HIV ist relativ schwer übertragbar. Im Alltag kann das Virus nicht übertragen werden. Eine Ansteckung ist nur möglich, wenn Viren in ausreichender Menge in den Körper gelangen. Das passiert vor allem beim Sex oder Drogenkonsum. Vor einer Übertragung kann man sich gut schützen.

Das Wichtigste zur HIV-Übertragung in Kürze

  • Im Alltag ist HIV nicht übertragbar: auch nicht beim Küssen, Anhusten oder Benutzen derselben Toilette.
  • Am häufigsten wird HIV beim Vaginal- oder Analverkehr übertragen. Davor schützen Kondome und Femidome, Schutz durch Therapie und die PrEP.
  • Bei einer erfolgreichen HIV-Therapie ist das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar. HIV kann dann selbst beim Sex nicht übertragen werden.
  • Ein hohes HIV-Risiko besteht beim gemeinsamen Benutzen von Spritzen und Nadeln beim Drogenkonsum. Davor schützt Safer Use.
  • Während der Schwangerschaft, bei der Geburt und beim Stillen kann eine HIV-Übertragung auf das Baby verhindert werden.

Wann besteht ein HIV-Risiko?

HIV gehört zu den schwer übertragbaren Krankheitserregern. Im Alltag, in der Freizeit, bei der Arbeit oder beim Sport kann das Virus nicht übertragen werden.

Ein HIV-Risiko besteht nur, wenn Körperflüssigkeiten, die eine große Menge Viren enthalten, in den Körper gelangen:

  • beim Sex: über die Anal- und Vaginalschleimhaut, die Schleimhaut am Gebärmutterhals (auch wenn nicht im Körper ejakuliert wird) sowie über die Penisschleimhaut („Bändchen“, Vorhaut, Harnröhreneingang).
  • beim Drogenkonsum: HIV gelangt über das gemeinsame Benutzen von Spritzen und Nadeln ins Blut.
  • während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen: über die Plazenta, durch Kontakt mit Blut oder Vaginalsekret oder durch Muttermilch, wenn die Mutter keine Medikamente gegen HIV nimmt.

Vor HIV kann man sich gut schützen:

Das Risiko einer HIV-Übertragung ist erhöht, wenn sich besonders viele Viren im Blut und den Körperflüssigkeiten befinden. Das ist zum Beispiel zwei bis vier Wochen nach einer frischen HIV-Infektion der Fall, weil sich das Virus dann besonders stark vermehrt. Die meisten Menschen wissen zu diesem Zeitpunkt noch nichts von ihrer Infektion, deshalb finden in dieser Phase die meisten HIV-Übertragungen statt.

Eine HIV-Therapie unterdrückt die Vermehrung der Viren im Körper so stark, dass HIV nach einiger Zeit im Blut nicht mehr nachweisbar ist. HIV kann dann selbst beim Sex nicht übertragen werden.

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Kein HIV-Risiko im Alltag

Im alltäglichen Zusammenleben ist eine HIV-Übertragung ausgeschlossen. Kein Übertragungsrisiko besteht also zum Beispiel:

  • beim Küssen, Händedruck oder Umarmen
  • beim Anhusten oder Anniesen
  • bei gemeinsamer Benutzung von Tellern, Gläsern und Besteck
  • bei gemeinsamer Benutzung von Toiletten, Handtüchern oder Bettwäsche
  • in Schwimmbädern oder Saunen
  • beim Zusammenarbeiten und -wohnen mit Menschen mit HIV/Aids
  • beim Betreuen und Pflegen von Menschen mit HIV/Aids
  • bei Erste-Hilfe-Leistungen, sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden (Handschuhe, Beatmungsmaske)
  • bei medizinischen und kosmetischen Behandlungen (Zahnbehandlung, Fußpflege und so weiter), sofern die hygienischen Vorschriften eingehalten werden
  • beim Tätowieren und Piercen, sofern unter hygienischen Bedingungen gearbeitet wird
  • bei Insektenstichen

Warum besteht kein Risiko?

Die HIV-Menge in Speichel, Schweiß, Tränenflüssigkeit, Urin oder Kot reicht für eine Ansteckung nicht aus. Außerdem ist intakte Haut eine sichere Barriere. Darüber hinaus bleibt HIV außerhalb des Körpers nicht lange ansteckungsfähig.

HIV-Übertragung beim Sex

Unter erfolgreicher Therapie nicht übertragbar

  • Die Medikamente der HIV-Therapie unterdrücken HIV im Körper.
  • HIV ist dann beim Sex nicht übertragbar.
  • Das ist wissenschaftlich bestätigt.

HIV-Risiko beim Vaginal- und Analverkehr

Am häufigsten wird HIV beim ungeschützten Anal- und Vaginalsex weitergegeben.

Sperma, Vaginalflüssigkeit (Scheidenflüssigkeit) und Menstruationsblut enthalten bei einer unbehandelten HIV-Infektion sehr viele Viren. Die Schleimhäute im Enddarm, am Gebärmutterhals und in der Vagina sind sehr empfindlich und können HIV leicht aufnehmen, ebenso die Innenseite der Vorhaut und die Harnröhre.

