AIDS 2014 - Ticker von der 20. Welt-Aids-Konferenz

Die Deutsche AIDS-Hilfe ist mit einer neunköpfigen Delegation und einem Stand bei der 20. Welt-Aids-Konferenz in Melbourne vertreten. Hier berichtet Team über das Geschehen down under.

Fotoalbum von der 20. Welt-Aids-Konferenz (Link zu Facebook, ohne Mitgliedschaft sichtbar)

Fotoalbum von der 20. Welt-Aids-Konferenz II

Fotoalbum von der 20. Welt-Aids-Konferenz III

Video über den Community-Bereich "Global Village"

 

25.7., 13:46 Uhr (MESZ) United we dance!

Die 20. Internationale Aids-Konferenz ist beendet. Hier ist unser Fazit. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. Und jetzt heißt es: United we dance!

 

25.07., 08:19 Uhr (MESZ) - Überfallartiger HIV-Test

Wer glaubt, er sei hier sicher, irrt. DAH-Pressesprecher Holger Wicht wurde auf dem Flur des Konferenzzentrums gegen seinen Willen auf HIV gestetst - von thailändischen Sexarbeiterinnen! Name ihrer Aktion: "Global Fun". Die Aktivistinnen kamen mit einem kleinen Krankenwagen aus der Spielzeugabteilung, umringten Holger, winkten mit Geld und übten wenig subtilen Druck aus. Beratung fand nicht statt, das Ergebnis wurde öffentlich herumgezeigt. Die Sexarbeiterinnen demonstrierten damit gegen "freiwillig erzwungene HIV-Tests". 

(howi)

 

25.07., 08:07 Uhr (MESZ) - Krieg gegen Drogen beenden!

Noch ein Thema, das hier erfreulich oft zur Sprache kommt: Der Krieg gegen Drogen ist gescheitert. Per Video zugeschaltet erklärte Sir Richard Branson von der Global Drug Commission, weder die drogen- noch die gesundheitspolitischen Ziele seien erreicht worden. Es sei an der Zeit Kriminalisierung und Bestrafung von Drogengebrauchern durch Behandlung und eine angemessene Gesundheitsversorgung zu ersetzen.

(howi) 

 

25.07., 07:50 Uhr (MESZ) - Kriminalisierung der HIV-Übertragung beenden!

Erfreulich: Das Thema Kriminalisierung der HIV-Infektion spielt hier eine große Rolle. Es war auf der Demo sehr präsent und es gab Veranstaltungen zu diesem Thema. Unter dem Titel "Beyond Blame" ("Jenseits von Beschuldigungen") fand eine Vorkonferenz zum Thema statt. 

Highlight der Vorkonferenz: Der amtierende Gesundheitsminister des Bundesstaates Victoria, David Davis, hat angekündigt, den Paragrafen 19a zu überprüfen, der die HIV-Übertragung unter Strafe stellt. Ein erster Schritt.

Die Strafbarkeit ist in Australien auf Landesebene geregelt. Auf Bundesebene gibt es ein System, das Ärzte zwingt, HIV-Positive den Behörden zu melden, wenn ihnen bekannt wird, dass diese ihre Partner nicht schützen. Eine Kommission verhängt dann Sanktionen, im Wiederholungsfall bis hin zu Hausarrest und Isolation.

Auch in Deutschland ist die (potenzielle) HIV-Übertragung strafbar. Damit wird die Verantwortung allein den Positiven zugeschrieben und die wichtigste Präventionsbotschaft geschwächt: Dass jeder Mensch selbst Verantwortung übernehmen muss. Mehr Informationen zur Situation in Deutschland

 (howi)

 

24.07., 00:52 UHr (MESZ) - Essen wie ein Weltmeister

Es gibt zwei Irrtümer auf der Konferenz: Zum einen der Glaube, dass man mit einem 15-Dollar Lunch-Gutschein weit kommt (erst recht nicht, wenn man als Vegetarier etwas gesundes und Nahrhaftes zu sich nehmen möchte). Zum anderen ist es ein Irrglaube, dass man beim Mittagessen sein Ruhe haben könnte. Als jemand, der die Fussball WM erfolgreich ignoriert hat, führe ich mit Brasilianern Fussball-Fachgespräche und werde als Weltmeister gefeiert oder ich lasse mir von einem asiatischem Konzertpianisten aus Sydney berichten,  wie trost- und perspektivlos die Aids-Konferenz 1993 in Berlin war...

(Frank)

 

24.07., 16:05 Uhr (MESZ) - Wo bleiben die positiven Kampagnen?

