Glossar

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  31. 4
  32. 5
  33. 6
  34. 7
  35. 8
  36. 9
  1. I
    1. Ikterus

      sog. Gelbsucht; Gelbverfärbung von Haut und Schleimhäuten infolge einer vermehrten Bildung, Abbau- oder Ausscheidungsstörung von Bilirubin, z.B. bei hämolytischer Anämie, Gallen- oder Lebererkrankungen oder als unerwünschte Wirkung von Arzneimitteln.
    2. Immunantwort

      zusammenfassende Bezeichnung für Reaktionen des Immunsystems auf körperfremde, immunogene Substanzen, Krankheitserreger oder Antigene, die sich aus einer unspezifischen, angeborenen Immunantwort und einer spezifischen, adaptiven Immunantwort zusammensetzen; beteiligt sind neben allgemeinen Schutzmechanismen des Organismus in unterschiedlichen Stadien verschiedene Zellen des Immunsystems (sog. zelluläre Immunantwort) sowie von diesen Zellen gebildete und sezernierte Zytokine und Antikörper (sog. humorale Immunantwort). Bei einer HIV-Infektion wird HIV in der akuten Phase durch dendritische Zellen abgefangen; nach Phagozytose und Antigenpräsentation kommt es zu einer Stimulation von CD4-Zellen mit nachfolgender Aktivierung von CD8-Zellen und Ausbildung zytotoxischer T-Lymphozyten; von CD4-Zellen sezernierte Zytokine aktivieren B-Lymphozyten, die wiederum neutralisierende Antikörper gegen HIV bilden; einige dieser aktivierten B-Lymphozyten (sog. Plasmazellen) differenzieren zu Gedächtniszellen; im Übergang zur chronischen HIV-Infektion entstehen erste Escape-Mutanten von HIV, die durch neutralisierende Antikörper und zytotoxische T-Lymphozyten nicht mehr erreicht werden können; in der chronischen Phase kommt es zu einem langsamen Abfall von CD4-Zellen und nachfolgend auch von CD8-Zellen als Resultat der allgemeinen Immunaktivierung.
    3. Immunfluoreszenztest

      labormedizinischer Nachweis von Antigenen oder Antikörpern, die mit einem Farbstoff markiert werden und in einem bestimmten Licht aufleuchten (fluoreszieren); Verwendung z.B. in der HIV-Diagnostik oder Tumordiagnostik.
    4. Immunglobuline

      Abk. Ig; im Rahmen einer Immunantwort von B-Lymphozyten als Reaktion auf Antigene gebildete Antikörper, die Komplement und Effektorzellen aktivieren; Einteilung in fünf Klassen mit unterschiedlichen Entstehungszeitpunkten und Funktionen: IgA: Vorkommen v.a. an Schleimhäuten mit Schutzfunktion gegen Krankheitserreger; IgD: Vorkommen z.B. in geringen Mengen an B-Lymphozyten als Antigenrezeptor; IgE: Vorkommen u.a. an basophilen Granulozyten, Mastzellen; u.a. an der Immunantwort auf Parasiten und allergischen Reaktionen vom Frühtyp beteiligt; IgG: bei einem Antigenkontakt mit zeitlicher Verzögerung gebildete Antikörper in Serum oder Muttermilch; spezifisches IgG ist oft noch Jahre nach einer Immunreaktion als Zeichen einer durchgemachten Infektion oder nach einer Schutzimpfung nachweisbar; IgM: bei einem Antigenkontakt zuerst gebildete Antikörper, hohe Konzentrationen von spezifischem IgM weisen auf akute Infektionen hin. Therapeutisch werden Immunglobuline u.a. zur Behandlung von Immunschwächen (z.B. Agammaglobulinämie) und als Hyperimmunserum verwendet.
    5. Immunisierung

