Corona und HIV

Wichtige Infos zu Corona und HIV auf einer Seite: Sind Menschen mit HIV besonders durch COVID-19 gefährdet? Wie sieht es mit der Versorgung von HIV-Medikamenten aus? Und: Warum werden HIV-Medikamente zur Behandlung des Coronavirus erprobt?

Viele weitere Aspekte behandelt die Aidshilfe-Themenseite zu Corona, die fortlaufend aktualisiert wird.

Das Wichtigste zu Corona und HIV

  • Es gibt keine Daten, dass Menschen mit HIV unter wirksamer HIV-Therapie in besonderer Weise durch Corona gefährdet wären. Es gibt allerdings auch keine Daten, dass ihr Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs nicht erhöht ist.
  • Erhöht ist das Risiko eines schweren Verlaufs für Menschen mit HIV und stark geschwächtem Immunsystem, weil sie keine HIV-Medikamente nehmen.
  • Für alle Menschen – mit oder ohne HIV – sind die wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor Corona das gründliche und regelmäßige Händewaschen mit Seife und die Reduzierung sozialer Kontakte. Das betrifft auch das Sexleben.
  • Derzeit werden zahlreiche Medikamente zur Behandlung des Coronavirus erprobt. Darunter sind auch HIV-Medikamente, vor allem Kaletra. Erste Studienergebnisse sind allerdings ernüchternd.
  • Die Versorgung mit HIV-Medikamenten ist sichergestellt.

Infos zu Corona für Menschen mit HIV

Im folgenden Abschnitt findest du Infos zum Coronavirus und COVID-19 für Menschen mit HIV.

Die Datenlage ist derzeit oft unklar und es gibt wenige wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse. Wir geben hier den jeweils aktuellen Stand wieder und aktualisieren diese Seite bei neuen Erkenntnissen (Stand: 27.03.2.20).

Zählen Menschen mit HIV zu den Corona-Risikogruppen?

Ältere Menschen und Menschen mit Vor-/Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf einer Coronavirus-Infektion.

Infos für Menschen mit HIV ohne HIV-Therapie/mit stark geschwächtem Immunsystem

Auch ein durch eine nicht behandelte HIV-Infektion geschwächtes Immunsystem zählt zu Vorerkrankungen. Nach aktuellen Schätzungen leben in Deutschland mehr als 10.000 Menschen mit einer nicht diagnostizierten HIV-Infektion.

In dieser Situation könnte sich ein HIV-Test empfehlen, um gegebenenfalls mit einer antiretroviralen Behandlung (Einnehmen von HIV-Medikamenten) beginnen zu können. Zwar arbeiten viele Beratungs- und Testangebote derzeit nicht, HIV-Selbsttests sind aber nach wie vor zu bekommen, zum Beispiel in Apotheken oder online.

Alle Infos dazu finden sich unter aidshilfe.de/hiv-selbsttest. Bei allen Fragen vor und nach einem HIV-Selbsttest ist die bundesweite Telefon- und Onlineberatung der Aidshilfen erreichbar. Alle Infos dazu finden sich hier.

Infos zum HIV-Selbsttest

Infos für Menschen mit HIV unter funktionierender HIV-Therapie

Die meisten Menschen mit HIV in Deutschland nehmen aber antitretrovirale Medikamente. Diese verhindern die Vermehrung von HIV im Körper und schützen so das Immunsystem.

  • Es gibt bisher keine Daten dafür, dass Menschen mit HIV mit funktionierender HIV-Behandlung ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Coronavirus-Infektion haben.
  • Es gibt bisher allerdings auch keine Daten dafür, dass Menschen mit HIV mit funktionierender HIV-Therapie kein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben.
  • Es gibt dazu noch überhaupt keine Daten.

Fachliche Einschätzungen für Menschen mit HIV

Die Deutsche AIDS-Gesellschaft sowie die Europäische Klinische Aids-Gesellschaft und die Britische HIV-Gesellschaft teilen die Einschätzung, dass es nach derzeitigem Stand keine Daten für eine besondere Gefährdung für Menschen mit HIV mit normaler Helferzellzahl und erfolgreicher HIV-Therapie gibt.

Sie verweisen allerdings darauf, dass viele HIV-Patient_innen älter als 50 Jahre sind und bei vielen Patient_innen chronische Begleiterkrankungen oder Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungen-Erkrankungen vorliegen. 

Menschen mit HIV in infektionsrelevanten Kontexten

Auch zu Menschen mit gut funktionierender HIV-Therapie, die in infektionsrelevanten Kontexten arbeiten, gibt es derzeit keine Daten für ein erhöhtes Risiko schwerer COVID-19- Verläufe, es kann jedoch auch nicht ausgeschlossen werden.

Die Deutsche Aidshilfe empfiehlt daher vorsichtshalber Menschen mit HIV (wie auch Menschen mit Vorerkrankungen), die in infektionsrelevanten Kontexten arbeiten, möglichst mit dem Arbeitgeber zu klären, ob eine Weiterarbeit angebracht ist.

Bei großer Unsicherheit sollte ein Arbeiten in einem nicht infektionsrelevanten Kontext erwogen und seitens des Arbeitgebers angeboten werden.

