Grundlagenforschung: Aspirin für die HIV-Prävention?

Aspirin gegen Aids? Die HIV-Infektionsraten sind insbesondere bei jungen afrikanischen Frauen nach wie vor außerordentlich hoch. Eine kleine Machbarkeitsstudie hat sich nun mit der Frage beschäftigt, ob Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure – besser bekannt unter den Medikamentennamen ASS oder Aspirin – ihr HIV-Risiko senken könnte.

Der Gedanke der Forscher_innen aus Kanada und Kenia: Wenn man die Zahl möglicher Zielzellen von HIV reduziert, verringert man auch das Risiko einer Infektion.

Hintergrund von Aspirin gegen Aids

Damit es zu einer HIV-Infektion kommt, braucht man vermehrungsfähige Viren und Wirtszellen, die von HIV infiziert werden können.

Zum Schutz vor HIV-Infektionen setzen HIV-Negative daher normalerweise darauf, HIV gar nicht erst zu den Wirtszellen kommen zu lassen (Kondome/Femidome) oder die HIV-Vermehrung zu unterdrücken, wenn HIV doch in den Körper gelangt ist (zum Beispiel durch die HIV-Prophylaxe PrEP).

Nun weiß man schon länger, dass bei Entzündungen im Vaginaltrakt (zum Beispiel aufgrund einer Geschlechtskrankheit) auch das HIV-Risiko steigt. Ein Grund ist, dass der Zellverband in der Schleimhaut lockerer wird, sodass HIV leichter eindringen kann.

Ein anderer Grund ist, dass aktivierte Immunzellen (T-Zellen) zum Ort der Entzündung „wandern“. Solche aktivierten T-Zellen – zu ihnen gehören zum Beispiel CD4-Zellen) werden leichter von HIV infiziert als nicht aktivierte und produzieren nach einer Infektion auch sehr viel mehr neue HI-Viren.

Wenn man also Entzündungen bekämpft, könnte die Zahl der aktivierten Immunzellen und damit auch das HIV-Risiko sinken.

Die Studie

Die Forscher_innen untersuchten insgesamt kenianische 76 Frauen aus der Allgemeinbevölkerung, die das Pumwani Maternity Hospital oder das Baba Dogo Health Center aufgesucht hatten. Sie waren nicht mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten infiziert.

39 der Frauen nahmen über einen Zeitraum von sechs Wochen täglich niedrig dosierte Acetylsalicylsäure ein. 37 Frauen nahmen niedrig dosiertes Hydroxychloroquin ein. Die Verteilung auf die Gruppen erfolgte per Zufallsprinzip.

Acetylsalicylsäure und Hydroxychloroquin wurden ausgewählt, weil sie weltweit erhältlich, erschwinglich, nebenwirkungsarm sowie jahrelang in der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen oder Malaria bewährt sind und deshalb nicht als stigmatisierend wahrgenommen werdne.

Gemessen wurde unter anderem die Zahl von Immunzellen und die Zahl aktivierter Immunzellen in der Vaginalschleimhaut vor, während und nach der Medikamenteneinnahme (der Gesamtuntersuchungszeitraum betrug 12 Wochen).

Ergebnisse

Hydroxychloroquin: Nach sechs Wochen täglicher Einnahme war zwar die Zahl der im Blut zirkulierenden T-Zellen gestiegen, aber weniger von ihnen waren aktiviert. Insgesamt sank die Zahl aller HIV-Zielzellen im Blut um 31 Prozent, in der Schleimhaut aber kaum.

Acetylsalicylsäure: Nach sechs Wochen täglicher Einnahme gab es eine geringere Immunaktivierung im Blut und in der Schleimhaut. Die Zahl der HIV-Zielzellen im Genitaltrakt war um 35 Prozent gesunken. Außerdem war bei einigen Frauen die Zahl bestimmter Eiweiße gestiegen, welche den Zellverband in der Vaginalschleimhaut festigen und so das Eindringen von HIV erschweren.

Folgerungen

„Es bedarf nun weiterer Forschung, um unsere Ergebnisse mit Aspirin zu bestätigen und zu prüfen, ob diese Reduktion von Zielzellen tatsächlich auch HIV-Infektionen verhindert“, so die Forscher_innen.

Sollte sich dies bestätigen, könnte die tägliche Einnahme niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zur einer weiteren, kostengünstigen, weltweit zugänglichen und sozial akzeptierten Strategie für die die HIV-Prävention werden.

Darüber hinaus könnte der Einsatz von Entzündungshemmern auch die Wirksamkeit andere HIV-Präventionsmethoden erhöhen: Entzündungen im Vaginaltrakt können offenbar die HIV-Prophylaxe PrEP praktisch wirkungslos machen.

(ascho/hs)

 

Meldung auf eatg.org (in englischer Sprache): http://www.eatg.org/news/an-aspirin-a-day-may-keep-hiv-away-study-finds/

Link zur Studie im „Journal of the International AIDS Society“: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/jia2.25150