Ich habe mich doch tatsächlich mal getraut in eine Veranstaltung zu gehen, wo die HIV-Jugend von heute erfolgreiche Social-Media-Kampagnen im Bereich der HIV-Prävention und des Community Buildings vorstellt. Ich fühlte mich zwar in keinster Weise zu alt, aber nachdenklich gemacht hat die Veranstaltung mich schon. Wir haben in Deutschland im Bereich der Primärprävention zwar mit ICH WEISS WAS ICH TU eine sehr gute und erfolgreiche Kampagne, die den schwulen Mann als solchen anspricht, aber wo bleiben Kampagnen - ganz institutionsunabhängig - im Bereich der Sekundärprävention? Für HIV-Positive von HIV-Positiven? Fehlt es da an Mut, an Wille, Motivation und Engagement oder an Man-Power? Da bin ich ratlos. Ist die Not und der Druck nicht groß und bedrohend genug? Ich denke doch! Es gibt immer noch Stigmatisierung und Diskriminerung von HIV-Positiven, die ganze Lebensentwürfe zu Fall bringen. Immer noch stehen HIV-Positive mit einem Bein im Gefängnis, weil ihnen beim Sex die alleinige Verantwortung zugesprochen wird. Reicht die Verantwortung für das eigene Virus nicht aus?

(Frank)

 

24.07., 11:59 Uhr (MESZ) - Thema Drogengebrauch und HIV: vom Star zum Statisten?

Australien gehört zu den „Erfindern“ von Harm Reduction. Und wegen seiner geografischen Nähe zu Südostasien als einer der Hochprävalenzregionen in punkto HIV und Drogenkonsum gab es berechtigte Erwartungen, dass „Drogen“ zu den Topthemen der Internationalen Aidskonferenz in Melbourne gehören wird. Sie wurden enttäuscht.

Wie schon bei den vorangegangenen Konferenzen waren die internationalen Communities Drogen gebrauchender Menschen stark daran interessiert, auch in Melbourne ihre eigenen Themen wieder aktiv einzubringen. Doch fast alle der von ihnen eingereichten Abstracts hatten die Konferenzveranstalter abgelehnt. Das Internationale Netzwerk der Drogengebraucher INPUD sah sich daher veranlasst, die Sichtung und Bewertung der Abstracts in einem offiziellen Statement zu hinterfragen. Weil so viele eingereicht worden seien, habe man viele ablehnen müssen, so die lapidare Antwort.

Nun sind Drogengebraucher seit je erfinderisch. Also beschlossen sie, alle abgelehnten Abstracts zusammen mit Literatur und Filmen in der „Drug Use Networking Zone“  des Global Village zu präsentieren. Das Programm konnte sich sehen lassen und reichte für eine volle Woche mit je zwei Veranstaltungen am Vormittag und Nachmittag. Dort berichtete zum Beispiel Dirk Schäffer, Referent der Deutschen AIDS-Hilfe für Drogen und Strafvollzug, über die in Deutschland gemachten Erfahrungen mit der diamorphingestützten Behandlung und die Ergebnisse des Modellprojekts SMOKE IT.

Trotzdem bleibt zu fragen, warum die für das Konferenzprogramm Verantwortlichen das Thema Drogengebrauch derart randständig behandelten – wo doch weltweit der Anteil der auf diesem Weg erworbenen HIV-Infektionen bei 13 Prozent liegt und, klammert man Afrika aus, sogar jede dritte HIV-Infektion über intravenösen Drogengebrauch erfolgt! Die Situation in Südwest- und Südostasien mit einer HIV-Prävalenz von 28 Prozent bei intravenös Drogen Gebrauchenden wäre Grund genug gewesen, dem Thema die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

Dem Einfallsreichtum der Communities ist es zu verdanken, dass alle an „HIV und Drogenkonsum“ Interessieren sich zumindest in der „Networking Zone“ umfassend informieren konnten. Auch wenn es eigentlich nicht angehen kann, dass die weltgrößte HIV-Konferenz ein drängendes Problem ins Global Village „abschiebt“.

(Dirk Schäffer)

 

24.07., 09:10 Uhr (MESZ) - Die-Ins will never die: Aktion gegen hohe Preise bei neuem Hepatitis-Medikament

Aktivisten aus aller Welt haben mit einem Die-in gege die hohen Preise des neuen Hepatitis-C-Medikaments Sofosbuvir (Handelsname: Sovaldi) protestiert. Sie störten außerdem die Rede des hochrangigen Gilead-Vertreters Gregg Alton in einer Veranstaltung der Konferenz, indem sie das Podium stürmten und ihm eine Leber auf einem Silbertablett servierten. Dazu riefen Sie  "Pillen kosten Geld, Gier kostet Leben!" und "Pharma-Gier tötet!". Auf Schildern war unter anderem "Gilead tötet!" zu lesen. Nach der Aktion zogen die Aktivisten als Demonstration durch das Konferenz-Zentrum.

