Blutspendeverbot für schwule und bisexuelle Männer

Aktualisierung am 7.8.2017: Die Bundesärztekammer hat neue Richtlinien vorgelegt. Demnach dürfen schwule und bisexuelle Männer Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten. Pressemitteilung der Deutschen AIDS-Hilfe: "Lockerung beim Blutspendeausschluss schwuler Männer ist nur Kosmetik"

Der nachfolgende Text bezieht sich auf die bisherige Situation. 

Der pauschale Ausschluss schwuler und bisexueller Männer von der Blutspende ist nicht mehr zeitgemäß. Ausschlaggebend sollten tatsächliche HIV-Risiken sein. Diese vor der Spende abzufragen ist jedoch schwierig. Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert die Verantwortlichen dazu auf, in ihrem Bemühen nach einem besseren Verfahren nicht nachzulassen. Der Ausschluss bei Knochenmark- und Stammzellspenden sollte umgehend aufgehoben werden.

Männer, die Sex mit Männern haben oder einmal hatten, dürfen in Deutschland kein Blut spenden. Alle potenziellen Spender werden befragt, ob sie zu dieser oder einer anderen Gruppe gehören, die statistisch ein hohes HIV-Risiko hat („freiwilliger Selbstausschluss“).

Dieses Vorgehen wird immer wieder als Diskriminierung kritisiert. Der Arbeitskreis Blut am Robert-Koch-Institut, dem Experten zahlreicher Organisationen angehören, befasst sich deswegen schon seit einiger Zeit mit Alternativen. Der Europäische Gerichtshof hat 2015 geurteilt, das ein Ausschluss rechtens sein kann, wenn man das Risiko einer HIV-Übertragung nicht mit anderen Mitteln ausschließen kann.

Die Deutsche AIDS-Hilfe begrüßt das Bemühen um eine Lösung, die schwule und bisexuelle Männer nicht pauschal ausschließt, sondern bei der reale HIV-Risikosituationen ausschlaggebend sind. Wir fordern die Verantwortlichen dazu auf, in diesem Bemühen nicht nachzulassen. Der dauerhafte Ausschluss aller Männer, die irgendwann einmal Sex mit einem Mann hatten, ist nicht mehr zeitgemäß.

„Freiwilliger Selbstausschluss“

Die Befragung nach realen Risiken gestaltet sich dabei aber offenbar schwierig, weil manche Menschen nicht bereit sind, detailliert Auskunft über ihr Sexualleben zu geben. Ein alternatives Verfahren hat sich nach Informationen des Robert-Koch-Instituts und der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2013 in der Erprobung nicht bewährt: Manche Spender und Spendedienste akzeptierten den Fragebogen nicht.

Der „freiwillige Selbstausschluss“ durch eine Befragung ist wichtig, denn bei den Tests von Blutspenden auf HIV wird ein kleiner Teil HIV-infizierter Blutspenden nicht erkannt. Der Grund: Nach der Infektion dauert es einige Zeit, bis HIV im Blut nachweisbar ist. Zwar werden heute auch sogenannte PCR-Tests eingesetzt, die das Virus früher nachweisen können als die sonst üblichen Tests auf Antikörper. Doch auch bei PCR-Tests bleibt eine Lücke von etwa ein bis zwei Wochen.

Hohe Sicherheit von Blutspenden

Die Kombination dieser Tests mit dem „freiwilligen Selbstausschluss“ sorgt dafür, dass Blutprodukte in Deutschland sehr sicher sind. In Deutschland kommt etwa eine HIV-infizierte Blutspende pro Jahr in Umlauf, das Risiko einer unerkannt HIV-infizierten Spende beträgt 1:5,3 Millionen.

Die Herausforderung für die Experten vom Arbeitskreis Blut besteht nun also darin, diese Sicherheit bei einem neuen Verfahren aufrechtzuerhalten. Die Blutspende einfach auch für schwule Männer zu öffnen, ist leider nicht möglich, weil schwule Männer statistisch ein deutlich höheres HIV-Risiko haben.

Manchmal wird gefordert, die Blutspende allen zu ermöglichen, die angeben, nur „Safer Sex“ gehabt zu haben. Dies wäre aber ein unzulängliches Verfahren, denn viele Menschen können HIV-Risiken nicht richtig einschätzen. Außerdem bleibt auch bei Safer Sex ein Restrisiko, das bei schwulen Männern höher ist, eben weil es in dieser Gruppe mehr Menschen mit HIV gibt.

Auch die Angabe, dass jemand in einer monogamen Beziehung lebt, ist nicht immer verlässlich.

Regelungen in anderen Ländern

Mehrere andere Länder haben bereits Veränderungen vorgenommen. In England und Frankreich zum Beispiel dürfen schwule Männer Blut spenden, wenn sie ein Jahr keinen Sex mit einem Mann hatten – womit die meisten weiterhin ausgeschlossen bleiben.

Knochenmark- und Stammzellenspende

Überhaupt nicht mehr angemessen ist der Ausschluss schwuler Männer von der Knochenmark- und Stammzellenspende. Hier kann über Leben und Tod entscheiden, ob es einen passenden Spender gibt. Ist dieser gefunden, bleibt genug Zeit für ausführliche Gespräche und Blutuntersuchungen. Darum sollte der Ausschluss in diesem Bereich sofort aufgehoben werden.

(Stand: 28.6.2016)

Gesundheitsministerkonferenz fordert ende des Blutspendeverbots für Schwule

Informationen zum Grundsatzurteil des EuGH

Frankreich lockert Blutspendeverbot für schwule Männer