Aktuelle Infos zu Corona

Sind Menschen mit HIV besonders von Corona betroffen? Was muss ich in Bezug auf Sex und Corona wissen? Wie geht die Deutsche Aidshilfe mit ihren Seminaren und Veranstaltungen um? Wir informieren zu den drängenden Fragen rund um Corona und Aidshilfe.

Diese Seite wird laufend aktualisiert (Stand: 27.04.2020)

Weitere Infos

Das Wichtigste zu Corona und Aidshilfe

Was versteht man unter Corona und COVID-19?

Corona ist die Kurzbezeichnung einer bestimmten Gruppe von Viren: Corona-Viren. Der Name hängt mit dem Aussehen dieser Viren zusammen: Corona bedeutet Krone, Kranz – aus der Hülle der Viren ragen Eiweiße heraus, die zu diesem Aussehen führen. Corona-Viren sind schon lange bekannt und auf der ganzen Welt verbreitet. Sie können zum Beispiel zu Erkältungen führen.

Das neue Corona-Virus (wissenschaftliche Bezeichnung: SARS-CoV-2) verursacht die Erkrankung COVID-19.

Die Krankheit verläuft oft ohne Symptome oder mit milden Symptomen, häufig sind die Atemwege betroffen. COVID-19 kann aber auch zu schweren Verläufen und zum Tod führen.

Was muss ich zu HIV und Corona wissen?

Eingeseifte Hände

Wichtiger Schutz: Regelmäßig und gründlich Hände waschen

Ältere Menschen und Menschen mit Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf einer Coronavirus-Infektion.

Auch ein durch eine nicht behandelte HIV-Infektion geschwächtes Immunsystem zählt zu Vorerkrankungen. Nach aktuellen Schätzungen leben in Deutschland mehr als 10.000 Menschen mit einer nicht diagnostizierten HIV-Infektion.

Die meisten Menschen mit HIV in Deutschland nehmen aber antitretrovirale Medikamente. Diese verhindern die Vermehrung von HIV im Körper und schützen so das Immunsystem.

Menschen mit HIV unter wirksamer HIV-Therapie sind nach aktuellem Kenntnisstand nicht in besonderer Weise durch Corona gefährdet. Es fehlen aber noch Daten.

Alle Infos zu Corona und HIV

HIV-Medikamente zur Behandlung von Coronavirus-Infektionen

Die Frage, ob vielleicht HIV-Medikamente auch gegen COVID-19 wirksam sein könnten, wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Im Mittelpunkt steht das HIV-Medikament Kaletra. Hintergrund ist, dass das neue Coronavirus SARS-CoV-2 wie auch andere Coronaviren zur Vermehrung ein Enzym brauchen, eine bestimmte Protease (TMPRSS2).

Bei HIV ist das ähnlich: HIV braucht zur Vermehrung das Enzym HIV-Protease, die aber nicht mit der Coronavirus-Protease identisch ist. Kaletra ist ein Medikament, dass diese HIV-Protease blockiert.

Die ersten Ergebnisse sind allerdings ernüchternd: In einer kleineren Studien aus China mit ungefähr 200 Patient_innen mit schwerem Verlauf zeigte sich kein Nutzen von Kaletra.

Mehr Infos auf magazin.hiv

Gibt es Empfehlungen für das Sexleben?

Wichtiger Hinweis: Die folgenden Informationen beschäftigen sich mit der sexuellen Übertragbarkeit von Coronaviren, Möglichkeiten zur Risikosenkung und anderen Aspekten von Corona und Sex – unabhängig von behördlichen Anordnungen wie Kontakt- oder Ausgangsbeschränkungen, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind und sich auch ändern können.

Mit dem Coronavirus kann man sich überall anstecken, wo Menschen in engen Kontakt kommen. Beim Sex hat man also durch die Nähe und den Kontakt ein hohes Risiko – egal, um welche Sexpraktik es geht.