Sofosbuvir ist ein wichtiges neues Hepatitis-C-Medikament, das auch Patienten hilft, bei denen andere Therapien versagt haben. Es ermöglicht außerdem eine wesentlich kürzere Hepatitis-Therapie mit sehr viel weniger Nebenwirkungen.

In den USA koste das Medikament 1.000 Dollar am Tag, heißt es in der Pressemitteiug der Aktivisten, in anderen Ländern sei es ähnlich teuer. Die Begründung der Pharma-Firma: Die teure Entwicklung der Substanz müsse sich rechnen, zudem erspare man mit diesem Medikament den Gesundheitssystemen erhebliche Kosten. So ließen sich zum Beispiel viele teure Lebertrasnplantationen vermeiden.

Die Aktivisten widersprechen vehement: "Die meisten Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus haben noch nicht einmal die Diagnose bekommen und keine Chance auf eine Spenderleber." Gilead habe bereits 3 Milliarden Dollar mit dem Medikament eingespielt. In vielen Ländern sei es  aufgrund des hohen Preises nicht verfügbar, sogar in reichen Ländern seien die aufgerufenen Preise unerschwinglich.

"Überzogene Preispolitik tötet, egal ob es um HIV, Hepatitis oder Krebs geht", sagt Edo Agustian, ein indonesischer Aktivist, der HIV- und HCV-positiv ist.

(howi)

 

24.07., 05:54 Uhr (MESZ)  - Arschtritte von Sir Bob Geldof

Der Satz des Tages lässt sich nicht ins Deutsche übertragen. „You can’t fuck around with your political promise!“ So deutliche Worte spricht Sir Bob Geldof hier auf der Konferenz im noch laufenden Interview mit einem australischen Fernsehjournalisten.

Geldof wählt bewusst eine mehr als klare Sprache gegenüber Australien, dem Gastgeberland der Konferenz: Man habe die eigenen Zusagen für Entwicklungshilfe nicht eingehalten. "Die Australische Regierung hat mit diesem Versprechen den Willen des Volkes zum Ausdruck gebracht. Es war ein Versprechen an die ärmsten dieser Welt", insistiert er. Die australische Wirtschaft nehme durch die Ausbeutung afrikanischer Minen sehr viel mehr Geld ein, als sie für die Entwicklungshilfe eingeplant habe.

Bob Geldof ist hier, um den Zusammehang zwischen Armut und HIV zu verdeutlichen und die reichen Länder zu mehr Engagement zu bewegen. Es sei nicht hinnehmbar, wenn "auf den letzten Metern" nicht getan werde, was möglich sei.

Er erzählt von einer Sexarbeiterin im Kongo, die ihm in den frühen Jahren der Aids-Zeit erzählte, dass sie ohne Kondom mit Fernfahrern schlief. "Was soll ich machen", habe sie gesagt, "ich muss meine Kinder ernähren." - "Das Kalkül der Armut ist brutal", sagt Geldof, "'Ich muss mit diesem Mann vögeln um meine Kinder zu ernähren, und das wird mich umbringen.' Sie können deren Probleme nicht mit ihren Schwierigkeiten hier vergleichen."

Geldofs Message: „Das Ende der Armut können wir genauso herbeiführen wie das Ende von Aids – es liegt an uns!“

(howi)

 

24.07., 02:33 Uhr (MESZ) Unsere Emy im Handelsblatt!

Eine Journalistin von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) schrieb hier im Presse-Zentrum folgende Sätze: "Prostitutierte stehen bei der Welt-Aids-Konferenz im Rampenlicht wie nie zuvor. In diesem Jahr widmet die medizinische Fachzeitschrift "Lancet" dem Thema zur Konferenz ein ganzes Heft."

Der Text trägt die Überschrift "Sexarbeiterinnen mischene Aids-Tagung auf" und erzählt auch die Geschichte von Emy Fem, die als Community-Vertreterin zu unserer Community-Delegation gehört und sich für die Rechte von Sexarbeiterinnen stark macht. Ein Foto zeigt Emy in graziler Seitenlage vor einem Transparent mit der Aufschrift "No bad whores, just bad laws" ("Nicht die Huren sind schlimm, sondern die Gesetze"). 

