig gesunden jungen schwulen Männern aus Los Angeles. Offenbar ist deren Immunsystem zusammengebrochen.
In der New York Times erscheint am 3. Juli 1981 ein Artikel von Lawrence K. Altman über eine Reihe ungewöhnlicher und ähnlicher Krankheitsfälle („Rare Cancer Seen in 41 Homosexuals“). Die Erkrankten seien Homosexuelle mit vielen verschiedenen Sexualkontakten.
1982 In New York wird die Gay Men’s Health Crisis (GMHC) gegründet, die weltweit erste Aidshilfeorganisation. Auf einer Konferenz von Blutspendeorganisationen einigen sich die Teilnehmer am 27. Juli auf einen neuen Namen: AIDS (Acquired Immuno Deficiency Syndrome). Grund ist das Auftreten von AIDS-Fällen auch bei Drogengebrauchern und Blutern. Bis dahin verwenden die Medien Bezeichnungen wie „Gay Cancer“ (Schwulenkrebs). NBC berichtete am 17.06.1982 darüber. Im Juli wird in Frankfurt am Main erstmals bei einem Patienten in der Bundesrepublik AIDS diagnostiziert.1983 Anfang 1983 weisen Luc Montagnier und Francoise Barre-Sinoussi vom Institut Pasteur in Paris Partikel eines Retrovirus nach und nennen ihn zunächst LAV (Lymphadenopathie-assoziiertes Virus). Im Mai veröffentlicht Montagnier das erste Bild des Erregers. 2008 erhält das Forschungsduo für seine Entdeckung den Medizin-Nobelpreis.
MaiDer New Yorker Arzt Joseph Sonnabend und zwei seiner Patienten veröffentlichen eine der ersten Aufklärungsschriften: „How to Have Sex in an Epidemic“. Sie sprechen darin erstmals von „Safer Sex“.
Juni
Mit dem ersten Spiegel-Titel nimmt die breite Öffentlichkeit erstmals Notiz von AIDS.
SeptemberAb September 1983 werden erste AIDS-Hilfen in der BRD gegründet (in Berlin und München). Am 23. September entsteht in Berlin der Dachverband „Deutsche A.I.D.S.-Hilfe e.V.“ (DAH).1984 Am 1. Oktober beginnt die Pflicht zum Testen von Blutprodukten auf HIV-Antikörper. Die HIV-Infektionen bei Hämophilie-Patienten gehen drastisch zurück.
1985 In Atlanta/USA findet die erste internationale Aids-Konferenz statt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wendet sich mit einer Postwurfsendung „AIDS – Was Sie über AIDS wissen sollten“ an alle 27 Millionen „Haushaltungen“ der Bundesrepublik.
Am 2. Oktober 1985 stirbt US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen von AIDS. Sein Coming-out kurz vor seinem Tod – als schwul und HIV-positiv – sorgt weltweit für Aufsehen.
1986 Mit dem bis dahin erfolglos gegen Krebs eingesetzten Medikament AZT nimmt die AIDS-Forschung im März eine entscheidende Wende: Erstmals zeichnet sich ein Medikament gegen HIV ab. Die Internationale Kommission für Virus-Taxonomie benennt LAV und HTLV III während eines AIDS-Kongresses im Mai in Paris um in „Human Immuno Deficiency Virus“ (HIV) -
1987-1995
1987In Großbritannien eröffnet Prinzessin Diana am 9. April die erste auf HIV spezialisierte Krankenhausabteilung, das London Lighthouse. Insbesondere die Tatsache, dass Diana AIDS-Patienten die Hand gibt, ohne Handschuhe zu tragen, erregt Aufmerksamkeit – obwohl die Übertragungswege von HIV längst bekannt sind.
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Die Kampagne „Gib Aids keine Chance“ startet. Die Plakat- und Fernsehwerbung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sollen Kondome allmählich zum Alltagsgegenstand machen.
