FAQ PrEP

1. Zusammenfassung

Hinter dem Kürzel PrEP verbirgt sich das Wort Prä-Expositions-Prophylaxe, übersetzt etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. HIV-negative Menschen nehmen dabei ein HIV-Medikament vorbeugend ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen.

Die Wirksamkeit der PrEP ist bei schwulen Männern mit hohem HIV-Risiko nachgewiesen. In Deutschland ist die PrEP seit Oktober 2016 zugelassen, man muss sie aber selbst bezahlen.

Seit Oktober 2017 gibt es die Möglichkeit, die PrEP für rund 50 Euro pro 28 Tabletten in ausgewählten Apotheken in mehreren deutschen Städten zu bekommen (weitere Infos).

Zudem besteht die Möglichkeit, sich die PrEP ohne Verblisterung ärztlich verschreiben zu lassen, ebenfalls auf Privatrezept. Die Kosten liegen hier derzeit je nach Herstellerfirma zwischen etwa 70 und 800 Euro für eine Monatspackung. Diese Medikamente sind über jede Apotheke in Deutschland zu bekommen.

Andere Wege, sich Truvada oder Generika für die PrEP zu besorgen (z. B. im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt), können mit Risiken verbunden sein.

Wer die PrEP anwendet, sollte sich vorher unbedingt gut informieren und ärztlichen Rat einholen. Denn vor dem Start und während der PrEP sind Untersuchungen erforderlich, und wenn man bei der Einnahme Fehler macht, wirkt die PrEP möglicherweise nicht.

2. Was bedeutet PrEP?

PrEP ist die Abkürzung für Präexpositionsprophylaxe, übersetzt etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament vorbeugend ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. In den meisten Studien wurde das Kombinationspräparat Truvada® verwendet.

Die PrEP wird manchmal verwechselt mit der PEP (Postexpositionsprophylaxe). Bei der PEP nimmt man kurz nach einem HIV-Risiko Medikamente ein, um eine Infektion noch zu verhindern.

3. Wie funktioniert die PrEP?

Das HIV-Medikament Truvada® enthält zwei Wirkstoffe, die HIV an der Vermehrung in den Körperzellen hindern. Gelangt das Virus beim Sex ohne Kondom in die Zellen von Schleimhäuten und Immunsystem, kann es sich dort nicht vermehren. Auf diese Weise kann eine HIV-Infektion verhindert werden, man bleibt – obwohl schon einzelne Körperzellen infiziert wurden - HIV-negativ.

4. Bei wem funktioniert die PrEP?

Die Wirksamkeit ist in Studien mit schwulen Männern, die ein besonders hohes HIV-Risiko haben, belegt. Gemeint sind Männer, die häufig Sex haben und denen es schwerfällt, Kondome zu verwenden. Die PrEP könnte auch bei heterosexuellen Männern oder Frauen funktionieren. Die bisherigen Studien liefern hier aber keine so überzeugenden Erfolgsdaten. Oft scheiterte der Schutz daran, dass die Teilnehmenden die PrEP nicht regelmäßig einnahmen.

5. Wie sicher schützt die PrEP?

2015 belegten die PrEP-Studien „Ipergay“ und „PROUD“ bei schwulen Männern eine Senkung des HIV-Übertragungsrisikos von 86 Prozent. Das heißt: In der Gruppe der Männer, die die PrEP einnahmen, gab es nur gut ein Zehntel der Infektionen, die es sonst ohne PREP gäbe. Die PrEP hat somit eine ähnlich gute Schutzwirkung gegen HIV wie Kondome. Entscheidend für die Wirksamkeit ist die regelmäßige Einnahme. Wer Schwierigkeiten mit einer disziplinierten Tabletteneinnahme hat, für den ist die PrEP keine geeignete Methode.

6. Schützt die PrEP auch vor anderen STI?

Nein. Gegen Syphilis, Tripper, Chlamydien und andere Infektionen bietet die PrEP keinen Schutz. Hier bleiben Kondome die beste Wahl.

7. Wie wird eine PrEP eingenommen?

Es gibt zwei Formen: Bei einer dauerhaften PrEP nimmt man täglich eine Tablette ein. Diese Variante kommt für Personen mit häufigen HIV-Risiken in Betracht. Bei einer anlassbezogenen PrEP nimmt man das Medikament nur einige Tage ein, zum Beispiel anlässlich einer Sexparty. Man beginnt mit zwei Tabletten am Tag bzw. spätestens zwei Stunden vor dem Sex, nimmt dann eine Tablette täglich und setzt die Einnahme nach dem letzten Sex noch zwei Tage fort. Die Wirksamkeit der anlassbezogenen PrEP ist noch nicht zweifelsfrei erwiesen. Ärztliche Begleituntersuchungen und regelmäßige HIV-Test sind bei beiden Einnahmevarianten unbedingt erforderlich.

8. Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die meisten Menschen vertragen Truvada® gut und spüren keine oder kaum Nebenwirkungen. Manche klagen über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit oder Schlafstörungen. Die dauerhafte Einnahme von Truvada® verringert die Leistungsfähigkeit der Niere. Normalerweise bildet sich diese Funktionseinschränkung nach Absetzen von Truvada® zurück. Für Gesunde stellt das kein relevantes Problem dar, aber wer kennt schon die Leistungsfähigkeit seiner Niere? Daher muss man vor dem Start der PrEP sowie jährlich durch Blutuntersuchungen die Niere überprüfen lassen. Wer an einer Erkrankung der Niere leidet, sollte keine Truvada®-PrEP einnehmen.