Der dpa-Text wurde von vielen deutschen Zeitungen gedruckt, unter anderem - man beachte die feine Ironie - im Handelsblatt. Wir sind stolz auf unsere Emy!

(howi)

 

23.07., 11:59 Uhr (MESZ): Hello, Mr. President!

Es ist der vierte Tag der Konferenz und ich kann bestätigen, dass es nicht Ungewöhnliches ist, mit Menschen in wichtigen Positionen ins Gespräch zu kommen. So fährt man zum Beispiel mit dem Gesundheitsminister von Nepal gemeinsam Tram oder trinkt mit Entscheidungsträgern vom Globalen Fonds Kaffee, während man gemeinsam in irgendeiner Schlange steht. Ganz selbstverständlich. Aber dem ehemaligen US Präsidenten Clinton quasi vor die Füße zu fallen, war dann doch ein einmaliges Erlebnis :-) Er hat in seiner Ansprache das Rad nicht neu erfunden, aber es hatte wohl was Symbolisches. Das wirklich Entscheidende bei all dem ist aber, dass man in Sachen HIV und Aids einer Meinung ist. Egal, wo man herkommt und was man ist.

(Frank)

 

23.07., 11:22 Uhr (MESZ) - Reclaim the Streets

Auf der gestrigen Demonstration unter dem Motto „Working Together – Stronger Together“ haben nur noch Schnee und Glühwein gefehlt. Es war bitterkalt. Aber es hat sich gelohnt und war durchaus beeindruckend. Hunderte von Menschen aus aller Welt treten für die Entkriminalisierung von HIV-Positiven ein, fordern uneingeschränkte Menschenrechte für Alle und zeigen einfach nur Solidarität mit Menschen, die jenseits einer auch immer von wem auch immer festgelegten Norm leben. Gänsehaut-Feeling.

(Frank)

PS: Sobald wir eine Hand frei haben, laden wir Demo-Fotos hoch!

 

23.07., 08:01 Uhr (MESZ) - Diskriminiert, verhaftet, infiziert

"Wo arbeiten Sie?" - "Australian Broadcasting Corporation." - "Arbeiten dort Trans*-Menschen?" - "Nein." - "Sie sollten welche einstellen!"

Ein Dialog aus einer äußerst lebhaften Pressekonferenz zum Thema Stigmatisierung und Diskriminierung vor ein paar Minuten - als Beispiel dafür, wie benachteiligt Trans*-Menschen im Alltag sind. Sie selbst habe deswegen als Sexarbeiterin Geld verdient, sagt die indische Aktivistin Abhina Aher auf dem Podium.

Trans*-Menschen hätten ein höheres HIV-Risiko und müssten dringend als eigene Zielgruppe der Prävention betrachtet und einbezogen werden, nicht als Teil der Gruppe "Männer, die Sex mit Männern" haben, denn sie seien in einer völlig anderen Situation.

Die Sozialwissenschaftlerin Megan McLemmore erklärte: Die Hälfte der Neuinfektionen betreffe wenige diskriminierte Gruppen wie Männer, die Sex mit Männern haben, Drogenkonsumenten, Menschen im Gefängnis und Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter. "Das ist kein Zufall! Wir werden die Epidemie nicht beenden, ohne Menschenrechte wiederherzustellen und zu schützen."

Dazu passen Erläuterungen von Wissenschaftlern und Aktivisten aus Russland, Nigeria und Australien: Ihre Untersuchungen und Erfahrungen belegen: Wo Männer, die Sex mit Männern haben, kriminalisiert werden, haben sie einen schlechteren Zugang zu Prävention und zum Gesundheitssystem. Viele gehen aus Angst nicht zum Arzt, wenn sie krank werden. 

Zum Ausmaß dieses Problem konnte der australische Forscher Brent Allen eine imposante Zahl nennen: Weltweit gerechnet, wurde jeder zwöfte Mann, der Sex mit Männern hat, schon einmal verhaftet.

(howi)

 

23.7., 06:41 Uhr - Bill Clinton fordert bessere Diagnostik und Behandlung - vor allem für Kinder

Guten Morgen, Deutschland! Hier in Australien ist es jetzt kurz vor drei. Gerade hat Bill Clinton gesprochen. Der ehemalige US-Präsident engagiert sich seit vielen Jahren mit seiner Clinton Global Initiative, Teil der Clinton Foundation, gegen HIV und Aids.