      Herbeiführung einer Immunität gegenüber Krankheitserregern oder Toxinen; unterschieden werden aktive Immunisierung durch eine Immunantwort mit Bildung von Antikörpern z.B. im Anschluß an eine Impfung und passive Immunisierung zum Schutz vor Infektionen z.B. durch Immunglobuline (Antikörper) oder Immunseren; es werden keine körpereigenen Antikörper gebildet, die Wirksamkeit ist kurzfristig.
    6. Immunität

      bezeichnet die (vorübergehende oder dauerhafte) Unempfänglichkeit gegenüber Krankheitserregern, Antigenen oder körperfremden Substanzen (Toxinen); eine natürliche Immunität wird durch angeborene Faktoren oder die unspezifische Abwehr von Antigenen ohne vorherigen Antigenkontakt vermittelt; die erworbene Immunität beruht v.a. auf der Bildung von Antikörpern und Gedächtniszellen im Rahmen einer Immunantwort.
    7. Immunkompetenz

      bezeichnet die Fähigkeit des Immunsystems zur Abwehr von Krankheitserregern oder körperfremden Substanzen durch eine wirksame Immunantwort.
    8. Immunmodulatoren

      Substanzen, pflanzliche Stoffe oder Arzneimittel, die Reaktionen des Immunsystems verstärkend oder hemmend beeinflussen (sog. biological response modifiers).
    9. Immunogen

      Fachbezeichnung für Antigene, Krankheitserreger oder Substanzen, die eine Immunantwort auslösen.
    10. Immunogenität

      Fachbezeichnung für 1. die Fähigkeit eines Impfstoffs, eine Immunität gegen Krankheitserreger oder Toxine herbeizuführen; 2. die Fähigkeit von Immunogenen, eine Immunreaktion auszulösen.
    11. Immunrekonstitutionssyndrom

      Abk. IRIS; Bezeichnung für verschiedene Symptome, die bei einer HIV-Infektion unter antiretroviraler Kombinationstherapie nach Normalisierung (Rekonstituierung) der Immunfunktion mit Anstieg der CD4-Zellzahl beobachtet werden; Auftreten meist innerhalb von Wochen bis (wenigen) Monaten nach Therapiebeginn mit vermehrtem Vorkommen bei CD4-Zellzahlen von weniger als 100 Zellen/µl bei Therapiebeginn; ursächlich sind wahrscheinlich Immunantworten auf latent vorhandene Infektionen. Es werden z.T. schwere und häufig atypische Verläufe von Zytomegalie, atypischen Mykobakteriosen, Tuberkulose, progressiver multifokaler Leukoenzephalopathie, Kryptokokkose und anderen opportunistischen Infektionen sowie ein vermehrtes Auftreten von Autoimmunkrankheiten beschrieben; charakteristisch sind ausgeprägte entzündliche (inflammatorische) Begleitreaktionen.
    12. Immunschwäche

      auch Immundefekt, Abwehrschwäche; Fachbezeichnung für angeborene oder erworbene Störungen des Immunsystems, die mit einem Verlust der Fähigkeit einhergehen, auf Krankheitserreger oder körperfremde Substanzen mit einer wirksamen Immunantwort zu reagieren.
    13. Immunstatus

      zusammenfassende Bezeichnung für den funktionellen Zustand des Immunsystems mit der Fähigkeit zu Immunreaktion und Immunantwort; eine orientierende Beurteilung ist u.a. anhand des Blutbilds, CD4-Zellzahl, CD4/CD8-Ratio oder eines Hauttests möglich; bei HIV-Infektion werden regelmäßige Kontrollen empfohlen, um ein Monitoring des Verlaufs zu ermöglichen.
    14. Immunsuppression

      Unterdrückung der Immunantwort im Rahmen einer Immuntherapie durch Arzneimittel (sog. Immunsuppressiva) oder Strahlentherapie; im Frühstadium einer HIV-Infektion finden sich Zeichen einer chronischen Aktivierung des Immunsystems, daher werden immunsuppressive Therapien (u.a. Cyclosporin A, Cyclophosphamid, Glukokortikoide) in Studien untersucht.
    15. Immunsystem

      Abwehrsystem des Körpers gegen körperfremde Substanzen und Krankheitserreger
    16. Immunsystem-lang

      Abwehrsystem des Organismus zur Immunantwort gegen körperfremde Substanzen, Krankheitserreger und Antigene; es umfaßt: 1. unspezifische (mechanische, physikalische und chemische) Schutzmechanismen wie z.B. Haut und Schleimhäute, bestimmte Körperflüssigkeiten; 2. primäre Immunorgane wie Thymus und lymphatisches Gewebe des Darms, in denen Immunzellen differenziert werden; 3. sekundäre Immunorgane wie u.a. Milz, Lymphknoten und Rachenmandeln, in denen Immunreaktionen stattfinden; 4. zelluläre Bestandteile wie u.a. Granulozyten, Makrophagen, Lymphozyten und 5. humorale, in Körperflüssigkeiten vorkommende Bestandteile wie u.a. Antikörper (Immunglobuline), Komplement oder Zytokine, die an der Immunantwort mitwirken.
    17. Immuntherapie

