Glossar
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Kaposi-Sarkom
Abk. KS; Tumor der Blutgefäße mit Gefäßneubildungen und rötlich-bläulichen bis lividen, knötchenförmigen Veränderungen v.a. an Haut und Schleimhäuten. Unterschieden werden: Klassisches KS: bei älteren Männern vorkommende Form mit i.d.R. nur einzelnen Läsionen, überwiegend an den Beinen. Afrikanisches KS: auch endemisches KS; v.a. in Zentralafrika vermehrt vorkommende Form bei Männern im Alter von 25-40 Jahren mit knötchenförmigen Läsionen und langsamem Verlauf, sowie bei Kindern mit generalisierten Lymphomen und rascher Progredienz. Iatrogenes KS: bei immunsuppressiver Behandlung (z.B. nach Organtransplantation) lokalisiert oder generalisiert (mit Beteiligung innerer Organe) auftretende Formen. Epidemisches KS: auch AIDS-assoziiertes KS; bei HIV-Infektion auftretende Form, häufigster HIV-assoziierter Tumor; betroffen sind v.a. Sexualpartner und -partnerinnen von Männern mit KS. Ursache: Ein Zusammenhang mit einer Infektion durch humanes Herpesvirus 8 (HHV-8) und eine direkte Beteiligung der HIV-Infektion durch Auslösung regulatorischer Störungen der Immunantwort werden diskutiert. Verlauf: Eine Erkrankung kann unabhängig vom Immunstatus auftreten; häufig zunächst an Haut, Lymphknoten oder Mundschleimhaut, eine Ausbreitung auf innere Organe (v.a. Magen-Darm-Trakt, Luftröhre und Lunge) ist möglich und kann zu Komplikationen mit lebensbedrohlichen Funktionsstörungen führen. Die Diagnose wird bei Hautmanifestationen häufig klinisch gestellt und durch Biopsie und histologische Untersuchung bestätigt; je nach Lokalisation können eine bildgebende Diagnostik oder endoskopische Untersuchungen erforderlich sein. Therapie: Eine Behandlung ist v.a. bei kleineren Hautläsionen nicht erforderlich, jedoch muß bei Läsionen, die psychisch (als Stigma empfunden oder kosmetisch störend) oder physisch belasten, bei Funktionsstörungen innerer Organe und lebensbedrohlichen Komplikationen eine Behandlung eingeleitet werden; sie erfolgt unter Berücksichtigung von Ausdehnung und Lokalisation und des Immunstatus individuell unterschiedlich z.B. als kosmetische Abdeckung (Camouflage), evtl. chirurgische Entfernung (Exzision), Strahlentherapie, Kryotherapie, immunmodulatorische Therapie oder medikamentös (Angiogeneseinhibitoren, Zytostatika); wichtig ist ebenfalls eine wirksame antiretrovirale Therapie zur Verbesserung des Immunstatus, die oft zu einer Rückbildung beiträgt.Kapsid
Eiweißstrukturen, die das virale Genom umgeben; bei Viren ohne Hülle zugleich die äußere Struktur.kardiovaskulär
Herz und Gefäße, das Herz-Kreislauf-System betreffend.Karzinom
Fachbezeichnung für bösartige Tumoren und Krebs.Kassenzulassung
Genauer: „sozialrechtliche Zulassung“; Berechtigung eines Arztes, Psychotherapeuten, Zahnarztes oder eines Physio- oder Ergotherapeuten, Leistungen über die Kassen(zahn)ärztliche Vereinigung (KV/KZV) zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen abzurechnenkausal
ursächlich; als kausale Therapie wird eine auf die Beseitigung der Krankheitsursache ausgerichtete Behandlung bezeichnet.Keratitis
Entzündung der Augenhornhaut; Vorkommen u.a. bei Benetzungsstörungen (Keratoconjunctivitis sicca), Infektionen (z.B. Herpesvirus-Infektionen), Einwirkung von Arzneimitteln oder chemischen Substanzen.Kernprotein
das den Kern mit dem Genom von HIV umgebende Eiweiß.Ketamin
Auch „Kit Kat“, „Special K“; Narkosemittel; psychische Abhängigkeit möglichKillerzellen
Sammelbezeichnung für Zellen, die veränderte (kranke) Körperzellen (z. B. Tumorzellen, infizierte Zellen) zerstörenklinische Studien