Am 25. Februar 1987 beschließt die bayerische Staatsregierung einen „Maßnahmenkatalog zur Abwehr von AIDS“ (u.a. mit der Möglichkeit „Ansteckungsverdächtige“ zum HIV-Test vorzuladen). Medienwirksamer Verfechter des Katalogs ist Innenstaatssekretär Peter Gauweiler (CSU). Am 24. Oktober kommt es in München zu einer Großdemonstration gegen die bayerische Vorgehensweise.Am 17. März wird AZT (Retrovir) als erstes Medikament gegen AIDS zugelassen. Ein Meilenstein für die Behandelbarkeit von HIV – und für die Medizingeschichte: AZT ist bis dato das teuersten verschreibungspflichtige Medikament. Die Behandlungskosten betragen rund 10.000 US-Dollar pro Jahr.
1988
Die Welt-Gesundheitsorganisation WHO bestimmt den 1. Dezember zum jährlichen Welt-AIDS-Tag. (Website der deutschen Kampagne)
1989
Zu Jahresanfang werden in Berlin und Nordrhein-Westfalen erstmals Automaten mit sterilen Einwegspritzen aufgestellt. Sie sollen helfen, HIV-Infektionen beim Drogengebrauch zu vermeiden. Am 21. Juni schließen sich in Hamburg Junkies, Ex-User und Substituierte zum überregionalen Netzwerk JES zusammen.
1990
März
Im März wird die "AIDS-Hilfe DDR e.V." gegründet und als Verein eingetragen. In der DDR gründen sich im Laufe des Jahres 15 Aidshilfen, 14 von ihnen werden Mitglied der AIDS-Hilfe DDR.
April
Am 28. April wird in Bremen "akzept e.V. - Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik" gegründet. Die DAH ist Gründungsmitglied und im Vorstand verteten. Ziel des Vereins ist es, sich für die Akzeptanz von Drogengebrauch als Lebensstil und für emanzipatorische Selbsthilfe statt Bevormundung und Zwang einzusetzen.
SeptemberDeutsche AIDS-Hilfe lädt unter dem Motto: "positiv in den Herbst - keine Rechenschaft für Leidenschaft" zur ersten Bundespositivenversammlung (BPV) nach Frankfurt ein. In den folgenden Jahren wächst diese Veranstaltung zur größten Selbsthilfekonferenz zum Thema HIV in Europa heran.
1991
Das von der Künstlergruppe Visual AIDS in New York entwickelte Red Ribbon wird als internationales Symbol eingeführt. Über 100.000 werden am 20. April im Londoner Wembley-Stadion verteilt – bei einem Gedenkkonzert für den an HIV verstorbenen Popsänger Freddie Mercury (24.11.91 †)
1992
Die urprünglich für Boston geplante Internationale AIDS-Konferenz findet vom 19. bis 24. Juli in Amsterdam statt. Der Grund: die US-Regierung
hält an ihrer Regelung fest, HIV-Positiven die Einreise in die USA zu verwehren.1995
Studien zeigen endgültig, dass die kombinierte Behandlung zweier Wirkstoffe besser als eine Monotherapie wirkt. Die Zweierkombi wird neuer Behandlungsstandard.
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1996-1999
1996Die Vereinten Nationen schaffen mit UNAIDS ein spezielles Programm, um die internationalen Maßnahmen gegen die HIV-Epidemie abzustimmen. Es entstand 1996 aus dem Global Program on HIV/AIDS der Weltgesundheitsorganisation.
Optimismus bei der 11. Welt-AIDS-Konferenz in Vancouver: Die neuen Proteasehemmer versprechen einen Durchbruch bei der Behandlung von HIV. Die Ära der Kombinationstherapien (Highly Active Antiretroviral Therapy, kurz HAART) beginnt. Nachteile wie Nebenwirkungen und Resistenzbildungen werden erst in den Folgejahren bekannt.
1997Die US-amerikanischen CDC berichten, dass erstmals die Zahl der jährlichen AIDS-Toten gesunken ist. Ende 1997 leben etwa 30 Millionen Menschen mit HIV/Aids, 2,3 Millionen sterben an den Folgen von Aids.
