Auch die Neuauflage des Sammelbandes präsentiert wieder aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen zu Themen, die für Drogen gebrauchende Frauen und Männer wichtig und in der Drogen- und Aidshilfearbeit eine zentrale Rolle spielen. Einerseits wird dabei deutlich, dass wir in den vergangenen 20 Jahren viel erreicht haben. Beispiele dafür sind die Substitution mit Methadon, Polamidon, Buprenorphin und Diamorphin, die Abgabe steriler Spritzbestecke oder Drogenkonsumräume. Für gute, innovative Praxis stehen aber auch der Einsatz von Naloxon durch medizinische Laien, KISS-Programme, das Modellprojekt „Test it“ oder Drug-Checking-Angebote. Andererseits verweisen die Beiträge auch auf Defizite, wie etwa im Justizvollzug: Dort hat sich, was die draußen gültigen Standards der Infektionsprophylaxe und Suchtmedizin angeht, bisher nur wenig bewegt.
Die Fortschritte in der akzeptierenden Drogenarbeit sichtbar machen und dazu ermutigen, noch nicht Erreichtes engagiert anzugehen – dazu will dieses Handbuch beitragen. Es gilt, bei den politisch Verantwortlichen dringend nötige Verbesserungen im Arbeitsfeld Drogen, HIV/Aids und Hepatitis einzufordern und auch in der eigenen Arbeit Vorstöße zu wagen, die bei Drogen gebrauchenden Menschen zu einem Mehr an Gesundheit beitragen. Angesichts der erheblichen gesundheitlichen und sozialen Probleme, die einer prohibitiv orientierten Drogenpolitik geschuldet sind, plädiert das Handbuch zugleich für eine evidenzbasierte Drogenpolitik, die eine umfassende strategische Neuorientierung erfordert.
(unveränderter Nachdruck der 2. Auflage vom Mail 2011)
