FAQ zum HIV-Heimtest

Hier beantworten wir die häufigsten und wichtigsten Fragen rund um den HIV-Heimtest.

1. Kann ich einen HIV-Test für zu Hause kaufen, und wenn ja, wo?

Im Internet gibt es Anbieter, die HIV-Tests für den Hausgebrauch verkaufen („Heimtests“, auch Selbsttests genannt). In Deutschland dürfen HIV-Tests aber laut Medizinprodukte-Abgabeverordnung nicht an Privatpersonen abgegeben werden, deshalb sitzen die Anbieter in der Regel im Ausland.

2. Was kostet ein HIV-Heimtest aus dem Internet?

Das ist je nach Test und bestellter Menge unterschiedlich. Als Orientierungswert kann man bei Einzelbestellung etwa 20 Euro plus Versandkosten für einen Bluttest angeben, manche Produkte werden für bis zu 50 Euro angeboten. Zum Vergleich: In vielen Testprojekten oder Gesundheitsämtern ist der Test kostenlos oder kostet zwischen 10 und 15 Euro.

3. Welche HIV-Heimtesttypen gibt es, und welche sind zu empfehlen?

Die im Internet angebotene Vielfalt ist für Laien verwirrend – HIV-Bluttests der 3. Generation und der 4. Generation, Antikörper- oder p24-Antigentests, Tests mit Blut, mit Mundflüssigkeit, sogar Urintests. Mit Urintests lassen sich aber keine aussagekräftigen Ergebnisse erzielen, da Urin zu wenig Antikörper gegen HIV enthält, die man für einen Test braucht. Bei Tests mit Blut oder Mundflüssigkeit hängt die Aussagekraft der Testergebnisse unter anderem vom Produkt und von der Anwendung ab – Anwendungsfehler führen leicht dazu, dass das Ergebnis nicht aussagekräftig ist (siehe Frage 7).

4. Mache ich mich strafbar, wenn ich HIV-Heimtests im Internet bestelle, oder muss ich sonst etwas beachten?

HIV-Heimtests dürfen in Deutschland laut Medizinproduktegesetz nicht an Privatpersonen abgegeben werden. Wer trotzdem welche im Internet für sich bestellt, macht sich aber nicht strafbar. Wenn Sendungen aus dem Ausland kommen (z. B. aus China, obwohl im Impressum des Anbieters eine andere Anschrift steht), kann der Zoll aber schon mal Stichproben machen.

5. Wie wende ich einen HIV-Heimtest richtig an?

Hierzu muss man ganz klar sagen: Die meisten im Internet angebotenen HIV-Tests sind nicht für den „Hausgebrauch“ gedacht, sondern zur Anwendung durch erfahrene medizinische Kräfte. Selbst Profis brauchen längere Zeit und mehrere Versuche, bis es richtig klappt (nachzulesen im Text „Bis aufs Blut“ über einen Selbstversuch). In den USA ist als einziger Test zur Anwendung durch Privatpersonen der OraQuick-Test zugelassen. Hierbei wird Mundflüssigkeit (möglich ist auch Vollblut aus der Fingerkuppe) vom äußeren Gaumen aufgenommen, man darf aber mit dem Testspachtel nicht am Gaumen, innen an den Wangen oder auf der Zunge reiben. Auf der Anleitung des Herstellers steht deshalb auch extra: Nur für die professionelle Anwendung.

In England und Frankreich sind mittlerweile Tests erhältlich, die für die Anwendung durch Laien konzipiert und deutlich einfacher durchzuführen sind. Wer sich zu einen Heimtest entschließt, sollte solche Modelle verwenden, um die Gefahr falscher Ergebnisse zu reduzieren.