Am stärksten senkt man das Risiko, wenn man nur mit sich selbst Sex hat oder beim Sex nicht in der Nähe der Partner_innen ist – das ist zum Beispiel beim Telefonsex oder Onlinesex der Fall.

Wichtig: Vor dem Sex mit sich selbst die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen, damit man nicht beim unabsichtlichen Berühren von Mund, Nase oder Augen mit den Fingern Viren auf die Schleimhäute bringt und sich so ansteckt.

Wenn man mit anderen Personen Sex hat, senkt die Reduzierung der Partner_innenzahl das Risiko.

Erhöht ist das Risiko, wenn mehrere Menschen auf engem Raum zusammenkommen; das gilt auch, wenn sich mehrere Leute privat zum Sex treffen, weil man Sexpartys, Saunen oder Darkrooms nicht mehr besuchen darf.

Klar ist: wer Symptome hat oder Kontakt zu Personen mit COVID-19 hatte und in Quarantäne ist, sollte Sexualpartner_innen schützen, das heißt keinen Sex mit ihnen haben.

Auch könnte es eine gute Idee sein, Sexpartner_innen zu fragen, ob sie Symptome wie Fieber, trockenen Husten oder Kurzatmigkeit hatten. Als (noch nicht belegte Faustregel) empfiehlt die Deutsche Aidshilfe, zwei Wochen nach dem Ende von Symptomen auf Sex zu verzichten.

Weitere Infos zu Sex und Corona

Was ist mit Veranstaltungen der Deutschen Aidshilfe?

blauer Kalender mit roter Aufschrift abgesagt

Wegen COVID-19 müssen viele Veranstaltungen abgesagt werden.

Die Deutsche Aidshilfe sagt alle Veranstaltungen bis mindestens 17.05.2020 ab. Teilnahmegebühren werden erstattet.

Auch weitere HIV-bezogene Veranstaltungen sind betroffen. So wurde die Konferenz HIV2020 in Mexiko abgesagt. Die Veranstalter_innen suchen derzeit nach Alternativen. Alle registrierten Teilnehmer_innen bekommen ihre Gebühren erstattet.

Was ist mit Beratungs- und Testangeboten der Aidshilfen?

Die Arbeit vieler Beratungs- und Testangebote sowie Checkpoints ist eingeschränkt oder vorübergehend eingestellt. Wir bitten darum, sich bei den jeweiligen Einrichtungen zu erkundigen. Adressen von Beratungs-/Testangeboten und Checkpoints sowie Ansprechpartner_innen finden sich hier.

Die Telefonberatung der Aidshilfen, die Online-Beratung sowie der Gay Health Chat sind nach wie vor erreichbar.

Weitere Infos zu Corona und Beratung

Gibt es Empfehlungen für die Sexarbeit?

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) empfiehlt Sexarbeiter_innen in Deutschland, jegliche Tätigkeiten einzustellen, die sie in Körperkontakt mit Kund_innen bringen. Weitere Informationen und Hinweise zur Risikominimierung für Sexarbeiter_innen finden sich auf der Website des BesD.

Auch Sexarbeiter_innen sind durch COVID-19 in einer existenziellen Krise. Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) bietet deshalb eine Übersicht mit hilfreichen Infos und Unterstützungsmöglichkeiten.

Für alle, die durch das Raster der staatlichen Hilfsmaßnahmen fallen, hat der BesD einen Hilfsfond aufgelegt.

TAMPEP, das europäische Netzwerk für die Förderung der Rechte und der Gesundheit von migrantischen Sexarbeiter_innen, hat die Lage von Sexarbeitenden in Europa zusammengefasst und schildert, wie die Situation vor Ort ist.

Was ist mit Patient_innen in einer Substitutionsbehandlung?

Am 22.4.2020 hat der Gesetzgeber vorübergehend die Verschreibung und Abgabe von Substitutionsmitteln erleichtert und auch für bisher nicht Substituierte ermöglicht. Näheres zu den Regelungen findet sich hier.

Die Konferenz der Vorsitzenden von Qualitätssicherungskommissionen der Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland hatte bereits im März 2020 Hinweise für substituierende Ärzt_innen veröffentlicht.

Darin heißt es unter anderem: „Konsequent ist es, möglichst viele Substituierte mittels Abgaben zur eigenverantwortlichen Einnahme (Take-Home) in den kommenden Wochen von den Praxen und Ambulanzen fernzuhalten. ... Instabile Patient_innen mit langen Anfahrwegen oder in Regionen mit schlecht entwickeltem öffentlichem Nahverkehr können über wohnortnahe Apotheken versorgt werden“ oder ebenfalls mit Take-Home-Rezepten bedient werden.

Patient_innen können das Papier ausdrucken und mit zu ihrer Substitutionseinrichtung nehmen, um die Umsetzung dieser Maßnahmen für sich anzuregen.

Was müssen Drogengebraucher_innen jetzt wissen?

Viele Drogengebraucher_innen gehören aufgrund von Begleiterkrankungen und der meist geschwächten körperlichen Konstitution zu den besonders durch das Coronavirus Gefährdeten. Der JES-Bundesverband, die Deutsche Aidshilfe, JES NRW und akzept e.V. haben ein Papier mit besonderen Hinweisen und Tipps für Drogengebraucher_innen veröffentlicht.

Ob Drogenberatungsstellen und Kontaktläden geöffnet sind, erfragt man am besten vor Ort. Nach unserer Kenntnis haben viele Einrichtungen ihre Arbeit vorübergehend eingestellt. Eine Übersicht von Adressen bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Viele Drogenkonsumräume und die Spritzentausch-Angebote erhalten ihre Angebote nach unserem Wissen vorerst aufrecht und sorgen für räumliche Distanz zwischen den Klient_innen und Mitarbeiter_innen.

Weitere Infos zu Corona und Drogengebrauch

Wo gibt es Infos zu Corona in mehreren Sprachen/für Migrant_innen und Geflüchtete?

gelbe Wolke auf blauem Grund uns schwaze Schrift

Die Integrationsbeauftragte informiert

Die Website der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration bietet laufend aktualisierte Informationen rund um das Coronavirus in mehreren Sprachen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erklärt mit Videos in mehreren Sprachen, wieso es wichtig und effektiv ist, körperliche Distanz zu halten: www.youtube.com/channel/bzga

Informationen in mehreren Sprachen sind auch auf den Webseiten vieler Flüchtlingsräte zu finden, zum Beispiel beim Flüchtlingsrat Niedersachsen oder beim Flüchtlingsrat Berlin. Die Adressen aller Flüchtlingsräte finden sich unter fluechtlingsrat.de.

Bei den Flüchtlingsräten bekommt man außerdem Informationen zu Einschränkungen bei Behörden und Ämtern.

Corona-Infos in DGS und Leichter Sprache

Infos in Leichter Sprache und DGS

Allgemeine Informationen anderer Anbieter zum Coronavirus in Leichter Sprache finden sich zum Beispiel hier (pdf) oder hier.

Laufend aktualisierte allgemeine Informationen zum Coronavirus in Deutscher Gebärdensprache (DGS) bietet der Landesverband der Gehörlosen Baden-Württemberg.
 
Weitere Infos in DGS:

Patient_innenverfügung zur Beatmung bei COVID-19

Bei schweren Verläufen von COVID-19 kann es zur Situation kommen, dass Patient_innen nach ärztlichem Ermessen beatmet werden müssen. Hierzu gibt es verschiedene Methoden.

Wer noch keine umfangreiche Patient_innenverfügung verfasst hat, könnte sich angesichts der Corona-Pandemie überlegen, eine solche aufzusetzen, auszudrucken und für den Fall einer Krankenhausbehandlung wegen COVID-19 dabeizuhaben.

Die Deutsche Aidshilfe stellt hier eine Vorlage für ein solches Dokument als Word-Datei zur Verfügung, die individuell abgeändert werden kann.