„Pille zum Schutz vor HIV“ jetzt in Deutschland verschreibungsfähig

Das HIV-Medikament Truvada kann ab sofort auch HIV-Negativen zum Schutz vor einer HIV-Infektion verschrieben werden (Prä-Expositions-Prophylaxe, kurz PrEP).

Die Europäische Kommission hatte Truvada bereits im August zur HIV-PrEP zugelassen, allerdings unter Auflagen: Der Hersteller Gilead musste Schulungsmaterialien für Verordner_innen und Anwender_innen mit der jeweiligen nationalen Zulassungsbehörde abstimmen und den potenziellen Verschreiber_innen zur Verfügung stellen.

Diese Schulungsmaterialien sind mittlerweile bei den Ärzt_innen angekommen. Truvada zur PrEP ist damit verkehrsfähig und kann verschrieben werden.

Die Kosten von über 800 Euro für eine Monatsration des Medikaments müssen Anwender_innen bis auf Weiteres allerdings selbst tragen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzt_innen, Zahnärzt_innen, Psychotherapeut_innen, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland, gab der Deutschen AIDS-Hilfe dazu folgende Auskunft:

„Anders als bei Arzneimitteln zur Krankenbehandlung, für die mit der Zulassung grundsätzlich ein Anspruch auf Versorgung zu Lasten der GKV für entsprechend Versicherte besteht, sind Leistungen einschließlich Arzneimittel zur Prävention von Krankheiten in der Regel nicht erstattungsfähig. Ausnahmen hierzu enthalten die §§ 20 ff. sowie der Anspruch auf medizinische Vorsorgeleistungen nach § 23 SGB V. In Bezug auf die konkrete Anwendung von Truvada zur präexpositionellen HIV-Prophylaxe hat der G-BA aber bisher noch nicht beraten.“

Die Deutsche AIDS-Hilfe setzt sich dafür ein, die PrEP den Menschen zugänglich zu machen, die sie brauchen, um sich vor HIV zu schützen. Sie hat den Hersteller Gilead aufgefordert, dazu mit einer Preissenkung beizutragen.

Die PrEP verhindert HIV-Infektionen zuverlässig. Sie wird in immer mehr Ländern Menschen mit hohem HIV-Risiko als zusätzliche Option zur Verfügung gestellt, die andere Schutzmöglichkeiten nicht ersetzt. In Deutschland kommt die PrEP zurzeit vor allem für schwule Männer mit einem hohen HIV-Risiko in Frage.

(hs)

Quellen/weitere Informationen

Arznei für PrEP in Deutschland verfügbar (Meldung auf aerztezeitung.de vom 11.01.2016)

Deutsche AIDS-Gesellschaft veröffentlicht vorläufige PrEP-Empfehlungen (Meldung auf aidshilfe.de vom 25.08.2016)

Europäische Zulassung von Truvada zur HIV-PrEP erfolgte unter Auflagen (Meldung auf aidshilfe.de vom 23.08.2016)

EU-Kommission erteilt Zulassung für Truvada zur HIV-PrEP (Meldung auf aidshilfe.de vom 22.08.2016)

HIV-Medikament zur Vorbeugung: Der Weg ist frei! (Meldung auf aidshilfe.de vom 22.07.2016)