6. Was für Folgen haben Anwendungsfehler?

Was bei der Anwendung durch Laien passieren kann, zeigte eine Studie zur Selbstanwendung des OraQuick-Tests mit 5.800 Teilnehmern: Hier versagte der Test, bei dem man selbst Mundflüssigkeit vom Gaumen abnimmt (siehe Frage 5), im Schnitt bei sieben von 100 HIV-positiven Anwendern. Das heißt, sie bekamen das Ergebnis „HIV-negativ = nicht infiziert“, obwohl sie in Wirklichkeit HIV-positiv, also infiziert waren. Grund waren wahrscheinlich Anwendungsfehler. Auch bei der Entnahme von Blut aus der Fingerkuppe – hierbei wird mit einer kleinen Nadel gepiekst – kann man als Laie leicht etwas falsch machen (siehe dazu auch diesen Text zu einem Selbstversuch). Wenn man zum Beispiel zu stark quetscht, um Blut hervorzubringen, kann zu viel Gewebeflüssigkeit austreten, und das Ergebnis ist nicht mehr zuverlässig.

7. Sind die im Internet angebotenen HIV-Heimtests zuverlässig?

Hier muss man die Produkte selbst und die Anwendung angucken – und die „diagnostische Lücke“ mit bedenken (siehe Frage 10).

In Frankreich und England sind seit 2015 HIV-Tests erhältlich, die für den Hausgebrauch durch Laien optimiert sind. Sie tragen das europäische CE-Zeichen. Das bedeutet, dass der Test die europäischen Mindeststandards für Genauigkeit und Benutzerfreundlichkeit erfüllt. Wie zuverlässig diese Tests sind, wenn man sie selbst durchführt, können wir im Moment noch nicht beurteilen. Entsprechende Daten liegen uns nicht vor.

Insgesamt gilt: Die im Internet angebotenen HIV-Heimtests mit Blut- oder Mundflüssigkeit sind meist nicht so genau wie die Tests, die in Testprojekten, Gesundheitsämtern oder medizinischen Einrichtungen eingesetzt werden. Die Werbung spricht hier zwar oft von „100% Zuverlässigkeit“ oder setzt Logos von internationalen Organisationen als Gütesiegel ein. Wenn überhaupt, gelten solche Aussagen aber nur für Zulassungsstudien und den professionellen Gebrauch. Eine Recherche, ob zu diesen Tests Daten unabhängiger Forscher vorliegen, ist oft nicht möglich. Außerdem gibt es keine unabhängige Prüfstelle für die Qualität – anders als bei den in Deutschland zur professionellen Anwendung zugelassenen Produkten, die vom Paul-Ehrlich-Institut überprüft werden.

Wichtig: Mit Urintests lassen sich keine aussagekräftigen Ergebnisse erzielen, da Urin zu wenig Antikörper gegen HIV enthält, die man für einen Test braucht.

8. Für manche Tests wird mit „100 Prozent Genauigkeit“ oder „Sensitivität“ geworben. Was heißt das?

Sensitivität heißt: Wie „scharf“ ist ein Test eingestellt, sodass er HIV-Infektionen auch erkennt? Der in den USA zugelassene und auch im Internet angebotene OraQuick-Heimtest zum Beispiel hat mit Serum oder Vollblut eine Sensitivität von 99,68 %, wenn ihn Profis durchführen: So gut wie alle tatsächlichen HIV-Infektionen werden auch entdeckt.

Beworben und verkauft wird er aber vor allem als „Speicheltest“. Hier liegt die Sensitivität nur noch bei 98 % – bei professionellem Einsatz. Das heißt: Der Test erkennt 98 von 100 HIV-positiven Proben, aber 2 Proben aber werden fälschlicherweise als HIV-negativ getestet (falsch negativ). Das heißt: Zwei von hundert Getesteten halten sich nach dem Test für HIV-negativ, obwohl sie in Wirklichkeit HIV-infiziert sind. Wenn Laien den Test anwenden, liegt die Sensitivität aufgrund von Anwendungsfehlern, die schnell passieren können, sogar nur noch bei 93 %. Das heißt: Sieben von 100 HIV-Infektionen werden nicht entdeckt.