allgemeine Bezeichnung für wissenschaftliche medizinische Untersuchungen mit Menschen im Unterschied zu sog. präklinischen Studien mit Laboruntersuchungen oder Tierversuchen; Gegenstand der Untersuchung können u.a. physiologische oder pathologische Vorgänge, diagnostische oder therapeutische Verfahren sein; je nach Fragestellung können verschiedene Studiendesigns verwendet werden, die sich hinsichtlich der Zahl der Studienteilnehmer, ihrer Auswahl und Zuordnung zu einzelnen Studiengruppen, der Länge des Beobachtungszeitraums sowie in Bezug auf die gewählte Intervention und statistische Auswertungsmethoden unterscheiden und vor Beginn der Studie in einem Studienprotokoll zu beschreiben sind; rechtliche Voraussetzung für die Durchführung klinischer Studien sind eine behördliche Genehmigung und eine zustimmende Bewertung der zuständigen Ethikkommission, die u.a. im Arzneimittel- und Medizinproduktegesetz und einschlägigen Landesgesetzen geregelt sind. Als klinische Prüfung von Arzneimitteln werden am Menschen durchgeführte Untersuchungen bezeichnet, die laut Arzneimittelgesetz dazu bestimmt sind, klinische oder pharmakologische Wirkungen von Arzneimitteln zu erforschen oder nachzuweisen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen festzustellen; eine Prüfung erfolgt in mehreren Phasen: Phase I: Dosisfindung und pharmakokinetische Studien, Verträglichkeits- und Sicherheitsprüfung, i.d.R. über einen kurzen Zeitraum mit wenigen Studienteilnehmern; Phase IIa: Überprüfung des Therapiekonzepts; Phase IIb: Bestimmung der therapeutisch angewendeten Dosis und Erhebung von Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit, i.d.R. über mehrere Wochen mit etwa 50-200 Studienteilnehmern; Phase III: Wirksamkeitsnachweis durch Vergleich mit einer Standardtherapie, i.d.R. über mehrere Monate bis zwei Jahre mit mehreren hundert Studienteilnehmern; Phase IV: langfristige Anwendungsbeobachtung und Charakterisierung eines Arzneimittels nach der Zulassung u.a. mit dem Ziel, seltene unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu erfassen. In den Phasen II und III erfolgt die Durchführung der klinischen Prüfung typischerweise als randomisierte kontrollierte Studie.Knoblauchpräparate
Häufig Tabletten (Kapseln, Dragees), in denen Knoblauch(extrakt) konzentriert enthalten ist; hoch konzentriert kann Knoblauch die Wirkung bestimmter HIV-Medikamente senkenKohlenhydrate
sog. Saccharide; wichtige Naturstoffe, zu denen z.B. alle Zucker-, Stärke- und Zellulosearten gehören; nach ihrer Größe werden Mono-, Oligo- und Polysaccharide unterschieden. Biochemisch wichtig u.a. als Energielieferanten des menschlichen Organismus.Kohortenstudie
Bezeichnung für vergleichende Studien, in denen eine große Zahl von Personen (Kohorte) über einen längeren Zeitraum beobachtet wird, um Unterschiede im Auftreten bestimmter Ereignisse, einer Erkrankung oder von Symptomen festzustellen.Koinfektion
gleichzeitige Infektion mit zwei Krankheitserregern; i.w.S. auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten erworbene, aber gleichzeitig bestehende Infektionen, bei HIV-Infektion (mit unterschiedlicher regionaler Häufung) v.a. als HIV/HCV-Koinfektion oder HIV/Tbc-Koinfektion.Kokain
Kokain gehört wie Amphetamin (Speed) und Methamphetamin (Crystal) zu den "Wachmachern"; wirkt euphorisierend; wird häufig gesnieft, aber auch geraucht und gespritzt; ernste Folgeschäden und schnelle psychische Abhängigkeit möglichKombinationstherapie
Einsatz mehrerer Medikamente z. B. bei der HIV-Behandlung, die die Virusvermehrung an verschiedenen Ansatzpunkten unterbindetKombinationstherapie-lang
gleichzeitige Gabe von zwei oder mehr Arzneimitteln bzw. Anwendung verschiedener (medikamentöser und nicht-medikamentöser, z.B. chirurgischer) Behandlungsmethoden mit dem Ziel einer Steigerung erwünschter Wirkungen und evtl. Reduzierung unerwünschter Wirkungen. Bei einer antiretroviralen Kombinationstherapie werden mehrere Virostatika mit unterschiedlichen Wirkmechanismen oder Angriffsorten verwendet.Kompartiment
Abschnitt, Abteil; Fachbezeichnung für Gewebe oder Organsysteme, die anatomisch bzw. funktionell vom übrigen Körper abgeteilt sind (z.B. Gehirn durch Blut-Hirn-Schranke); die Konzentrationen von Substanzen (z.B Arzneimittel) oder Krankheitserregern (z.B. Viren) können sich innerhalb verschiedener Kompartimente oder Verteilungsräume erheblich vom übrigen Gewebe oder dem Blut unterscheiden.Komplement
im Blut in unterschiedlichen Konzentrationen vorhandene Proteine, die als funktionelles System im Zusammenwirken mit Antikörpern körperfremde Substanzen oder Krankheitserreger (Antigene) inaktivieren. Bei einer HIV-Infektion kann Komplement einerseits an einer Neutralisation von HIV durch Bindung von Komplement-Fragmenten und Maskierung von Epitopen (Antigendeterminanten) von HIV mitwirken, die dann für eine Interaktion mit Zellen nicht mehr zur Verfügung stehen; andererseits kann Komplement HIV-Infektionen verstärken, da sich HIV an Komplementrezeptoren von B-Lymphozyten bindet und von dort auf T-Lymphozyten übertragen wird.Komplementärmedizin
