Der vorliegende Band stellt die Ergebnisse einer von Juli 2003 bis Mai 2004 im Auftrag der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. durchgeführten qualitativen Erhebung vor. Ausgangsfrage war, ob die medizinisch-technischen Entwicklungen seit Mitte der neunziger Jahre (Erfolge der Kombinationstherapien, Möglichkeit der Viruslastbestimmung) zu einem Nachlassen des Safer-Sex-Verhaltens von jüngeren MSM geführt haben. Die von ihm geführten Interviews, so der Autor Dirk Sander, liefern keine Belege für einen solchen direkten Zusammenhang, wohl aber für andere Faktoren im "HIV-Infektionsgeschehen" wie etwa Unverletzlichkeitsphantasien oder optimistische Fehlschlüsse.
Darüber hinaus zeigt Sander ein biographisches Muster auf, das er als "vulnerable Karriere" bezeichnet: Bei vielen der befragten jungen HIV-positiven Männer seien insbesondere die frühen Lebensphasen durch eine Häufung von stressinduzierenden Lebensereignissen und -konstellationen gekennzeichnet. Aus gesundheitstheoretischer Perspektive handele es sich hier um negative Synergien durch Anhäufung von Stressoren bei gleichzeitigem Fehlen von Bewältigungsressourcen - solchen "Vulnerabilitätsfaktoren" entgegenzuwirken, sei eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
2007 ( unveränderter Nachdruck)