Die Deutsche AIDS-Hilfe setzt in ihren Testprojekten nur Schnelltests mit einer Sensitivität von deutlich über 99 % ein, für die es zusätzlich zu den Zulassungsstudien auch weitere Studien unabhängiger Forschergruppen gibt.

9. Kann ein Test auch HIV-positiv ausfallen, obwohl man gar nicht infiziert ist?

Ja. Das hat mit der „Spezifität“ zu tun, also der Frage: Wie genau ist ein Test auf HIV eingestellt (wie spezifisch ist er), damit er nur bei HIV-Infektionen anschlägt und nicht „falsch positive“ Ergebnisse bringt, obwohl gar keine Infektion vorliegt?

Manchmal ist das nämlich wie bei einem Rauchmelder, der Alarm schlägt, obwohl kein Rauch da ist. Aus diesem Grund muss jedes HIV-positive Testergebnis durch einen klassischen Bestätigungstest im Labor überprüft werden, bei dem die Spezifität höher ist. Erst wenn auch hier das Testergebnis „HIV-positiv“ lautet, kann man davon ausgehen, dass eine HIV-Infektion vorliegt.

Bei den meisten HIV-Tests liegt die Spezifität in der Praxis bei etwa 99,7 %. Das heißt: Von 10.000 HIV-Negativen, die damit getestet werden, bekommen statistisch 30 ein positives Ergebnis, obwohl sie nicht infiziert sind. Die Sache ist aber vertrackt (Statistik …): Wenn jemand aus der sogenannten Allgemeinbevölkerung, wo der Anteil der HIV-Infizierten bei 0,1 % liegt, einen solchen HIV-Test macht und der Test „anschlägt“, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass man tatsächlich HIV-positiv ist, bei nur 25 %. Auch deswegen braucht man bei einem positiven Testergebnis unbedingt einen Bestätigungstest. Die Erklärung und Rechenbeispiele findet man in unseren Informationen und Standards zu HIV- und STI-Tests auf den Seiten 46 und 47.

10. Was ist die „diagnostische Lücke“, und warum muss ich sie beachten?

Alle im Internet angebotenen HIV-Heimtests reagieren auf Antikörper, die das menschliche Immunsystem nach einer Ansteckung mit HIV bildet, um die Viren zu bekämpfen. Die Bildung von Antikörpern braucht aber Zeit. Meistens werden Antikörper zwischen der 3. und der 6. Woche nach der Ansteckung nachweisbar, bei einigen Personen dauert das allerdings länger. Nach drei Monaten können aber bei praktisch allen HIV-Infizierten Antikörper nachgewiesen werden. Will man nach einem HIV-Risikokontakt sicher ausschließen, dass man sich mit HIV-infiziert hat, sollte man also drei Monate bis zu einem Test warten. Wenn man früher einen HIV-Heimtest anwendet, kann das Ergebnis „HIV-negativ“ dabei herauskommen, obwohl man in Wirklichkeit HIV-infiziert ist – und gerade in der Anfangszeit der Infektion ist man besonders ansteckend.

11. Viele Anbieter werben mit TÜV-Zertifikaten, dem CE-Zeichen der Europäischen Union oder der WHO. Was ist davon zu halten?

Oft leider wenig. Manchmal heißt ein solches Zertifikat nur, dass die Hersteller überhaupt ein Qualitätssicherungssystem im Unternehmen haben, aber das sagt ja nichts über das Produkt aus. Oft bedeutet so ein Siegel lediglich, dass die Tests die Grundanforderungen an Medizinprodukte erfüllen, aber auch das sagt nichts über ihre Qualität. Und „100 Prozent Zuverlässigkeit“ oder ähnliche Angaben sind irreführend, denn entscheidend sind zwei Werte: die Sensitivität und die Spezifität (siehe Frage 8 und 9).

12. Warum ist der Vertrieb von HIV-Heimtests in Deutschland verboten?

In der Diskussion um die Neufassung des Medizinproduktegesetzes ging es unter anderem um den Grundsatz, dass Mittel zur Krankheitserkennung in die Hände Fachleuten gehören und dass auch beim HIV-Test eine ärztliche Beratung sichergestellt sein sollte. Ein weiterer Grund war, dass bei der Anwendung von HIV-Schnelltests durch Laien oft Anwendungsfehler passieren, wodurch die Ergebnisse nicht aussagekräftig sind (siehe Frage 7).

13. Wie schnell erhalte ich das Ergebnis?

Das dauert je nach Produkt etwa zwischen 15 und 30 Minuten.

14. Was bedeutet ein HIV-negatives Testergebnis?

Ein mit einem HIV-Heimtest ermitteltes Ergebnis „HIV-negativ“ ist mit Vorsicht zu interpretieren – selbst wenn der Test frühestens drei Monate nach dem letzten Risikokontakt gemacht wurde. Da Anwendungsfehler leicht passieren können und die Sensitivität und Spezifität mancher Tests zu wünschen übrig lässt (erst recht bei Anwendung durch Laien), könnte trotz der Selbstdiagnose HIV-negativ in Wirklichkeit eine HIV-Infektion vorliegen (siehe Frage 8).

15. Was mache ich, wenn das Ergebnis HIV-positiv ist?

Wenn ein HIV-Heimtest „reagiert“, ist das Ergebnis „HIV-reaktiv“. Das heißt aber nicht unbedingt, dass man wirklich HIV-infiziert ist: Manchmal schlagen die Tests Alarm, obwohl gar keine Infektion vorliegt (siehe auch Frage 7). Jedes „reaktive“ Ergebnis muss deshalb mit einem besonders empfindlichen zweiten Test bestätigt oder widerlegt werden (Bestätigungstest). Erst, wenn auch dieses Testergebnis reaktiv ist, heißt die Diagnose „HIV-positiv“ = HIV-infiziert. Einen solchen Bestätigungstest kann man aber nur in einem Testprojekt, im Gesundheitsamt, beim Arzt/im Krankenhaus oder in einem Labor machen. Wichtig: Ein bestätigtes HIV-positives Testergebnis ist kein „Todesurteil“. Wer sich heute mit HIV infiziert, hat bei rechtzeitiger Behandlung Chancen auf eine annähernd normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität. Man sollte sich so bald wie möglich von einem erfahrenen HIV-Spezialisten oder einer erfahrenen HIV-Spezialistin untersuchen lassen und mit ihm oder ihr über die HIV-Therapie sprechen. Auch die Aidshilfen sind gute Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Leben mit HIV (die Adressen finden sich hier). Weitere Informationen zur Frage „positiv - was nun?“ finden sich hier.

16. Wo kann ich mich (anonym) von Profis testen lassen?

Wo man sich in seiner Region am besten testen lassen kann, erfährt man z. B. bei den Aidshilfen (die Adressen finden sich hier). Auch viele Aidshilfen und Präventionsprojekte bieten neben der HIV-Testberatung einen anonymen HIV-Schnelltest an. Bei Gesundheitsämtern wird meistens der normale HIV-Antikörpertest angeboten, bei dem man sich das Ergebnis etwas eine Woche nach der Blutabnahme persönlich abholt. Auch hier bleibt man anonym, der Test kostet nur wenig (ca. 10–15 Euro) oder gar nichts.

17. Wo kann ich mich anonym beraten lassen, wenn ich mich zu einem Heimtest entschieden habe?

Wer einen Heimtest durchführen möchte, sollte sich vorher ausführlich darüber informieren. Die Aidshilfen in Deutschland bieten außerdem verschiedene Möglichkeiten, sich beraten zu lassen, unter anderem telefonisch und online. Ein Gespräch mit einem Profi hilft dabei, mögliche HIV-Risiken einzuschätzen und das Ergebnis des HIV-Tests richtig zu interpretieren. Fällt der Test positiv aus, können Berater_innen helfen, das Ergebnis zu "verdauen" und geben Ratschläge für die nächsten Schritte.