9. Wozu regelmäßige HIV-Tests?

Wenn die PrEP nicht richtig durchgeführt wird, kann es zu einer HIV-Infektion kommen. Wird die Infektion dann nicht schnell festgestellt, kann HIV gegen Truvada® resistent (unempfindlich) werden. Das Medikament kann dann zur Behandlung der HIV-Infektion nicht mehr eingesetzt werden. Wichtig ist daher, unmittelbar vor dem Start der PrEP sowie im weiteren Verlauf mindestens alle 3 Monate einen HIV-Test durchführen zu lassen.

10. Welche Risiken gibt es noch?

Vor dem PrEP-Start sollte ein Hepatitis-B-Test erfolgen (und ggf. eine Impfung). Denn Truvada® wirkt auch gegen Hepatitis B. Und wenn man die PrEP absetzt, kann es zu einem Wiederaufflammen der Hepatitis kommen.

11. Wie komme ich an die PrEP ran?

Truvada® ist in Deutschland seit Oktober 2016 auch für die Prävention zugelassen. Ärzt_innen können das Medikament verschreiben, wenn sie zuvor das Schulungsmaterial dazu vom jeweiligen Hersteller bekommen haben, allerdings derzeit nur auf Privatrezept. Nutzer_innen müssen die Medikamentenkosten also selbst tragen. 

Seit Oktober 2017 gibt es die Möglichkeit, die PrEP für rund 50 Euro pro 28 Tabletten in ausgewählten Apotheken in mehreren deutschen Städten zu bekommen (weitere Infos).

Zudem besteht die Möglichkeit, sich die PrEP ohne Verblisterung ärztlich verschreiben zu lassen, ebenfalls auf Privatrezept. Die Kosten liegen hier derzeit je nach Herstellerfirma zwischen etwa 70 und 800 Euro für eine Monatspackung. Diese Medikamente sind über jede Apotheke in Deutschland zu bekommen.

Andere Wege, sich Truvada oder Generika für die PrEP zu besorgen (z. B. im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt), können mit Risiken verbunden sein.

Wenn die PrEP für dich in Frage kommt, solltest du mit einem_r auf HIV spezialisierten Ärzt_in darüber sprechen. Von Selbstversuchen raten wir dringend ab, denn ohne ärztlichen Rat und Begleituntersuchungen birgt die PrEP erhebliche Risiken.

12. Ist die PrEP in Deutschland zugelassen?

Für Europa ist Truvada® im August 2016 zur PrEP zugelassen worden, die Zulassung für den deutschen Markt erfolgte im Oktober 2016. Grundsätzlich dürfen aber nur solche Ärzt_innen die PrEP verschreiben, die zuvor das Schulungsmaterial dazu vom jeweiligen Hersteller der PrEP-Pillen bekommen haben.

13. Wer bezahlt die PrEP?

Die Kosten für die PrEP müssen derzeit von den Nutzer_innen selbst übernommen werden.

Seit Oktober 2017 gibt es die Möglichkeit, die PrEP für rund 50 Euro pro 28 Tabletten in ausgewählten Apotheken in mehreren deutschen Städten zu bekommen (weitere Infos).

Zudem besteht die Möglichkeit, sich die PrEP ohne Verblisterung ärztlich verschreiben zu lassen, ebenfalls auf Privatrezept. Die Kosten liegen hier derzeit je nach Herstellerfirma zwischen etwa 70 und 800 Euro für eine Monatspackung. Diese Medikamente sind über jede Apotheke in Deutschland zu bekommen.

Im Rahmen von Studien kann die PrEP auch vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

Ob die PrEP in Zukunft von den Krankenkassen finanziert wird, ist offen. Bisher werden nur wenige Medikamente zur Vorbeugung von den Kassen bezahlt. Es sind aber auch andere Modelle denkbar: Manche Kassen übernehmen zum Beispiel bestimmte Impfungen, die nicht im Pflichtkatalog der gesetzlichen Kassen sind.

14. Warum PrEP, wenn es Kondome gibt?

Kondome bleiben das wichtigste Mittel zum Schutz vor HIV. Sie sind auch spontan einsetzbar, günstig und verringern zusätzlich das Risiko anderer sexuell übertragbarer Infektionen. Die PrEP ist eine zusätzliche Möglichkeit für Menschen, denen es schwerfällt, Kondome zu benutzen. Bei manchen Männern verursachen Kondome zum Beispiel Erektionsstörungen oder sie können aufgrund von Infektionsängsten überhaupt keine entspannte Sexualität erleben. Ihnen kann die PrEP helfen, HIV-negativ zu bleiben.

15. Wieso engagiert sich die Deutsche AIDS-Hilfe bei diesem Thema?

Studien zeigen, dass die PrEP wirkt. Unsere Auffassung: Was Menschen vor einer HIV-Infektion bewahren kann, muss auch zum Einsatz kommen. Dafür setzen wir uns ein. Außerdem gibt es Menschen, die auf eigene Faust eine PrEP durchführen und damit erhebliche Risiken eingehen. Wir informieren darum über Wege zu einer sachkundigen PrEP unter ärztlicher Begleitung.