In seiner Rede betonte er die internationale Verantwortung in einer globalen Welt. Zum Konferenzmotto „Stepping up the pace“ („Einen Gang höher schalten“) sagte er: „Wir haben bereits bewiesen, dass es möglich ist, Aids zu beenden. Aber es gibt auch viele Entschuldigungen, die vorgebracht werden, um die Anstrengungen zu verlangsamen.“

Clinton unterstrich, was auf dieser Konferenz immer wieder gesagt wird: „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen mit HIV von ihrer Infektion erfahren und behandelt werden, damit sie nicht krank werden. Dafür brauchen wir die besten Medikamente und Diagnosemittel.“

Ein Mangel an HIV- und Viruslasttests in ärmeren Ländern wird hier immer wieder als großes Hemmnis beschrieben. Teilweise fehlt es auch an Einrichtungen, um Menschen zu testen und zu behandeln.

Einen Schwerpunkt legte Clinton auf die Behandlung von Kindern. Bei vielen werde die Infektion nicht oder zu spät festgestellt. Die medizinische Versorgung HIV-positiver Kinder hinke der von Erwachsenen hinterher. Nötig seien auch mehr spezielle Präparate. Stillende Mütter müssten besser betreut und behandelt werden, um Infektionen zu verhindern.

Clintons Rede wurde von einer Demonstration gestört. Aktivistinnen und Aktivisten fordern eine „Robin Hood Tax“, eine Finanztransaktionssteuer zugunsten von Maßnahmen gegen HIV und Aids weltweit. Clinton solle dieses Projekt unterstützen, habe sich aber bisher nicht geäußert, erklärte einer der Aktivisten gegenüber aidshilfe.de.

(howi)

 

22.07., 14:25 Uhr (MESZ) - Keine Angst vor Huren!

Auch das gehört zu so einer Konferenz: Die SD-Karte im Fotoapparat gibt den Geist auf - und ein paar der schönsten Bilder sind erstmal weg. Dabei hat Emy Fem so toll performt!

Emy ist Sexarbeiterin und Künstlerin und gehört unserer Delegation hier in Melbourne  als Community-Vertreterin an. Sie war bei der Vor-Konferenz zum Thema Sexarbeit, macht Aktionen mit der enorm aktiven australischen Sexworker-Organisation Scarlett Alliance und erzählt an unserem Stand ihre eigene Geschichte aus unserer "Wussten Sie eigentlich?"-Kampagne (Motto: "Fairtrade gibt's auch bei Blowjobs." beziehgungsweise "A blowjob doesn't have to suck.") Damit tritt Emy gegen "Hurenphobie" und für Respekt gegenüber Sexarbeiterinnen ein. 

Heute war sie mit einer Spoken-Word-Performance auf der Bühne im Global Vilage. Immerhin: Den Text und einige Bilder von Emys Performances gibt es auf ihrer Homepage.  

Die SD-Karte haben wir einem hier beim technischen Support abgegeben, vielleicht wird's ja noch was mit den Fotos. 

(tg/howi)

 

22.07., 07:12 Uhr (MESZ) - Wann kommt die Heilung

Heilung ist eines der großen Themen dieser Welt-Aids-Konferenz. Ein dänischer Forscher stellt in diesen Minuten eine ermutigende Studie zur "Kick and Kill"-Strategie vor. Es ist offenbar erstmals gelungen, HIV-Reservoire im Körper in größerem Umfang zu leeren. Doch zum Ziel wird am Ende voraussichtlich nur eine Kombination verschiedener Ansätze führen. Wir berichten darüber im DAH-Blog.

 

22.07., 15:20 Uhr (MESZ) - Klare Worte - Unsere Geschäftsführerin im Morgenmagazin

Am einen Ende der Welt hat heute unsere Geschäftsführerin Silke Klumb im ZDF-Morgenmagazin ein tolles Interview über die Konferenz am anderen Ende gegeben. Zentraler Satz: "Diskriminierung behindert die Prävention wirklich sehr!" Bitte angucken!  

 

10:32 Uhr (MESZ) - Zugang zu Therapie - woran scheitert es?

Woran liegt es eigentlich, dass mehr als sechs Millionen Menschen weltweit keine HIV-Therapie bekommen, obwohl sie die Medikamente dringend brauchen? Nur am Geld? Nach der Pressekonferenz von Ärzte ohne Grenzen (MSF, siehe vorheriger Ticker-Eintrag) fragten wir Baikong Mamid von MSF-Südostasien.

Ein Grund ist tatsächlich das Geld für die Medikamente. „Manche Länder vermeiden sogar, die Laborwerte in Therapieempfehlungen so zu verändern, dass mehr Menschen für eine Therapie in Frage kommen, weil sie wissen, dass sie nicht genügend Medikamente hätten“, sagt die Expertin.

