Pille zum Schutz vor HIV bald auch in Europa?

Der Pharmakonzern Gilead hat die Zulassung seines HIV-Medikaments Truvada für die HIV-Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA beantragt.

Eine Entscheidung darüber könnte noch in diesem Jahr fallen.

Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen vorbeugend HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. 2015 belegten Studien bei schwulen Männern mit besonders hohem HIV-Risiko eine Senkung des HIV-Übertragungsrisikos um 86 Prozent – eine ähnlich gute Schutzwirkung wie Kondome.

Anders als in den USA und einigen anderen Ländern ist in Europa bisher noch kein Medikament zur HIV-PrEP zugelassen. In Frankreich ist allerdings seit Anfang Januar eine „temporäre Gebrauchsempfehlung“ für Truvada zum Schutz vor einer sexuellen Ansteckung mit HIV wirksam. Die Kosten für die Medikamente und die zugehörigen Untersuchungen werden dort von der Sozialversicherung getragen.

Aktivist_innen und zahlreiche europäische Organisationen aus dem HIV-Bereich, darunter die Deutsche AIDS-Hilfe, fordern seit längerem, Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko diese zusätzliche Schutzmethode verfügbar zu machen. Dazu gehören zum Beispiel Männer, die Sex mit Männern haben und denen es schwerfällt, sich mit Kondomen zu schützen.

Sollte die EMA dem Antrag stattgeben, wird sich vor allem die Frage nach der Finanzierung stellen: Eine Monatspackung Truvada kostet zurzeit in Deutschland mehr als 800 Euro.

Dazu erklärt Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe: „Menschen, denen die PrEP helfen kann, HIV-negativ zu bleiben, müssen auch Zugang zu dem bislang sehr teuren Mittel bekommen. Auf welchem Wege, gilt es gemeinsam mit allen Beteiligten auszuloten. Dazu gehören der Hersteller, die zuständigen Fachgesellschaften aus Medizin und Prävention, die Krankenkassen sowie die Politik.“

(hs)

 

Quelle/weitere Informationen

Pressemitteilung von Gilead vom 1. Februar 2016 (in englischer Sprache)

Pressemitteilung der Deutschen AIDS-Hilfe: HIV-Prophylaxe: Zulassung beantragt – jetzt Zugang ermöglichen!

Grünes Licht für HIV-PrEP in Frankreich (Meldung auf aidshilfe.de vom 24.11.2015) 

Deutsche AIDS-Hilfe zu HIV-Infektionszahlen: Alle Schutzmöglichkeiten ausschöpfen (Pressemitteilung vom 09.11.2015)