      Behandlung von Erkrankungen durch Beeinflussung des Immunsystems oder immunologischer Funktionen; bei HIV-Infektion werden derzeit u.a. verschiedene Zytokine in Studien untersucht; durch HIV-spezifisches oder polyvalentes Immunglobulin oder monoklonale Antikörpern gegen gp120 konnten bislang keine langfristig positiven Effekte auf den Verlauf einer HIV-Infektion erwiesen werden.
    18. Impfstoffe

      auch Vakzine; antigen wirksame Substanzen, die bei einer Impfung zur Erzielung einer spezifischen Immunantwort und Immunität gegen bestimmte Krankheitserreger verwendet werden; sie bestehen u.a. aus attenuierten (abgeschwächten) oder inaktivierten (abgetöteten) Krankheitserregern (Lebend- bzw. Totimpfstoff), inaktivierten Toxinen oder Teilstücken von Krankheitserregern (Subunit-Impfstoff).
    19. Impfstoffstudien

      Studien zur Entwicklung von Impfstoffen; i.e.S. die in mehreren Phasen erfolgende Durchführung von Impfstoffstudien mit Menschen: Phase I mit einer kleinen (20-100) Zahl gesunder Studienteilnehmer zur Dosisfindung und Beurteilung von Impfstoffsicherheit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik; Phase IIa mit mehreren hundert Studienteilnehmern zur Erfassung häufigerer unerwünschter Wirkungen und Beurteilung der Immunogenität, i.d.R. mit Beteiligung einer kleineren Gruppe von Personen mit einem Infektions- oder Erkrankungsrisiko; Phase IIb als sog. Proof-of-concept-Studie zur Gewinnung von Informationen zur Impfstoffsicherheit und potentiellen Wirksamkeit; Phase III als große kontrollierte Studie mit bis zu mehreren tausend Studienteilnehmern zur Wirksamkeitsprüfung des Impfschutzes (z.B. Schutz vor einer Infektion oder Erkrankung), Bestimmung von optimaler Dosis und Anwendungsschema sowie Nutzen-Risiko-Abwägung.
    20. Infarkt

      Verschluß eines arteriellen Blutgefäßes mit Gewebe- und Organschädigung (Nekrose) in dessen Versorgungsbereich als Folge eines Sauerstoffmangels; Vorkommen z.B. als Herzinfarkt oder Netzhautinfarkt mit akuter Retinanekrose.
    21. Infektionsrisiko

      Möglichkeit, sich mit einem Erreger anzustecken (zu infizieren); bei HIV: z. B. Sex ohne Kondom, Sperma schlucken, gemeinsamer Gebrauch von Spritzen
      Synonyme: Infektionsrisiken
    22. infektiös

      ansteckend, übertragbar.
    23. Infektiosität

      Bezeichnung für die Übertragbarkeit und Fähigkeit von Mikroorganismen, in Wirte einzudringen und eine Infektion (und evtl. nachfolgende Erkrankungen) zu verursachen.
    24. Inhibitoren

      Hemmstoffe; Substanzen und Arzneimittel, die biologische oder chemische Vorgänge einschränken oder verhindern.
    25. Inkubationszeit

      auch Latenzzeit; Zeit zwischen dem Eindringen eines Krankheitserregers (Infektion) und Ausbruch einer Erkrankung.
    26. Insulin

      von der Bauchspeicheldrüse gebildetes Hormon; wichtigste biochemische Funktionen sind die Regulierung des Blutzuckergehalts, eine Steigerung des Kohlenhydratabbaus und (in Leber und Fettgewebe) eine Steigerung der Fettsynthese. Durch Insulinresistenz oder -mangel entsteht ein Diabetes mellitus.
    27. Insulinresistenz

      stark abgeschwächtes oder fehlendes Ansprechen auf (körpereigenes) Insulin. Auslösend kann eine Antikörperbildung sein; die Ursache der im Verlauf einer HIV-Infektion vermehrt beobachteten Insulinresistenz ist noch ungeklärt; ein Zusammenhang mit einer antiretroviralen Kombinationstherapie (v.a. mit Proteaseinhibitoren) wird diskutiert. Behandlung ggf. mit Insulinsensitizern wie Metformin oder oralen Antidiabetika wie Thiazolidindionen (z.B. Rosiglitazon, Pioglitazon).
    28. Integrase