auch Alternativmedizin; Sammelbezeichnung für verschiedene therapeutische und diagnostische Konzepte, die sich als Ergänzung bzw. Alternative zur evidenzbasierten wissenschaftlichen Medizin (sog. Schulmedizin) darstellen; eine wirksame Behandlung der HIV-Infektion ist mit komplementären Therapien nicht möglich, der Einsatz alternativer Behandlungsformen kann jedoch in der Vorbeugung oder Therapie von unspezifischen Beschwerden und Allgemeinsymptomen sinnvoll sein. Empfehlenswert ist vor Verwendung alternativer Behandlungsformen in jedem Fall eine Information zu dem Therapieverfahren durch ein Gespräch mit dem Arzt, Apotheker oder einer Beratungsstelle sowie anhand herstellerunabhängiger Quellen; zu beachten sind mögliche unerwünschte Wirkungen und Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder anderen Substanzen.kontagiös
ansteckend, übertragbar.Kontagiosität
Bezeichnung für die Ansteckungsfähigkeit einer übertragbaren Krankheit.Kontamination
Verschmutzung, Verunreinigung, z.B. von Blutprodukten mit HIV.Kontrazeption
Fachbezeichnung für Empfängnisverhütung, i.w.S. für alle Formen der Schwangerschaftsverhütung; je nach sozialen, kulturellen und anderen Gegebenheiten werden verschiedene Methoden in weltweit verschiedenem Umfang angewendet; in Deutschland v.a. hormonelle Kontrazeptiva (etwa 70%) und Kondome (etwa 30%), evtl. in Kombination mit anderen Methoden.Kontrollgruppe
in klinischen Studien Bezeichnung für die Studienteilnehmer, bei denen die untersuchte Behandlung oder Intervention nicht angewendet wird.kontrollierte Studie
sog. Vergleichsstudie; Form der klinischen Studie, bei der Wirkung und Verträglichkeit eines zu prüfenden Arzneimittels direkt mit einem zugelassenen Arzneimittel in verschiedenen Studienarmen verglichen werden.Korezeptoren
Strukturen an der Oberfläche von Zellen, die zusammen mit Rezeptoren an der Erkennung, Bindung oder Aufnahme bestimmter Reize oder Substanzen beteiligt sind, dazu allein aber nicht in der Lage sind.koronare Herzkrankheit
Abk. KHK; infolge arteriosklerotischer Veränderungen der Herzkranzgefäße und Gefäßverengungen auftretende Beschwerden oder Krankheitsbilder wie Angina pectoris oder Herzinfarkt; ein häufigeres Vorkommen bei HIV-Infektion ist beschrieben; als Risikofaktoren gelten u.a. Fettstoffwechselstörungen mit Hypercholesterinämie und Hypertriglyzeridämien.Krätze
Auch „Skabies“; Hauterkrankung durch Milben (kleine Spinnentiere); starker Juckreiz; leicht übertragbar; gut behandelbarKreatinin
auch Creatinin; in der Muskulatur gebildetes Stoffwechselprodukt, das über die Nieren ausgeschieden wird und dessen meßbare Konzentration im Blut u.a. bei Nierenerkrankungen erhöht ist; die Bestimmung der Kreatinin-Clearance ermöglicht eine Beurteilung von glomerulärer Filtrationsrate und Ausscheidungsfunktion der Nieren.Kreuzreaktion
Reaktion eines Antikörpers mit einem Antigen, das dem die Antikörperbildung ursprünglich auslösenden Antigen ähnlich, aber nicht mit ihm identisch ist. Klinisch relevant z.B. bei Allergien, labormedizinisch (selten) als Ursache für einen falsch-positiven HIV-Antikörpertest.Kreuzresistenz-lang
sog. Parallelresistenz; Resistenz von Krankheitserregern gegen ein bestimmtes Chemotherapeutikum oder Arzneimittel, die zur Unempfindlichkeit gegen andere (noch nicht verwendete) Substanzen und Arzneimittel führt, deren Wirksamkeit dann ebenfalls eingeschränkt oder aufgehoben ist.Kreuzresistenzen
Entwicklung einer Widerstandsfähigkeit z. B. eines HIV-Virus gegenüber mehreren HIV-Medikamenten gleichzeitigKristallurie
Ausscheidung von Harnkristallen oder steinähnlichen Gebilden mit dem Urin; Vorkommen z.B. als Nebenwirkung bestimmter Arzneimittel (u.a. Indinavir, Sulfadiazin).Kumulation
Anhäufung.kumulative Inzidenz
epidemiologische Fachbezeichnung für die Gesamtzahl aufgetretener bzw. bekannter Erkrankungen in einem definierten Zeitabschnitt und in einer bestimmten Gruppe.kurativ
heilend, auf Heilung ausgerichtet.kutan
die Haut betreffend.