Hintergrund unserer Empfehlung: Auch sonst gelten für Menschen mit HIV auch bei gutem Immunstatus besondere Schutzempfehlungen, etwa für Impfungen oder Kontrolluntersuchungen.

Tipps für Menschen mit HIV im Alltag

  • Grundsätzlich sollten sich alle Menschen mit HIV vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. Hier finden sich die Hygiene-Empfehlungen der BZgA.
  • Unser Tipp: Menschen mit HIV, die (z.B. dienstlich) unterwegs sein müssen, sollten eine Medikamentenreserve für mindestens zwei zusätzliche Wochen dabei haben, falls es zu einer Quarantäne kommen sollte.

Ist die Versorgung mit HIV-Medikamenten gesichert?

Grundsätzlich ist die Versorgung mit HIV-Medikamenten in Deutschland sichergestellt. Die Herstellerfirmen liefern die üblichen Kontingente, die bei der bisherigen Verschreibungspraxis völlig ausreichen.

Die Deutsche Aidshilfe erreichten Mitte März 2020 zwar einzelne Meldungen, wonach HIV-Medikamente in manchen Orten schwierig oder nicht zu bekommen seien, doch scheint es sich um Einzelfälle gehandelt zu haben.

Wer trotzdem Probleme haben sollte, kann sich an eine Apotheke der Deutschen Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken (DAH2KA) wenden. Sie helfen sich untereinander aus und haben direkten Draht zu den Herstellern. Die DAH2KA-Apotheken findet man hier.

Beratungsangebote über Internet und Telefon

Aufgrund von Corona ist die Arbeit vieler Beratungs- und Testangebote sowie Checkpoints eingeschränkt oder vorübergehend eingestellt. Wir bitten darum, sich bei den jeweiligen Einrichtungen zu erkundigen. Adressen von Beratungs-/Testangeboten und Checkpoints sowie Ansprechpartner_innen finden sich hier.

Die Telefon- und Online-Beratung sowie der Gay Health Chat sind nach wie vor erreichbar.

HIV-Medikamente zur Behandlung/Vorbeugung von Coronavirus-Infektionen

Die Frage, ob vielleicht HIV-Medikamente auch gegen COVID-19 wirksam sein könnten, wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Im Mittelpunkt stand zunächst das HIV-Medikament Kaletra. Hintergrund ist, dass das neue Coronavirus SARS-CoV-2 wie auch andere Coronaviren zur Vermehrung ein Enzym brauchen, eine bestimmte Protease (TMPRSS2).

Bei HIV ist das ähnlich: HIV braucht zur Vermehrung das Enzym HIV-Protease, die aber nicht mit der Coronavirus-Protease identisch ist. Kaletra ist ein Medikament, dass diese HIV-Protease blockiert.

Die ersten Ergebnisse sind allerdings ernüchternd: In einer kleineren Studien aus China mit ungefähr 200 Patient_innen mit schwerem Verlauf zeigte sich kein Nutzen von Kaletra. Dies war auch in einer weiteren kleinen Studie der Fall, deren Ergebnisse Ende April 2020 veröffentlicht wurden.

Anfang April 2020 gab es aus einer sehr kleinen Studie mit COVID-19-Patient_innen erste Hinweise, dass das als HIV- und Krebsmedikament in Entwicklung befindliche Mittel Leronlimab (ein CCR5-Blocker) auch bei COVID-19 helfen könnte. Der mononukleale Antikörper Leronlimab ist bislang aber weder gegen HIV noch gegen Brustkrebs und auch nicht gegen COVID-19 zugelassen. Es ist somit außerhalb von Studien nicht erhältlich.

Ebenfalls Anfang April startete in Spanien eine Studie, in der unter anderem untersucht wird, ob das HIV-Medikament Truvada (oder Generika), das auch zur medikamentösen HIV-Prophylaxe PrEP eingesetzt wird, vor einer Infektion mit Corona-Viren schützen oder zu einem milderen COVID-19-Verlauf führen könnte. Die Studie soll bis zum Sommer 2020 laufen.

Patient_innenerklärung/-verfügung zur Beatmung bei COVID-19

Bei schweren Verläufen von COVID-19 kann es zur Situation kommen, dass Patient_innen nach ärztlichem Ermessen beatmet werden müssen. Hierzu gibt es verschiedene Methoden.

Wer noch keine umfangreiche Patient_innenverfügung aufgesetzt hat, könnte sich angesichts der Corona-Pandemie überlegen, eine solche aufzusetzen, auszudrucken und für den Fall einer Krankenhausbehandlung wegen COVID-19 dabeizuhaben.

Die Deutsche Aidshilfe stellt hier eine Vorlage für ein solches Dokument als Word-Datei zur Verfügung, die individuell abgeändert werden kann.

Ende April 2020 gab es in Deutschland genügend Beatmungsbetten. Wer für den Fall einer Verknappung der Kapazitäten, wie sie zeitweise aus schwer von der Pandemie getroffenen Regionen berichtet wurde, vorsorgen möchte, findet außerdem hier eine Patient_innenverfügung mit vorgeschalteter Erklärung, dass die HIV-Behandlung der unterzeichnenden Person erfolgreich ist und somit keine „schwere Immunschwäche“ vorliegt.

Viele weitere Infos zu Corona fasst unsere Themenseite zusammen.