PrEP (HIV-Prophylaxe)

Die HIV-Prophylaxe PrEP ist für manche Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko die beste oder einzige Möglichkeit, sich zu schützen. Sie kann zu einer nachhaltigen Senkung der Infektionszahlen in Deutschland beitragen. Die Deutsche AIDS-Hilfe tritt daher für eine Finanzierung der PrEP durch die Krankenkassen ein.

Bei der Prä-Expositionsprophylaxe, kurz PrEP, nehmen gesunde Menschen ein Medikament ein, das die Vermehrung von HIV im Körper verhindert. Diese Prophylaxe verhindert eine HIV-Infektion beim Sex so zuverlässig wie Kondome.

Laut einer Studie der Erasmus-Universität in Rotterdam könnte die PrEP in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 9.000 HIV-Infektionen verhindern.

Verschreibung und Kosten

Zugelassen sind das HIV-Medikament Truvada und entsprechende Generika zur PrEP für Menschen mit besonders hohem HIV-Risiko. Das sind zum Beispiel schwule und bisexuelle Männer, die aus verschiedenen Gründen nicht immer Kondome verwenden und schon aufgrund der Häufigkeit von HIV in dieser Hauptbetroffenengruppe besonders gefährdet sind.

Seit September 2017 ist die PrEP in vielen deutschen Städten für 50 Euro erhältlich.

Bedingung ist bisher eine ärztliche Verschreibung auf Privatrezept. Außerdem gehören begleitende Untersuchungen dazu. Unverzichtbar sind regelmäßige HIV-Tests und Überprüfungen der Nierenwerte. Außerdem sollten regelmäßige Untersuchungen auf Geschlechtskrankheiten stattfinden. Diese Maßnahmen können zusätzliche Kosten nach sich ziehen.

Zugang schaffen

Für viele potenzielle Anwender_innen ist die medikamentöse Prophylaxe mit der 50-Euro-PrEP erschwinglich geworden. Für andere ist sie immer noch zu teuer. Manche verzichten deswegen auf diese Schutzmöglichkeit. Dass sie sich mit HIV infizieren, ist damit für viele nur noch eine Frage der Zeit.

Andere PrEP-Interessent_innen greifen auf günstigere Präparate zurück, die sie bei Online-Apotheken  im Ausland bestellen – teilweise ohne ärztliche Begleitung in Anspruch zu nehmen.

Diese „wilde PrEP“ findet meist im rechtlichen Graubereich statt und ist mit Risiken verbunden – bis hin zu unentdeckten HIV-Infektionen und Resistenzbildungen, die das Medikament für die HIV-Behandlung untauglich machen.

Aus diesen Gründen sollten die Gesetzlichen Krankenkassen bei entsprechender Indikation für eine Finanzierung der PrEP einschließlich ärztlicher Begleitung aufkommen.  

Menschen haben ein Recht auf einen für sie praktikablen Schutz vor HIV. Zugleich rechnet sich die PrEP auch für das Gesundheitssystem: Sie spart die Kosten für lebenslange HIV-Therapien.

Zwei Wege zur Kassenfinanzierung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der über die Erstattungsfähigkeit von Medikamenten entscheidet, hat erklärt, er könne zurzeit nicht über die Erstattungsfähigkeit entscheiden: Es handele sich weder um ein Medikament zur Behandlung einer Erkrankung noch um eine Impfung.

Tatsächlich sind medikamentöse Prophylaxen im Reglement des G-BA nirgendwo eindeutig vorgesehen. Diese Lücke gilt es zu schließen: zum Beispiel durch eine entsprechende Ergänzung der Schutzimpfungsrichtlinie.

Eine zweite Möglichkeit besteht über §23 des SGB V. Demnach haben Versicherte Anspruch auf ärztliche Behandlung und Versorgung mit Arzneimitteln, „wenn diese notwendig sind, (…) um Krankheiten zu verhüten“.

Bedenken ausräumen

Der GKV-Spitzenverband argumentiert, dass die Leistungen der GKV „das Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten dürften. Mit dem Kondom gebe es bereits „eine bewährte und leicht zugängliche Methode, einer HIV-Infektion vorzubeugen.“

Diese Argumentation ist falsch und kurzsichtig: Die PrEP ist eben gerade für jene Menschen wichtig, für die der Schutz mit Kondomen nicht durchgängig praktikabel ist. Zugrunde liegt der Irrtum, sexuelles Verhalten sei immer rational steuerbar. 

Mittels PrEP HIV-Infektionen zu verhindern, müsste auch im Interesse der Krankenkassen liegen: Eine meist befristete PrEP ist sehr viel günstiger als eine lebenslange HIV-Behandlung.

Chancen nutzen, Risiken vermeiden

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die PrEP auf die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel gesetzt. In anderen Ländern wie zum Beispiel England oder in Metropolen wie San Francisco hat sie bereits zu einem erheblichen Rückgang der HIV-Neuinfektionen beigetragen. In den USA und Frankreich kommt die HIV-Prophylaxe schon länger zum Einsatz und wird teilweise massiv beworben.

In Deutschland stößt die PrEP hingegen unverständlicherweise noch auf Hindernisse. Dabei hat jedes Zögern vermeidbare HIV-Infektionen und die unsachgemäße Anwendung der PrEP auf eigene Faust zur Folge.

Ziel muss sein, die PrEP möglichst schnell allen Menschen zugänglich zu machen, die sie brauchen, um HIV-negativ zu bleiben. Sie muss darum eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen werden.

Gemeinsamer Appell für die PrEP in Deutschland der Deutschen AIDS-Hilfe mit den medizinischen Fachgesellschaften DAIG und dagnä