Schnelltests gegen Notfälle durch illegales Fentanyl

Illegal hergestelltes Fentanyl taucht auch in Deutschland als lebensgefährliche Beimengung zu Straßenheroin auf. Ein Modellprojekt der Deutschen Aidshilfe mit Fentanyl-Schnelltests soll Drogengebraucher*innen schützen.

Am 1. Dezember 2022 ist das Bundesmodellprojekt „Rapid Fentanyl Tests in Drogenkonsumräumen“ (RAFT) gestartet, das erste Projekt zur Feststellung von Fentanyl-Beimischungen in Straßenheroin in Europa. RAFT wird vom Bundesgesundheitsministerium gefördert, von der Deutschen Aidshilfe geleitetet und in zehn Drogenkonsumräumen im Bundesgebiet umgesetzt.

Illegales Fentanyl taucht in Deutschland vermehrt auf

Fentanyl ist ein hochwirksames Opioid aus der Schmerztherapie, das auch als Droge konsumiert wird – zum Beispiel, nachdem es aus Schmerzpflastern gewonnen wurde. In Deutschland wurden im Jahr 2021 über 100 Todesfälle durch fentanylhaltige Medikamente (mit)verursacht.

In jüngster Zeit gibt es vermehrt Berichte über besonders schwere Drogennotfälle, bei denen die bei uns übliche Dosis des lebensrettenden Notfallmedikaments Naloxon kaum noch ausreichte. Expert*innen vermuten, dass den konsumierten Drogen illegal hergestelltes Fentanyl beigemischt war.

„Straßenheroin ist normalerweise gestreckt und die Konsument*innen haben Erfahrungswerte, wie stark die Drogen wirken. Wenn sie aber nicht wissen, dass hochwirksames Fentanyl beigemischt ist, kann der Konsum lebensgefährlich sein“, erklärt RAFT-Projektleiterin Maria Kuban. „Schon eine winzige Menge, etwa so viel wie ein paar Salzkörnchen, kann eine tödliche Überdosierung auslösen.“

Modellprojekt zu Fentanyl-Beimischungen soll Drogengebraucher*innen schützen

Ziel des Modellprojekts ist es vor allem, Drogengebraucher*innen vor solchen Notfällen zu schützen: Sie sollen ihr mitgebrachtes Straßenheroin im Drogenkonsumraum mit einem einfach anzuwendenden Teststreifen auf Fentanyl testen lassen können, anonym und für sie kostenlos.

Das Modellprojekt soll so auch Informationen liefern, wo und wie häufig Fentanyl-Beimischungen vorkommen, und bietet dadurch auch Ansatzpunkte für ein Frühwarnsystem.

Durch Aufklärung über die Gefahren von Fentanyl-Beimischungen, durch Beratung und durch die Schnelltests leisten die teilnehmenden Drogenkonsumräume außerdem einen weiteren wichtigen Beitrag zur Schadensminderung (Harm Reduction) – zusätzlich zu Angeboten wie der Ausgabe steriler Konsumutensilien, der Beratung zu alternativen Konsumformen oder der medizinischen Hilfe in Drogennotfällen.

Fentanyl-Schnelltests: anonym, kostenlos, unkompliziert

Wer sein Heroin im Drogenkonsumraum auf Fentanyl testen lassen will, muss nichts von der Substanz abgeben: Analysiert werden Rückstände nach dem Aufbereiten der Droge, aber vor dem Konsum. Dazu werden die Rückstände in ein wenig Wasser gelöst und dann mit einem Teststreifen geprüft. Das Ergebnis liegt nach kürzester Zeit, spätestens nach fünf Minuten vor.

Bei einem negativen Ergebnis findet der Konsumvorgang wie gewohnt statt. Bei einem positiven Ergebnis schließt sich eine kurze Beratung zu möglichen Maßnahmen der Risikominderung an. Das kann zum Beispiel ein Aufteilen der Substanz in kleinere Mengen oder das Bereitstellen des Notfallmedikaments Naloxon sein.

Beratungsleitfaden soll Projekterfahrungen sichern

Erste Projektschritte sind Treffen mit den teilnehmenden Drogenkonsumräumen. Eine Arbeitsgruppe soll dann einen Beratungsleitfaden entwickeln, der auch nach Projektschluss Ende 2023 eingesetzt werden kann.

Die Testangebote selbst starten im März 2023. Bis Ende August 2023 können 5.000 Tests auf Fentanyl-Beimischungen stattfinden.

Ausgewertet werden die Ergebnisse dann von September bis Ende November 2023.

hs