Doch das ist nur ein Aspekt. Ein weiterer: „Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie HIV-positiv sind, weil es keine guten Testangebote für sie gibt oder weil sie aus Angst vor Diskriminierung nicht zum Test gehen.“ Bei anderen wissen die Ärzte nicht, dass die Patienten eine Therapie benötigen, weil die Mittel fehlen, um die Viruslast oder die Zahl der CD4-Zellen im Blut zu bestimmen. Aus diesem Grund merken die Behandler oft auch nicht, wenn eine Therapie nicht mehr funktioniert. Die Patienten werden dann irgendwann schwer krank, manche sterben. Daher die Forderung der Fachwelt, Diagnosemittel überall erschwinglich zu machen (siehe vorheriger Ticker-Eintrag).

Nicht zuletzt gehen viele Patienten zwischen Diagnose und Therapiebeginn verloren. Dieser Zeitraum kann Jahre dauern, und nicht alle verstehen, dass sie erst ab einem gewissen Punkt eine Therapie benötigen und beenden die Behandlung. Andere gehen aufgrund der Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen ungern in Behandlungszentrum – sie fürchten, erkannt zu werden.

Es gibt aber Möglichkeiten, Menschen vom Sinn regelmäßiger Checks zu überzeugen und sie an die Behandlungsangebote zu binden. „Hilfreich sind zum Beispiel Maßnahmen zur Prophylaxe anderer Krankheiten, die unmittelbar ihrer Gesundheit dienen“, sagt Baikong Mamid.

(howi)

 

21.7., 08:39 Uhr (MESZ) - Therapie und diagnostische Mittel für alle, die sie brauchen

Beim Zugang zu HIV-Therapien hat es in den letzten Jahren enorme Zuwächse gegeben. Mittlerweile erhalten 14 Millionen Menschen weltweit HIV-Medikamente. Doch mehr als 6 Millionen brauchen dringend eine Therapie und erhalten sie nicht. Wo die Präparate verfügbar sind, sind es oft nicht die besten und oft ist die Versorgungslage nicht stabil. Therapien für Menschen, bei denen die Standardkombinationen aufgrund von Resistenzen nicht mehr wirken, sind oft viel zu teuer.

Ein wichtiges Thema auf dieser Konferenz ist außerdem die Verfügbarkeit von diagnostischen Mittel wie HIV-Tests oder Viruslasttests, die für die Therapie eine wichtige Rolle spielen. Viele Länder und HIV/Aids-Programme können sich solche Tests nicht leisten. UNAIDS-Geschäftsführer Michel Sidibé hat deswegen bei der Eröffnung der Konferenz Viruslasttests für 5 Dollar weltweit gefordert.

Auch Ärzte ohne Grenze hat gerade eben in einer Pressekonferenz Preissenkungen gefordert. Man setzt unter anderem auf Verhandlungen mit den Herstellern, fordert aber zugleich Organisationen wie den Globalen Fonds oder PEPFAR auf, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Es gebe zudem Möglichkeiten, die Kosten durch andere Maßnahmen zu reduzieren, so zum Beispiel durch den Einsatz von HIV-Tests mit getrockneten Blutstropfen, die weniger Aufwand benötigen.

Es gilt also auch in diesem Bereich das Konferenzmotto „Stepping up the Pace“ („Einen Gang hochschalten“): Es geht darum, bereits verfügbare Therapien und Mittel allen Menschen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen. Die Botschaft in drei Worten: Es ist möglich.

(howi)

 

20.7., 15:33 Uhr (MESZ) - Ein Witz auf Brasiliens Kosten

Es wird auch wieder gelacht, trotz allem. 

Folgendes trug sich heute Nachmittag im "Global Village" zu: Eine Frau mittleren Alters nähert sich unserem Stand, an dem ein Schild darauf hinweist, dass wir aus Deutschland kommen. "Ich hab einen Witz auf Lager", sagt sie auf Englisch, "und ich weiß: Euch kann ich den erzählen."

Fragende Blicke.

"Ich war gerade drüben am brasilianischen Stand." Sie zückt ihr Handy und zeigt ein Foto. "Dort haben sie diesen riesigen ,Brasil'-Schriftzug, der ist komplett mit Kondomen beklebt!" - Kunstpause. - "Es gibt also doch etwas, wogegen sie eine gute Abwehr haben!"

Coup gelungen, wir müssen lachen.

"Ich wusste, euch kann ich den erzählen. Für die Brasilianer ist es noch zu früh". Spricht's und verschwindet zwischen den Ständen des Global Village.

(howi)

 

20.7., 15:12 Uhr (MESZ) - "Jetzt erst recht!" - Die Konferenz ist eröffnet

Der australische Vize-Premierminister Waren Truss hat am Abend des ersten Tages die 20. Internationale Aids-Konferenz offiziell eröffnet. Er vertrat den Premier Tony Abbot, der zugesagt hatte, aufgrund des Flugzeugabschusses in der Ukraine verhindert war.

In einer stimmungsvollen Eröffnungsveranstaltung gelang den Veranstaltern von der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) und den Rednerinnen und Rednern die Gradwanderung zwischen Gedenken und Aufbruchsstimmung, zwischen Innehalten und mitreißenden Worten. Moderator James Chau brachte die Stimmung auf den Punkt: „Jetzt erst recht!“

Besonders bewegend der Moment, als IAS-Präsidentin und HIV-Mitentdeckerin Francoise Barré-Sinoussi Freunde und Kollegen der sechs Menschen auf die Bühne bat, die auf dem Weg zur Konferenz durch den Flugzeugabschuss getötet wurden. Nach einer Schweigeminute widmete sie die 20. Internationale Aids-Konferenz den Passagieren des Fluges MH17, die auf dem Weg nach Melbourne ihr Lieben verloren.

Die meisten Rednerinnen und Redner nahmen Bezug auf die Tragödie und schlugen dann die Brücke zu den Zielen der Konferenz, denen auch die Opfer des Flugzeugabschusses verbunden gewesen seien:

„Lasst uns der Welt zeigen, dass weder Gewalt noch Hass uns stoppen können“, sagte Kongress-Vize-Präsidentin Sharon Lewin.

Die Australierin betonte, dass  HIV-Prävention nur gelingt, wenn die besonders stark betroffenen Gruppen „als Partner auf Augenhöhe“ einbezogen werden: „In jeder Schlüsselgruppe, wo dieser Ansatz umgesetzt wurde, findet man die niedrigsten HIV-Infektionsraten.“

Angesichts von 14 Millionen Menschen, die mittlerweile eine HIV-Therapie erhalten sagte sie: „Wir haben enorme Fortschritte gemacht, aber das ist nicht genug. Wir müssen jetzt einen Gang höher schalten!“ (Eine Bezug zum Kongressmotto „Stepping up the Pace“.)

UNAIDS-Direktor Michel Sidibé knüpfte hier nahtlos an. Er hatte sich in den letzten Tagen schon warm geredet und war nun gut in Fahrt. Zentrale Sätze seiner Rede:

HIV-Therapie alleine wird uns nicht auf den Gipfel des Berges bringen. Wir brauchen neue Instrumente der Prävention für diejenigen, die bisher zurückgelassen werden.“

„Die öffentliche Heuchelei über Sexualität muss aufhören.“

„Wir müssen unsere Reise mit einem finalen Sprint beenden!“

Eine Demonstration, die zu Beginn seiner Rede vor die Bühne zog, bezog er souverän mit ein, indem er sich eines der Schilder reichen ließ. Darauf stand: „AIDS will only end if ... the Global Fund is funded fully.“ Sidibés Kommentar: „Wir wissen, dass wir mehr tun müssen. Danke für euren Kampf. Ohne euch wären wir nicht so weit wie wir sind.“

Den meisten Beifall bekam dann auch junge HIV-positive Frau aus Indonesien, Ayu Oktariani, die gemeinsam mit anderen Community-Vertretern verschiedener Herkunft und Religionszugehörigkeit auf die Bühne kam. Sie gehört dem Vorstand des Netzwerkes Positiver Frauen in Indonesien an.

Sie sei HIV-positiv, weil sie nicht genug gewusst habe über HIV und Schutz, erzählt Ayu. Einen HIV-Test habe man sie dann ohne ihre Eltern nicht machen lassen, da habe sie sich ihrer Selbstbestimmung beraubt gefühlt. Ihr Appell: „Weil wir stigmatisiert werden, müssen wir überall mit einbezogen werden! Ich rufe alle jungen Menschen mit HIV und diejenigen, denen wir nicht egal sind, dazu auf, eine bessere Welt aufzubauen, in der Menschen mit HIV mit Respekt behandelt werden.“

In einem waren sich alle einig an diesem Abend: Stigma und Diskrimierung sind die größten Hindernisse. Während die einzelnen Veranstaltungen der Welt-Aids-Konferenz teilweise das Medizinische überbetonen, legte die Eröffnung – bei der noch viele weitere Redner sprachen – den Schwerpunkt aufs Politische. Wer die Linie gegen Ausgrenzung unterstüzen möchte, kann die Melbourne-Deklaration unterzeichnen.