      Enzym von Retroviren, das die provirale DNA in den Kern von Wirtszellen integriert.
    29. Integraseinhibitoren

      Substanzen und Arzneimittel, die die Integrase von HIV hemmen und zur antiretroviralen Kombinationstherapie verwendet werden.
    30. Interferone

      Abk. IFN; von kernhaltigen Körperzellen (v.a. Leukozyten, Lymphozyten) auf Fremdreize wie eine Infektion mit Viren oder Bakterien oder Tumorzellen gebildete Proteine (Zytokine), die nach Bindung an spezifische Rezeptoren indirekt Virusvermehrung und Zellwachstum hemmen; Einteilung anhand des verwendeten Rezeptors in: IFN alpha: therapeutische Verwendung von (pegyliertem) IFN alpha in Kombination mit Ribavirin bei Hepatitis C und chronischer Hepatitis B sowie verschiedenen Formen von Leukämie (Blutkrebs) und Tumorerkrankungen; IFN beta: therapeutische Verwendung u.a. bei multipler Sklerose; IFN gamma: Verwendung als Zusatztherapie bei granulomatösen Erkrankungen. UAW: u.a. grippeähnliche Symptome mit Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, psychische Veränderungen, Leberwerterhöhungen, Blutbildveränderungen.
    31. Interleukine

      Abk. IL; zu den körpereigenen Botenstoffen zählende Zytokine, die im Rahmen einer Immunantwort Informationen zwischen beteiligten Zellen vermitteln; u.a. werden unterschieden: IL-1: in der Frühphase einer Infektion u.a. von Makrophagen freigesetzt, aktiviert u.a. T-Lymphozyten; IL-2: von T-Helferzellen freigesetzt, bewirkt u.a. eine vorübergehende Vermehrung von zytotoxischen T-Lymphozyten und T-Helferzellen; therapeutische Verwendung von Aldesleukin; IL-3: stimuliert Vermehrung und Differenzierung von blutbildenden und lymphatischen Stammzellen, verstärkt die Wirkung von Erythropoetin, G-CSF und GM-CSF; IL-4: wird u.a. von T-Helferzellen freigesetzt, stimuliert B-Lymphozyten zur Produktion von Antikörpern; IL-6: wird u.a. von Makrophagen und T-Helferzellen gebildet, verstärkt die Vermehrung von HIV; IL-7: wird u.a. von Zellen lymphatischer Gewebe gebildet und stimuliert das Wachstum von Vorläuferzellen der B- und T-Lymphozyten; IL-10: wird u.a. von T-Helferzellen gebildet und verstärkt Entzündungsreaktionen; es reduziert erhöhte Konzentrationen von Zytokinen und wird u.a. in der Behandlung chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen untersucht; IL-12: wird von Makrophagen freigesetzt und bewirkt eine Ausreifung von T-Helferzellen des TH1-Typs, aktiviert zytotoxische T-Lymphozyten und NK-Zellen; rekombinantes IL-12 (rhIL-12) wird in Studien zur Immuntherapie der HIV-Infektion untersucht; IL-15: wird nach Virusinfektionen u.a. von Makrophagen gebildet und aktiviert NK-Zellen; IL-16: wird u.a. von Lymphozyten gebildet; rekombinantes IL-16 (rhIL-16) hemmt in Laboruntersuchungen die Vermehrung von HIV.
    32. intermittierend

      zeitweise auftretend, zeitweilig aussetzend.
    33. Intervalltherapie

      in zeitlichen Abständen durchgeführte, von Pausen unterbrochene Behandlung, z.B. in der Behandlung maligner Tumoren (Intervallchemotherapie).
    34. invasiv

      eindringend; bezeichnet 1. die Fähigkeit von Krankheitserregern, körpereigenen (normalen oder pathologischen) Zellen oder chemischen Substanzen und Arzneimitteln, in ein Gewebe einzudringen; 2. diagnostische Methoden, bei denen Instrumente in den Körper eingeführt werden.
    35. Inzidenz

      epidemiologische Fachbezeichnung für die Anzahl von Neuerkrankungen in einem Zeitraum, Gebiet oder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe.