Fachtag Safer Sex 3.0

Safer Sex gilt gemeinhin als Synonym für Schutzmaßnahmen, die ermöglichen, einen Kompromiss zwischen Lust in ihren unterschiedlichsten Facetten und dem Vermeiden von gesundheitlichen Risiken herzustellen. Doch was Safer Sex genau meint, war und ist noch nie für alle das Gleiche gewesen. Bedeutete der Begriff für einige schlichtweg Kondomgebrauch, meinte er für andere alle Sexualpraktiken, die das Risiko einer HIV-Infektion verringern („kein Sperma in den Mund“, Selbstbeschränkung auf gegenseitige Masturbation etc.), oder den Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen oder Verhütung einer Schwangerschaft.

Mit Blick auf diese gelebte Vieldeutigkeit stellt der Begriff Safer Sex kommunikativ eine Herausforderung dar. Gleichzeitig waren Safer-Sex-Botschaften in der Vergangenheit sehr wirkmächtig und haben im Verbund mit Maßnahmen der Verhältnisprävention über viele Jahre einen großen Beitrag dazu geleistet, die HIV-Verbreitung zu begrenzen.

Seit Sommer 2018 kommuniziert die Deutsche Aidshilfe das Konzept Safer Sex 3.0 in die Zielgruppe der Männer, die Sex mit Männern haben. Die drei Schutzmöglichkeiten gegen eine HIV-Übertragung, Kondombenutzung, „Schutz durch Therapie“ und PrEP werden als Methoden des Schutzes vor HIV kommuniziert, aus denen Menschen wählen können – je nach persönlichen Erfordernissen und der Situation.

Der Fokus liegt dabei explizit auf HIV. Andere STI werden mit kommuniziert, den Begriff Safer Sex beziehen wir aber bewusst nur auf HIV. Denn sonst wären Schutz durch Therapie und PrEP kein Safer Sex mehr – und das hätte weitreichende Implikationen für die Kommunikation.

Bisher wird das Konzept Safer Sex 3.0 insbesondere in der ICH WEISS WAS ICH TU-Kampagne auf die Zielgruppe schwule Männer und andere MSM angewendet. Erste Erfahrungen zeigen, dass sich das neue Konzept dort gut kommunizieren lässt und gut angenommen wird. Im Grunde ist Safer Sex 3.0 nicht neu, sondern wird in der Szene und in sexuellen Netzwerken neben anderen Schutzmethoden (z.B. „ausgehandelte Sicherheit“) schon lange praktiziert. Mit der Kampagne macht die DAH implizites Präventionswissen zu explizitem Szenewissen. Auf der Tagung sollen die bisherigen Erfahrungen mit Safer Sex 3.0 vorgestellt werden.

In anderen Adressat_innengruppen der HIV-Prävention werden die medikamentösen Präventionsstrategien mitunter vorsichtiger betrachtet. Handelt es sich dabei um ein Wissensdefizit oder passen die neuen Präventionsmöglichkeiten weniger gut auf ihre (sexuellen) Lebenswelten? Auf der Tagung wollen wir dieser Frage nachgehen und diskutieren, wie wir die neuen Präventionsmethoden – im Einklang mit den weiterhin geltenden Schutzmöglichkeiten (Kondom) – in den unterschiedlichen Zielgruppen als neue Optionen präsenter machen können.

In den einzelnen Workshops wird es die Möglichkeit geben, Safer Sex aus den unterschiedlichen Arbeitsfeldern heraus (MSM, Migration, Sexarbeit, Trans*…)  zu diskutieren. Die Fachtagung soll den Teilnehmenden auch ermöglichen, sich einem gemeinsamen Verständnis des Safer Sex-Begriffs zu nähern bzw. zu diskutieren, wie mit den Unschärfen des Begriffs zukünftig umgegangen werden kann.

Informationen zum Programm finden Sie in der pdf-Datei am Ende der Seite.

Veranstaltungs-Info

Termin 08.11.2019, 14:00 –
09.11.2019, 13:00
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Anmeldeschluss 27.09.2019
Ort Alte Börse, Berlin-Marzahn,
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Zielgruppe Mitarbeiter_innen aus Mitgliedsorganisationen der Deutschen Aidshilfe
Voraus­setzung keine
Teilnehmer­zahl max. 100
Fahrtkosten­erstattungJa (Bedingungen)
Anmelden bei Deutsche Aidshilfe, Wilhelmstr. 138, 10963 Berlin
Rückfragen Katja Schraml, 030 69 00 87 96
katja.schraml@dah.aidshilfe.de
Seminar­kennnummer 5B-43600
Anhang Stand Typ Größe
Programm Fachtag Safer Sex 3.0 04.09.2019 PDF 317.92 KB