Welche Taten den großen Worten folgen müssen, klang in der Eröffnung bereits an und wird in den folgenden Tagen präzisiert werden.

Heute ging es vor allem um den hoffnungsvollen Einstieg in eine Konferenz, die mit einer Tragödie begann. „Ich weiß, es gibt viele Hindernisse“, sagte Michel Sidibé. „Lasst uns das alles tun im Gedenken an diejenigen, die jetzt gestorben sind. An die vielen, die bereits an Aids gestorben sind. Und für die vielen, die mit HIV leben.“

(howi)

 

20.7., 8:00 Uhr (MESZ) - "Propaganda gegen sexuelle Rechte bekämpfen!"

Im Vorfeld der 20. Internationalen Aids-Konferenz haben zahlreiche Vorkonferenzen stattgefunden zum Beispiel zur Heilung der HIV-Infektion, zum Thema Sexarbeit und zur Prävention für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). In Sydney fand eine internationale Konferenz indigener Bevölkerungsgruppen statt, die unter anderem von australischen Aborigines organisiert wurde.

DAH-Schwulenreferent Dirk Sander hat die MSM-Konferenz besucht. Dort sagte UNAIDS-Direktor Michel Sidibé:

"Es ist ungeheuerlich, dass wir im 20. Jahrhundert immer noch Bigotterie, Ausgrenzung, Vorurteile, Ablehnung und Kriminalisierung gegen sexuelle Minderheiten erleben. In 81 Ländern gibt es Gesetze gegen Sex zwischen Männern. In sieben Ländern sogar die Todesstrafe. Wir müssen die Propaganda gegen sexuelle Rechte mit Wissenschaft bekämpfen!"

(ds/howi)

 

20.7., 00.00 Uhr (MESZ) - Trotz allem: Die Konferenz beginnt

Der Abschuss des Fluges MH17 hat viel durcheinandergebracht. Auch dieser Ticker startet später als geplant. Über das tragische Geschehen im Vorfeld der Konferenz haben wir auf aidshilfe.de gesondert berichtet:

MH17: Im Flugzeug starben auch Teilnehmer der Welt-Aids-Konferenz

MH17: Internationale Aids-Gesellschaft bestätigt sechs Opfer

Bereits am Dienstag haben wir eine Pressemitteilung zur Konferenz veröffentlicht. 

Die Delegation der Deutschen AIDS-Hilfe hat gestern den Stand im Global Village aufgebaut. Mittlerweile können wir uns auch freuen, dass die Konferenz begonnen hat. Es ist schön, so viele Menschen zu treffen, die für die gleichen Ziele eintreten wie wir, sich kennenzulernen und etwas über die Arbeit anderer zu erfahren. Über einiges, was wir hier erleben, werden wir in diesem Ticker berichten.

Zugleich sind wir immer noch schockiert und traurig über den Verlust unserer Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die in dem Flugzeug saßen, und beschäftigen uns mit vielen Fragen, die mit dem Unglück zusammenhängen. Wir reden viel miteinander und mit anderen, denen es genauso geht wie uns. Einige habe enge Freunde verloren. Es sind auch Menschen hier, die ursprünglich den Flug MH17 nehmen wollten, dann aber noch umgebucht haben. Wir erleben Trauer und die Aufbruchsstimmung, die mit dem Beginn einer solchen Konferenz verbunden ist, gleichzeitig. Es ist schwer, das alles zu begreifen.

Das australische Fernsehen berichtet den ganzen Tag und online verfolgen wir natürlich auch die deutschen Medien. Unser Pressesprecher Holger Wicht hat zahlreiche Interviews für deutsche und australische Medien gegeben.

Aus Deutschland erreichen uns Fragen nach unserem Wohlergehen, die wir natürlich schnellstmöglich beantworten.

Die Konferenzveranstalter haben gestern Nachmittag ein Kondolenzbuch ausgelegt und eine Beratungshotline für Angehörige eingerichtet.

Wir haben bereits gestern Mittag ein kleines Zeichen setzen wollen und haben am Eingang zum Kongressgebäude einige Blumen abgelegt und Kerzen angezündet. RTL hat uns dabei gefilmt, für einen Bericht in Explosiv am Samstag.

Die Blumen sieht nun jeder, der durch den Haupteingang das Konferenzgelände betritt. Manche Konferenzteilnehmer bleiben dort einen Moment stehen, heute morgen hat ein Mann mit Gitarre sich daneben gesetzt und für den Frieden gesungen.

(rs/howi)