EMIS 2017: Erste Daten zu 134.000 Männern, die Sex mit Männern haben

Die Internet-Befragung EMIS 2017 zeigt: Das Kondom bleibt die bekannteste Möglichkeit zum Schutz vor HIV. Mehr als die Hälfte der Befragten wissen aber auch: HIV wird bei wirksamer HIV-Therapie nicht übertragen und die HIV-Prophylaxe PrEP schützt vor einer Ansteckung.

Der European MSM Internet Survey (EMIS, Europäische Internet-Befragung von Männern, die Sex mit Männern haben) wurde vom Oktober 2017 bis zum Januar 2018 in 49 Ländern durchgeführt – vor allem in Europa, aber zum Beispiel auch in Kanada, dem Libanon oder in Israel.

EMIS 2017: 134.000 Teilnehmer_innen aus 49 Ländern

EMIS 2017 Teilnehmer

Teilgenommen haben etwa 134.000 Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), aus 49 Ländern. In Deutschland waren es weit über 20.000 MSM.

Der Community-Report Nr. 1 hat jetzt erste Daten zu EMIS 2017 präsentiert.

Kondome, Schutz durch Therapie, HIV-PrEP

Demnach wussten 97 Prozent der Befragten, dass korrekt angewendete Kondome das Risiko einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten einschließlich HIV senken.

Fast 60 Prozent der Teilnehmer_innen wussten nach eigenen Angaben auch, dass eine funktionierende HIV-Therapie HIV-Übertragungen verhindert („Schutz durch Therapie“, U=U).

Wissen zu U=U

Etwas mehr als der Hälfte der Befragten war bekannt, dass die HIV-Prophylaxe PrEP vor HIV schützt. Hierbei nehmen HIV-Negative ein HIV-Medikament ein, das eine Ansteckung verhindert.

Wissen zur PrEP

Die HIV-PrEP schließt eine Präventionslücke

Nur 20 Prozent der teilnehmenden MSM wussten allerdings, dass die PrEP auch als vorübergehende („anlassbezogene“) Schutzmaßnahme eingesetzt werden kann, zum Beispiel für ein Sexdate oder eine Sexparty.

Die Nachfrage nach der PrEP ist dabei offenbar bei MSM am größten, die mehr Sexpartner als andere haben und beim Sex häufiger Drogen konsumieren, so Dr. Dirk Sander, Referent der Deutschen AIDS-Hilfe für Schwule und andere MSM.

Es sei anzunehmen, dass diese Gruppe aus Erfahrung wisse, dass sie sich beim Sex nicht immer mit Kondomen schützt. EMIS mache daher deutlich, dass die PrEP eine HIV-Präventionslücke schließe.

Sander erwartet, dass der angekündigte geregelte Zugang zur PrEP zu einem deutlichen Rückgang bei den HIV-Neudiagnosen führt.

Fragen auch zu Diskriminierung und Drogenkonsum

Gefragt hat EMIS unter anderem nach Beziehungen, dem sexuellen Lebensstil, sexuellen Gesundheitsrisiken und Vorsichtsmaßnahmen, aber auch nach der Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, Erfahrungen mit Diskriminierung oder dem Drogenkonsum.

EMIS 2017 Drogen

So hatten gut zwei Drittel (70 Prozent) der befragten Männer in den zwölf Monaten vor ihrer Befragungsteilnahme „nie“ oder „fast nie“ Alkohol oder andere Drogen zum Sex konsumiert.

Sieben Prozent dagegen hatten Sex nach eigenen Angaben „immer“ oder „fast immer“ unter Drogeneinfluss.

EMIS 2017 wurde von Sigma Research (London) durchgeführt und von der EU-Kommission finanziert. Zu den Partnern gehören unter anderem die European AIDS Treatment Group (EATG), AIDS Action Europe und die Deutsche AIDS-Hilfe.

(ascho/hs)

Erste Daten zu EMIS 2017 im Überblick (PDF in englischer Sprache): https://www.iwwit.de/sites/default/files/EMIS2017_CR01_english_ENDb.pdf

Beitrag zu EMIS 2017 auf www.iwwit.de