1998
Am 21. Juli veranstaltet der "Landesverband der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit NRW e.V." den ersten "Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher", der seitdem jährlich mit vielen Veranstaltungen in zahlreichen deutschen Städten abgehalten wird.
Auf der 12. Internationalen AIDS-Konferenz (28.07.-03.08.) in Genf wird die Beteiligung der Community der Menschen mit HIV/Aids auf allen Ebenen der Vorebreitung und Durchführung im so genannten Genfer Prinzip festgeschrieben. Dieses Prinzip wurde später (1999) auch in Deutschland übernommen.
1999Aids ist weltweit zur vierthäufigsten Todesursache aller Zeiten geworden.
Vom 2. bis 5. Juni findet der 7. Deutsche AIDS-Kongress in Essen statt. Erstmals sind Community-Vertreter an Planung und Druchführung eines deutschen Aidskongresses direkt beteiligt.
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2000-2012
2000 Die Vereinten Nationen beschließen im Dezember die Einrichtung eines Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, der drei schwersten Epidemien des Jahrhunderts.2001 Fachleute registrieren in Deutschland – wie zuvor schon in anderen Industrieländern – eine Zunahme neuer HIV-Diagnosen. Parallel zum 8. Deutschen AIDS-Kongress in Berlin findet vom 4. bis 7. Juli erstmals die Veranstaltung "Positive Begegnungen" statt. Zur Nachfolgeveranstaltung der „Bundespositivenversammlung“ (erstmals 1990 in Frankfurt am Main) kommen nicht nur Menschen mit HIV, sondern auch An- und Zugehörige.
2002 Im Oktober 2002 weist der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Verbraucherpolitik im Europäischen Parlament den Antrag der EU-Kommission zurück, das bisher gültige Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel aufzuheben.

2003 Anlässlich des Welt-Aids-Tags verkündet die Welt-Gesundheits-Organisation WHO ihre Initiative 3 by 5 – bis Ende 2005 sollen drei Millionen HIV-Infizierte in armen Staaten eine antiretrovirale Therapie erhalten. Leider wird das ehrgeizige Ziel nicht erreicht werden.
2006 Im Januar wird in den USA mit Atripla die erste einmal tägliche Dreier-Kombi in einer Pille zugelassen. Die HIV-Therapie wird immer einfacher. Vom 24. bis 27. August finden in Leipzig zum ersten Mal die „Positiven Begegnungen – Konferenz zum Leben mit HIV/AIDS“ statt.
2007 Im März 2007 empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNAIDS die Beschneidung als ergänzende HIV-Präventionsmethode. Studien in afrikanischen Ländern hatten gezeigt, dass beschnittene Männer beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr ein um 60 Prozent niedrigeres Infektionsrisiko aufweisen.
2008 Am 30. Januar stellt die Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen (EKAF) in der Schweiz als erste Regierungsstelle offiziell fest, dass HIV-Positive bei sorgfältiger Einnahme ihrer Medikamente nicht ansteckend sind. Das sogenannte EKAF-Statement sorgt immer wieder für Wirbel, da es wesentlich differenzierter ist als die altbekannte Präventionsbotschaft „Kondome schützen“ (Positionspapier der DAH).
2010 Nach mehr als zwei Jahrzehnten heben die USA das seit 1987 geltende Einreiseverbot für HIV-Positive zu Jahresbeginn endgültig auf. Das Verbot habe „mit Angst zu tun, nicht mit Fakten“, sagt US-Präsident Barack Obama.
Im Dezember erteilt die US-Medikamentenbehörde FDA dem ersten einminütigen HIV-Schnelltest die Zulassung.
2011 Am 8. Februar setzt das Bundesgesundheitsministerium einen neuen Nationalen Aids-Beirat ein. Positivenvertreter üben Kritik, da sie sich unterrepräsentiert sehen.
Eine ausführliche Chronik findet sich auch im Ondamaris-Blog.
