„Schwule Szene nach der Pandemie - Herausforderungen und Perspektiven“

Schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben

Wir möchten mit eingeladenen Akteueren der bundesweiten schwulen Szene - mit Wirten, Clubbetreibern, Partyveranstaltern, Saunabetreibern, etc. - Perspektiven für nach der Corona-Krise diskutieren. Wir werden im Berliner SchwuZ tagen, Fahrtkosten und Kosten für Übernachtung (Einzelzimmer im Hotel) werden von der Deutschen Aidshilfe getragen. Das genaue Programm wird euch einige Wochen vor der Veranstaltung zugeschickt. Genaue Infos, auch zur Anmeldung, findet ihr weiter unten.

Hintergrund des Treffens:

Der Begriff „Szenesterben“ hat durch die Corona-Krise nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Hintergrund ist, dass die Anzahl der schwulen Bars/Kneipen/Gaststätten bereits vor der Covid-19-Pandemie beständig abnahm. Die Digitalisierung und die Verbreitung des Internets und der Dating Apps hat hierzu sicherlich einen erheblichen Teil beigetragen. Auch andere gesellschaftliche Entwicklungen wie Gentrifizierung sind ein wesentlicher Faktor. Dennoch schließen auch in den Großstädten immer mehr Einrichtungen. Es hat sich aber auch ein soziales Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein, herausgebildet – welches ein wesentlicher Faktor zur Prävention psychischer Erkrankungen ist. Es war nicht nur das gemeinsame Begehren, das einte, sondern auch der gemeinsam gefühlte Raum.

Durch Corona hat sich die Situation wesentlich verschärft. Ob und wann es wieder schwule Saunen geben wird, steht dahin. Ebenso die Orte schwuler Sexualität, die frei flottierende Lust arrangierten bzw. zur Verfügung stellten, wie Kneipen mit Darkrooms, Pornokinos und ähnliche Etablissements. Aber auch ein nicht derart sexualisiertes aber dennoch erotisierendes Clubleben ist momentan und wohl auf längere Zeit nicht (er)lebbar. Wie viele Clubs, Gaststätten und Bars die Coronaauflagen überhaut überleben werden, steht ebenfalls dahin. Hinzu kommt noch, das 2020 zum ersten Mal seit ihrem Bestehen, kein einziger CSD in Deutschland stattfand, kein Straßenfest, kein Parkfest.

Kurz: Eine allmählich schrumpfende soziale Gemeinschaft erlebt auch noch, dass die stark ritualisierten und historisch bedeutsamen Feiern ihres Zusammenhalts suspendiert sind.

Das erwarten wir:

Man muss diese oben skizzierte Entwicklung weder klag- noch wort- noch regungslos hinnehmen. Was geht und ging uns verloren, auch wenn Internet und soziale Medien auch unbestreitbare Vorteile für die Gay Community mit sich brachten? Was vermissen wir dennoch?

Und dabei in die Zukunft hinein fragend: Wie sieht eine schwule/queere Welt nach Corona aus? Was gilt es zu erhalten, weil wir sonst der in allgemeinen Haltung eines bequemen, jeden Unterschied leugnenden Liberalismus aufgehen. Was sollte und hat auf jeden Fall „Bestandschutz“ und muss deshalb unterstützt und gefördert werden? Welche sozialen Räume, gefüllt mit analogen, atmenden, sich bewegenden und sich anziehenden Körpern gilt es zu erhalten? Grundsätzlich gilt es auch die Frage zu beantworten, wie eine postpandemische HIV-Präventionsarbeit aussehen kann, wenn die Kulturlandschaft schlicht eine komplett andere ist, als noch im Jahr zuvor.

Diese und weitere Fragen sollen auf dem Seminar gemeinsam besprochen werden, um etwas Gewissheit und auch Stabilität in die krisengebeutelte Szene- und Kulturlandschaft zu bringen.

Als Gast und Referenten konnten wir Martin Dannecker gewinnen.

Veranstaltungs-Info

Termin 27.11.2020, 16:00 –
29.11.2020, 12:00
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Anmeldeschluss 22.10.2020
Ort SchwuZ, Rollbergstr. 26, 12053 Berlin
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Zielgruppe Akteure der schwulen Szene
Voraus­setzung

Akteur der schwulen Szene - in welcher Form auch immer: Wirt, Saunabetreiber, Partyveranstalter, Clubbetreiber, Kinobetreiber, etc.

Leitung

Clemens Sindelar, Dr. Dirk Sander

Teilnehmer­zahl max. 16
Teilnahme­gebühr keine
Fahrtkosten­erstattungJa (Bedingungen)
Anmelden bei Deutsche Aidshilfe, Anmeldebutten weiter unten.
Rückfragen Simon Herchenbach, 030 / 69 00 87 - 41
simon.herchenbach@dah.aidshilfe.de
Seminar­kennnummer 4S-50530

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