JES und Deutsche Aidshilfe trauern um die Aktivistin Janka Kessinger

Am Sonntag, dem 13. Dezember 2020, verstarb Janka Kessinger an den Folgen eines Herzanfalls. Sie war seit 2010 Mitglied bei JES (Junkies, Ehemalige uns Substituierte), seit 2012 Koordinatorin der JES-Gruppen in Süddeutschland und bis zu ihrem Tod langjährige JES-Vorständin.

Bereits kurz zuvor hatte sie einen Herzstillstand erlitten, doch den Zwischenfall, wie es schien, ohne erkennbare körperliche Schäden überlebt. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus vor gut einer Woche hatte sie sogar an der JES-Mitgliederversammlung teilgenommen.

„Mit Janka Kessinger verliert unsere Gemeinschaft eine wichtige und zentrale Person, die wir nie vergessen werden“, würdigt der JES-Bundesverband seine Mitstreiterin.

Grenzüberschreitendes Engagement für Diamorphin-Behandlung

Janka war als Rechtsanwaltsgehilfin tätig und lebte mit ihrem Mann, ebenfalls JES-Mitglied, dicht an der deutschen Grenze in der Schweiz. Nur dort war ihr früher die Behandlung mit Diamorphin möglich, also mit pharmazeutisch hergestelltem Heroin.

In ihrer Freizeit engagierte sie sich bei JES und nahm lange Bahnfahren aus der Schweiz in Kauf, um bei Treffen im Bundesgebiet mit dabei sein zu können.

Besonders am Herzen lag Janka Kessinger die Ausweitung des Diamorphin-Programms, denn sie selbst war erst mit Diamorphin von ihrer Sucht losgekommen.

Erstmals mit Drogen in Kontakt gekommen war sie mit 18 Jahren. Zwei Jahrzehnte lang bestimmten dann die Finanzierung, Beschaffung und damit verbunden auch Gefängnisaufenthalte ihr Leben, immer wieder begab sie sich in Therapien und Entzugskliniken.

Aktivistin für ein menschenwürdiges Leben für Drogengebraucher_innen

Ihre Erfahrungen in der Schweiz waren für sie Ansporn, auch in Deutschland die Situation für Drogengebraucher_innen zu verändern.

„Es gibt immer noch viel zu tun, damit Junkies, Ehemalige und Substituierte ein menschenwürdiges Leben führen können!“, formulierte Janka Kessinger es in einer Selbstdarstellung auf den Seiten des JES-Bundesverbandes.

Janka sei zu einem festen Bestandteil des JES-Netzwerks und dieser kleinen Gemeinschaft geworden, heißt es im Nachruf des Bundesverbandes.

„So werden wir Janka auch in Erinnerung behalten – als Drogengebraucherin, die sich offen für die Veränderung der Lebensbedingungen Drogen gebrauchender Menschen einsetzte und mit hohem persönlichem Engagement ihren Aufgaben gerecht wurde.“

(ascho)

Link zum Nachruf auf den Seiten des JES-Bundesverbands