Da Vaginal- und Darmschleimhaut viele Viren enthalten können, gibt es beim Vaginal- und Analverkehr auch ein HIV-Risiko für die „aktive“ (eindringende) Person.

Bei einer unbehandelten HIV-Infektion erhöhen andere Geschlechtskrankheiten wie zum Beispiel Syphilis, Tripper oder Chlamydien das Risiko einer HIV-Übertragung: Durch entzündete Schleimhäute kann HIV leichter in den Körper eindringen oder hinausgelangen.

Bei einer behandelten HIV-Infektion erhöhen andere Geschlechtskrankheiten das HIV-Übertragungsrisiko nicht.

Praktisch kein HIV-Risiko beim Oralverkehr

Beim Oralverkehr (Lutschen oder Lecken des Penis, der Vagina oder des Afters) gibt es praktisch kein HIV-Risiko, denn die Mundschleimhaut ist sehr stabil. Selbst wenn Sperma oder Menstruationsblut in den Mund gelangt, ist das Übertragungsrisiko sehr gering.

Weltweit sind nur wenige Fälle beschrieben worden, in denen es durch Oralsex zu einer HIV-Infektion kam.

Die Aufnahme des Lusttropfens stellt beim Oralverkehr kein Risiko dar. Auch sind keine Fälle bekannt, bei denen es durch die Aufnahme von Vaginalflüssigkeit beim Oralsex zu einer HIV-Übertragung kam.

Weitere Infos

Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung beim Sex

HIV gehört zu den schwer übertragbaren Krankheitserregern. Für eine HIV-Übertragung beim Sex braucht es eine ausreichende Menge an Viren und eine geeignete Eintrittsstelle in den Körper.

Damit es überhaupt zu einer Übertragung kommen kann, muss man Sex mit einer HIV-infizierten Person haben, die nicht mit HIV-Medikamenten behandelt wird. Bei einem einzelnen ungeschützten sexuellen Kontakt ist das HIV-Risiko statistisch sehr gering. Es steigt mit der Häufigkeit der ungeschützten Kontakte.

Grundsätzlich gilt: Wenn man ein Risiko hatte oder sich unsicher ist, sollte man sich beraten lassen und gegebenenfalls einen HIV-Test machen.

Nach ungeschütztem Sex mit einer Person, die sehr wahrscheinlich HIV hat und nicht mit HIV-Medikamenten behandelt wird, kann eine Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) eine HIV-Übertragung noch verhindern. Beginnen sollte man mit einer PEP idealerweise innerhalb von 2 Stunden, möglichst innerhalb von 24 und nicht später als 48 Stunden nach dem Risikokontakt.

HIV-Risiko beim Drogengebrauch

Saubere Spritzen und Nadeln schützen vor HIV

Saubere Spritzen und Nadeln zum Drogenkonsum schützen vor HIV.

Ein sehr hohes Risiko besteht beim gemeinsamen Benutzen von Spritzen und Nadeln beim Drogenkonsum. HIV kann so direkt in die Blutbahn gelangen. In feuchten Blutresten in der Spritze kann sich das Virus mehrere Tage lang halten. 

Außerdem kann man sich beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzbesteck und Zubehör sehr leicht mit Hepatitis infizieren. Einen sehr guten Schutz vor einer HIV-Infektion beim Drogenkonsum bietet Safer Use.

HIV-Übertragung durch herumliegende Spritze?

Eine HIV-Infektion durch eine herumliegende Nadel, zum Beispiel im Sandkasten, ist weltweit nicht bekannt geworden.

In der Regel handelt es sich in solchen Fällen um Injektionsnadeln mit kleinem Durchmesser, an denen nur eine geringe Menge Blut zurückbleibt. Die Blutreste trocknen außerdem an der Luft und werden – anders als beim Drogenkonsum – nicht wieder in eine Lösung gebracht. Eine HIV-Infektion ist in so einem Fall nicht möglich, eine Infektion mit Hepatitis B und Hepatitis C dagegen schon. Daher sollte man sich unbedingt ärztlich untersuchen lassen.

Eine Hepatitis B lässt sich durch eine Impfung und die Gabe von Immunglobulinen innerhalb von 48 Stunden noch verhindern. Eine Hepatitis C kann man gut mit Medikamenten behandeln und heilen.

HIV-Übertragung während Schwangerschaft, Geburt, Stillen

Während der Schwangerschaft, bei der Geburt und beim Stillen kann eine HIV-Übertragung auf das Kind durch Medikamente und andere Maßnahmen verhindert werden. Deshalb wird in Deutschland allen Schwangeren ein HIV-Test angeboten.

Weitere Infos

Kein HIV-Risiko durch Blutprodukte

Blut und Blutprodukte, zum Beispiel für Operationen, sind in Deutschland durch verschiedene Maßnahmen (vor allem Tests) sehr sicher.